Optimismus trotz fehlender Fakten

Jörg Schneider. Mainz.
Obwohl der FC Ingolstadt acht Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz hat, herrscht dort vor dem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 große Zuversicht, dass dem Tabellenvorletzten ein Sieg gegen die 05er gelingt. „Wir wissen, was uns da erwartet“, sagt Rouven Schröder. „Es gibt aber keinen Grund, jetzt mit dem Kopf nach unten durch die Gegend zu rennen und allen zu zeigen, wir sind schlecht drauf und es könnte hart werden.“ Der 05-Sportdirektor sieht im Auftakt der Englischen Woche auch eine große Chance. „Es ist eine tolle Woche, um uns zu beweisen und einen guten Schritt zu gehen. Wenn wir es positiv sehen, können wir sehr, sehr viel erreichen.“

Der Rückstand auf den Hamburger SV, der vor diesem 26. Spieltag den Relegationsplatz 16 in der Bundesliga hält, beträgt acht Punkte. Zehn Zähler liegt der FC Ingolstadt hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz zurück, den sich derzeit noch der FSV Mainz 05, Werder Bremen, der FC Augsburg und der VfL Wolfsburg punktgleich teilen. Die nackten Ergebnisse der vergangenen Wochen dienen eigentlich nicht dazu, Hoffnungen auf eine mögliche Rettung zu schüren. Und trotzdem ist in Ingolstadt eine Stimmung entstanden, die geprägt ist von großer Zuversicht und unerschütterlichem Optimismus. Maik Walpurgis, dem Trainer des Tabellenvorletzten, ist es gelungen, vor dieser Partie am Sonntag (15.30 Uhr) im Audi-Sportpark gegen die 05er eine Atmosphäre aufzubauen, in der plötzlich Mannschaft und Umfeld davon beseelt zu sein scheinen, Großes vollbringen zu können, mit einem Heimsieg gegen die Mainzer die Wende einzuleiten, ein Fußball-Wunder zu schaffen.

Das hört sich dann so an: „Wir können in einer Woche mit den passenden Ergebnissen relativ viel korrigieren", erklärte Walpurgis in seiner Spieltags-Pressekonferenz. „Wir sind gewohnt, mit der Tabellenkonstellation umzugehen, und fühlen uns wohl in dieser Rolle“, führte der FCI-Coach weiter aus und verglich diesen Abstiegskampf mit einem Marathon. „Wir befinden uns irgendwo bei Kilometer 35. Das ist eine entscheidende Marke. Da gibt es viele, die vom Kopf her einbrechen und sich diesen körperlichen Strapazen nicht mehr entgegenstellen." Er spüre in seinem Team jedoch genau das Gegenteil. „Die Mannschaft ist brutal fokussiert und geht mit viel Leidenschaft in die Spiele. Jeder spürt, dass wir nah dran sind und etwas holen können. Wenn wir uns jetzt belohnen, können wir in den letzten neun Spielen jede Mannschaft schlagen."
Der Grund für diese ungebrochene Zuversicht liege in der Arbeit und dem bisher Erreichten. „Wir haben uns zunächst defensiv stabilisiert, dann haben wir intensiv an der Organisation und am Spielaufbau gearbeitet, danach am Pressing und an Lösungen für das letzte Drittel. Das ist uns zuletzt immer besser gelungen, wenn man an die Vielzahl an Tormöglichkeiten in Dortmund denkt", so Walpurgis weiter. „Jetzt kommt es einfach darauf an, den letzten Schritt zu machen. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft jetzt diesen letzten Schritt macht, dass unser Spiel nicht nur gut aussieht, sondern dass wir uns jetzt auch mit Ergebnissen belohnen."

