Onisiwo nimmt Herausforderung an

Jörg Schneider. Mainz.
Beim 2:1-Sieg gegen Newcastle United hat der Trainer des FSV Mainz 05 erneut eine Abwehr-Variante ausprobiert, die Sandro Schwarz als mögliche Alternative fest im Repertoire verankern will: Die Versetzung von Gerrit Holtmann und Karim Onisiwo auf die Außenverteidiger-Positionen. Onisiwo hat im Laufe der Vorbereitung aus dieser Rolle heraus einen Treffer erzielt und war an vier weiteren Toren maßgeblich beteiligt. Ganz überzeugt von diesem Projekt scheint der Österreicher aber noch nicht zu sein. „Meine Position ist rechts oder links im Mittelfeld. Dort bevorzuge ich es zu spielen“, sagt er. „Rechts hinten hat einen Reiz, ich versuche, das Beste rauszuholen. Ich denke, man muss überall den Kampf annehmen. Das mache ich.“

Eine solche Konstellation hätte sich vor ein paar Wochen noch niemand vorstellen können. Der Trainer des FSV Mainz 05 präsentierte beim 2:1-Testspielsieg gegen Newcastle United am Samstag in der zweiten Halbzeit eine Viererkette, in der mit Leon Balogun nur ein einziger gelernter Verteidiger agierte. Nicht zum ersten Mal im Übrigen im Verlauf dieser Vorbereitung. Ab der 60. Minute bestand die 05-Abwehr aus Karim Onisiwo auf der Rechtsverteidiger-Position, den Innenverteidigern Balogun und Fabian Frei sowie Gerrit Holtmann als Linksverteidiger. „Viel offensiver kann man die Abwehr nicht aufstellen, das stimmt“, sagte Sandro Schwarz nachher.

Wirkungsvoll auf der neuen Position: Karim Onisiwo hat als Rechtsverteidiger bereits vier 05-Torerfolge eingeleitet und vorbereitet. Foto: René VigneronMit Onisiwo und Holtmann außen anstelle von Giulio Donati und Daniel Brosinski verfolgt Schwarz seit Wochen den klaren Plan einer zusätzlichen Variante: Mehr Tempo auf den Außenbahnen mit schnellen Offensivkräften, die mit Anlauf Fahrt aufnehmen, mehr Platz haben, ihre Schnelligkeit einzusetzen als von der vorgezogenen Mittelfeldposition aus, die flanken und Chancen vorbereiten können. Das hat bisher gut funktioniert, auch wenn beide Offensivleute ihr reines Verteidigungsverhalten noch verbessern müssen. Wobei allerdings gerade Onisiwo in den bisherigen Testspielen mehrfach Balleroberungen hatte und daraus Torchancen und Treffer einleitete. Beide waren zudem aus dieser Position heraus auch schon als Torschützen erfolgreich.

Holtmann, in der vergangenen Saison als Linksaußen kaum zum Einsatz gekommen, hat sich inzwischen mit der neuen Position längst angefreundet, betreibt die Umschulung intensiv und mit viel Motivation. Der Österreicher scheint dagegen noch zu zweifeln, ob seine Zukunft als Rechtsverteidiger eine Dauerlösung werden kann. „Ich denke, dass ich diese Position erst mal ausfüllen werde. Ich habe ein Gespräch mit dem Trainer darüber geführt. Es ist für mich kein Problem“, sagte Onisiwo nach der Partie gegen den englischen Premier-League-Aufsteiger. Überzeugt davon scheint der 24-Jährige allerdings noch nicht zu sein. „Meine Position ist rechts oder links im Mittelfeld. Dort bevorzuge ich es zu spielen“, sagt er. „Rechts hinten hat einen Reiz, ich habe es auch schon mal in der Jugend gespielt. Ich versuche, das Beste rauszuholen. Ich denke, man muss überall den Kampf annehmen. Das mache ich.“

