Onisiwo drängt sich gehörig auf

Jörg Schneider. Mainz.
Einen Tag später als gewöhnlich hat am Bruchweg die Trainingswoche begonnen. Weil die Profis des FSV Mainz 05 nach dem Sonntagspiel gegen Darmstadt 98 auch in Dortmund wieder am Sonntag ranmüssen, hat sich der Arbeits-Rhythmus geändert. Möglicherweise sitzt im Auswärtsspiel beim BVB erstmals Karim Onisiwo auf der Bank. Der Neuzugang trainiert seit über einer Woche wieder unter voller Belastung, ist nah dran am 05-Kader, hat laut Martin Schmidt jetzt auch die nötige Frische und Robustheit. „Er drängt sich jedenfalls ganz gehörig auf“, sagt der 05-Coach.

Am Bruchweg haben am Mittwochmorgen die Vorbereitungen auf das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund begonnen. Die Trainingswoche begann einen Tag später als gewöhnlich, weil sich der Rhythmus geändert hat. Nach dem Sonntagsspiel am Ende der Englischen Woche gegen Darmstadt 98 geht’s nun am Sonntagabend zum BVB. Das Team von Thomas Tuchel hat am Donnerstag noch die Achtelfinal-Begegnung gegen Tottenham Hotspur in der Europaliga vor der Brust.

Martin Schmidt hatte am Vormittag 17 Feldspieler bei der Arbeit. Loris Karius und Jairo wurden geschont. Pierre Bengtsson und Philipp Klement absolvierten ein Spezialtraining auf dem Nebenplatz. Beide sollen in der kommenden Woche wieder mit dem Kader trainieren. Vorher wird’s wohl auch nichts bei Niko Bungert. Der Innenverteidiger ist am Mittwoch gelaufen, wird aber wegen seiner muskulären Probleme am Hüftbeuger noch einige Tage brauchen, um in den Kreis der Mannschaft zurückzukehren. Yoshinori Muto und Emil Berggreen sind für die Länderspielpause nach dem Auswärtsspiel in Bremen als Wiedereinsteiger geplant.

Auf dem Weg in den Spielkader: Karim Onisiwo drängt sich nach Ansicht seines Trainers im Moment gehörig auf. Foto: Jörg SchneiderUnterdessen arbeitet Karim Onisiwo intensiv an seinem Bundesliga-Debüt. Der Neuzugang aus Österreich, der wegen einer schmerzhaften Entzündung am Gelenk des großen Zehs wochenlang ausgefallen war, trainiert seit vergangener Woche wieder unter Vollbelastung. „Er hat noch ein paar Probleme damit, den Rhythmus aufzunehmen“, sagt der 05-Trainer, „doch jetzt hat er die Frische, ist bereit und wieder richtig drin. Karim braucht jetzt die komplette Trainingswoche, dann gucken wir, ob es für den Kader in Dortmund reicht. Er drängt sich jedenfalls ganz gehörig auf.“ Schmidt sehnt die Situation herbei, dass der 24-jährige Flügelstürmer ein vollwertiges Team-Mitglied wird. Denn Onisiwo, der sowohl auf der Außenbahn als auch als zweite Spitze spielen kann, würde dem 05-Angriff mehr Variabilität verleihen. „Wir haben im Moment wenig Varianten auf der Außenbahn. Wir haben Jairo, Christian Clemens und Pablo De Blasis. Mit Karim hätten wir eine zusätzliche Option. Besonders durch seine Größe, seine Kopfballstärke und seine Robustheit“, sagt Schmidt, der spätestens in Bremen mit dem Österreicher rechnet. „Er muss sich da reinarbeiten.“

Längerfristig gesehen soll der Mainzer Angriff wesentlich schwerer auszurechnen und durchschlagskräftiger werden als bisher. Jhon Cordoba muss derzeit den Alleinunterhalter in der Spitze geben. Der 05-Trainer möchte aber irgendwann mit zwei Spitzen agieren. „Aktuell wird das, wenn Muto und Berggreen wieder dabei sind. Dann können wir in jedem Fall vorne mit zwei hervorragenden Stürmern auftreten.“ Egal, in welcher Konstellation. Je nach Aufgabe und Gegner könnte dann auch Onisiwo eine variable Rolle spielen.

„Zuerst muss er aber seine ersten Schritte auf dem höheren Level der Bundesliga machen“, betont der Trainer. Onisiwo kam bekanntlich vom SV Mattersburg und will den Durchbruch in Deutschland schaffen. „Er soll zunächst auf seiner gewohnten Position beginnen, auf der er seine Abläufe kennt. Er muss wieder dahin kommen, wo er vor seiner Verletzung bei uns schon mal im Januar war. Dann ist er ganz klar ein Kandidat.“ Der Profi zeige im Training gute Fortschritte, erziele Tore, sei robust im Zweikampf. Da steht über kurz oder lang der erste Bundesliga-Einsatz an.

Auch Stefan Bell ist nach der Verletzung wieder topfit und voll einsatzfähig. Beim 0:0 gegen Darmstadt kam der Innenverteidiger in der Schlussphase und bildete zusammen mit Leon Balogun und Alexander Hack die hintere Dreierkette. Ein System, das im Moment gut funktioniert. In München war dies ein Baustein zum 2:1-Sieg. Gegen die Darmstädter verteidigten die 05er nach Giulio Donatis Platzverweis so den Punktgewinn. „Das muss für uns immer eine Option sein“, sagt der 05-Trainer. Drei zentrale Innenverteidiger, die von zwei defensivstarken Außenverteidigern bei gegnerischem Ballbesitz unterstützt werden, das kann auch in Dortmund wieder eine mögliche Variante sein.

Der Vorteil daran: Gegen technisch hervorragende Mannschaften, die aus eigenem Ballbesitz heraus die Passwege in die Schnittstellen der Abwehr suchen, verdichten die dann fünf defensiven Spieler die Räume und können in der Umschaltbewegung nach Balleroberung mit viel Tempo nach vorne arbeiten. Das gelang in München perfekt beim Siegtreffer in der Schlussphase, als Daniel Brosinski den Sprint und das Dribbling auf der rechten Außenbahn aufgezogen und Jhon Cordoba am Ende der Kombination das 2:1 erzielt hatte. „Bei einer Viererkette hast du die Außenverteidiger nicht so schnell so hoch in Aktion“, sagt Schmidt, der noch überlegt, welchen Ansatz er in Dortmund suchen möchte. Seinen Ex-Cheftrainer Thomas Tuchel könne er taktisch ohnehin nicht überraschen. „Thomas weiß, was von uns kommt. Wir können nichts verstecken. Wir können aber mutig und leidenschaftlich sein, ein Kampfspiel aus diesem Duell machen."

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