Levin Öztunali erzielte beim 2:0-Sieg in der Vorrunde den Endstand in der Partie gegen die Ingolstädter nach einem guten Heimspiel. Foto: Ekkie VeyhelmannIn Dortmund gab es für die Ingolstädter eine 0:1-Niederlage. Gewonnen hat der Vorletzte in dieser Saison insgesamt fünfmal, zu Hause sogar nur zweimal. Kein anderer Klub hat im eigenen Stadion so wenige Spiele gewonnen. Das alles wissen die 05er vor ihrer Reise nach Bayern. „Dass der Gegner vor diesem Spiel die Psychologie bemüht, ist klar“, sagt Rouven Schröder. „Sie lassen sich von den Punkten nicht beeindrucken. Sie fühlen sich nicht abgeschlagen und spielen auch entsprechend, aber das ist uns ja bewusst und überrascht uns nicht.“ Doch auch der 05-Sportdirektor bemüht sich um Zuversicht, auch wenn das schwerfällt anhand der zurückliegenden Ergebnisse. „Wichtig ist, dass man selbst überzeugt ist. Angst oder Zittern ist der völlig falsche Ratgeber, das brauchen wir nicht. Wir glauben an unsere Stärke“, sagt der 41-Jährige und betont: „Das sind keine Plattitüden oder Durchhalteparolen, sondern das ist unsere Überzeugung. Die muss man ausstrahlen. Wir fangen am Sonntag mit dieser Englischen Woche an. Wir wissen, was uns da erwartet. Es gibt aber keinen Grund, jetzt mit dem Kopf nach unten durch die Gegend zu rennen und allen zu zeigen, wir sind schlecht drauf und es könnte hart werden in einer Woche der Wahrheit. Ich finde es sehr positiv, dass es Schlag auf Schlag geht. Es ist eine tolle Woche, um uns zu beweisen und einen guten Schritt zu gehen. Wenn wir es positiv sehen, können wir sehr, sehr viel erreichen. Wir fahren nach Ingolstadt und geben Gas.“

Die Situation aus eigener Kraft regeln und gestalten zu können, sei die beste Möglichkeit. „Wir müssen nicht woanders hinschauen, sondern nur auf uns.“ Die Mannschaft gebe die richtigen Signale dafür. „Wir sehen, dass Zug drin ist. Wenn es anders wäre, dann würden wir eine andere Sprache sprechen und etwas ändern. Dass es aber intern funktioniert, ist für uns die Basis“, sagt der Sportdirektor. Bis die Mainzer am Sonntag an der Reihe sind mit ihrem Auftritt kann sich allerdings einiges tun. Je nachdem wie die Ergebnisse auf den anderen Plätzen ausfallen, kann sich die Lage noch verschärfen, sie kann sich aber auch leicht beruhigen.

„Für uns ist Fakt, dass wir dahinfahren und eine Leistung zeigen wollen, die einen Sieg bringen soll. Was bis dahin passiert, haben wir nicht in unseren Händen. Wir wollen drei Punkte und werden das Ganze so ansteuern“, sagt Martin Schmidt, der seine Mannschaft zunächst einmal auf ein intensives Kampfspiel vorbereitet. „Wir müssen uns in Ingolstadt erst einmal auf die Gegebenheiten einstellen, ihr Spiel zu neutralisieren und dann verstärkt unsere Chancen suchen. Das wird in vielfältiger Art von uns gesucht werden. Wir lassen uns nicht entmutigen, sondern fordern uns erneut. Auch unsere Stürmer wissen genau, was gefordert ist“, erklärt der 05-Coach.

Es ist keine Übermannschaft, die sich da am Sonntag vor den Mainzern auftürmt, auch wenn der FC Ingolstadt kräftig die Backen aufbläst und durchaus einiges in die Waagschale werfen kann. Die 05er sind dort aber gefordert, mal wieder über ihren Schatten zu springen, die fehlenden Erfolgserlebnisse der vergangenen Wochen auszublenden, sich nicht zaghaft und zaudernd zu präsentieren. Sondern auf der Basis einer leidenschaftlichen Kampfleistung ihre zuletzt brachliegenden Stärken neu zu beleben, mit ihrer auch auswärts schon häufig funktionierenden Defensiv-Struktur und -Organisation den Gegner vom eigenen Strafraum wegzuhalten, mit Überzeugung und viel Investition Qualität auf den Platz zu bringen und die sich bietenden Möglichkeiten im Umschaltspiel konsequenter als zuletzt ins letzte Drittel und effizienter zum Abschluss zu bringen. Die entsprechenden personellen Optionen dafür sind in der Mannschaft vorhanden.

► Alle Artikel zum Spiel beim FC Ingolstadt

► Zur Startseite