Onisiwo, der in der Vorsaison lediglich auf 16 Bundesligaeinsätze kam, die meisten davon als Ein- oder Auswechselspieler bestritt und für seine Leistungen wenig gute Kritiken erhielt, kann durchaus als einer der positiven Erscheinungen dieser Saisonvorbereitung gezählt werden. Ein Treffer selbst erzielt (beim 4:0 gegen TuS Koblenz), mehrere eigene Abschlusschancen und insgesamt an vier weiteren Treffern beteiligt, die der Österreicher als Rechtsverteidiger einleitete oder vorbereitete. So, wie beim 5:2 gegen den FC Tokio oder nun gegen Newcastle, als er hinten den Ball eroberte, über die rechte Seite davonzog, Philipp Klement im Zentrum bediente, der dann für den Siegtorschützten Viktor Fischer auflegte. „Sensationell vorbereitet“, lautete der Kommentar des 05-Trainers dazu.

Schwarz will diese Varianten auf den beiden Außenbahnen jedenfalls fest im Repertoire der 05er verankern, lässt Holtmann und Onisiwo auch in sämtlichen Trainingseinheiten Gewohnheiten und Sicherheit auf diesen Positionen entwickeln. Onisiwo sieht Fortschritte in seinem Spiel und dem der Mannschaft. „Ich habe einen sehr guten Eindruck. Ich denke, dass wir uns im Trainingslager die Körner geholt, die Intensität hoch geschraubt haben. Wir haben jetzt eine gute Fitness. Die Spielidee, die sich der Trainer vorstellt, können wir schon halbwegs umsetzen. Es blitzt immer wieder schon durch.“

Frei: Gutes Näschen für die Situation

Ob auch Fabian Frei eine neue Heimat findet in der Abwehr oder ob die Versetzung des Schweizers nach hinten nur der Tatsache geschuldet ist, dass mit Niko Bungert und Alexander Hack zwei zentrale Verteidiger wegen Verletzung bisher die Vorbereitung verpassten, genauso wie Gaetan Bussmann, muss sich noch zeigen. Frei hat in den Testspielen in Wiesbaden, gegen Tokio und Greuther Fürth sowie nun gegen die Engländer längere Zeit die linke Innenverteidiger-Position übernommen und nicht schlecht ausgesehen dabei. „Philipp Klement würden wir da nicht hinstellen“, sagt Schwarz. „Aber Fabian hat es auch in den Trainingseinheiten sehr gut gemacht auf der Innenverteidigerposition. Er hat ein gutes Näschen für die Situation, läuft die Bälle ab.“ Einen Versuch ist es allemal wert, solange Hack und Bungert nicht dabei sind. Allerdings deutete Neuzugang Abdou Diallo bisher an, dass der junge Franzose eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten 05-Innenverteidger darstellt und auf Einsätze pocht. „Jeder, der im Moment im Kader steht,  ist in der Verlosung drin“, betont Schwarz, der immer noch fast drei Wochen Zeit hat, um eine Formation für den Bundesliga-Auftakt herauszufiltern.

Weniger umkämpft ist die Situation bei den Torhütern. René Adler ist die klare Nummer eins. Der ehemalige National-Keeper, darf sich jedoch nicht auch noch verletzen, sonst kann es kritisch werden. Jannik Huth fehlt noch wochenlang wegen eines Kahnbeinbruchs in der linken Hand. Florian Müller beginnt nach der langen Pause wegen einer Hüftoperation langsam wieder mit dem Mannschaftstraining. Deshalb ist Robin Zentner, der eigentlich für die U23 vorgesehen war, unverhofft zur Nummer zwei hinter Adler aufgestiegen. „Das bereitet mir keine Kopfschmerzen. Ich  gehe nicht abends ins Bett und denke, hoffentlich passiert da nichts“, sagt Schwarz. „Klar ist es wichtig, dass René die Dinge durchzieht, aber wie der sich auf jedes Training vorbereitet, das ist überragend von der Einstellung her. Er ist immer in der Körperspannung drin. Und Robin hat es auch gut gemacht bisher.“

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