Öztunali und Huth für die EM qualifiziert

Christian Karn. Mainz.
Ohne Punktverlust hat sich die deutsche U21-Nationalmannschaft für die Europameisterschaft in Polen qualifiziert. Beim 4:3 gegen Russland, das den Gruppensieg sicherstellte, spielten die beiden nominierten Mainzer keine Rolle, beim abschließenden 4:1 in Österreich aber stand Jannik Huth im Tor und Levin Öztunali traf zum 2:0. Frankreich hat dagegen trotz eines abschließenden 3:0 in Nordirland die Qualifikation verpasst; im Klassement der Gruppenzweiten stehen die Franzosen weit unten. Seinen Stammspieler Jean-Philippe hatte der französische Trainer so kurz nach dessen Verletzung nicht fürs abschließende Spiel nominiert.

Die Länderspiele

Mi., 5. Oktober:
16.00: USA - U20 0:1

Do., 6. Oktober:
14.00: GIB - U19 0:5
20.45: KOS - CRO 0:6
20.45: TUR - UKR 2:2

Fr., 7. Oktober:
18.00: U21 - RUS 4:3
19.00: Hadamar - 05 0:7
20.00: ENG - U20 3:1

Sa., 8. Oktober:
14.00: ALB - U19 2:3
20.45: POL - DEN 3:2

So., 9. Oktober:
18.00: UKR - KOS 3:0
20.45: ISL - TUR 2:0

Mo., 10. Oktober:
20.00: NED - U20 2:4 i.E.

Di., 11. Oktober:
14.00: IRL - U19 0:4
18.00: AUT - U21 1:4
20.45: DEN - MNE 0:1

Auf beeindruckende Weise hat sich die U21-Auswahl des DFB für die Europameisterschaft im kommenden Juni in Polen qualifiziert. Von zehn Spielen gegen Österreich, Finnland, Aserbaidschan, Russland und die Färöer gewann die Nachwuchs-Nationalmannschaft alle. Das 4:3 gegen Russland am Freitag in Ingolstadt sicherte bereits die direkte Qualifikation, das 4:1 in St. Pölten gegen die bereits als Playoff-Teilnehmer feststehenden Österreicher wäre nicht mal mehr notwendig gewesen.

In der entscheidenden Partie spielten die beiden nominierten Profis des FSV Mainz 05 keine besondere Rolle. Torwart Jannik Huth saß wie in der Bundesliga auf der Bank, Rechtsaußen Levin Öztunali wurde erst in der 89. Minute eingewechselt. Alle sieben Tore waren da bereits gefallen: In der ersten Hälfte der Kopfballtreffer des Wolfsburgers Maximilian Arnold zum 1:0, dann binnen drei Minuten das 2:0 des Bremers Serge Gnabry, das 3:1 des Leipzigers Davie Selke und das erste Gegentor, kurz vor dem Pausenpfiff das durchaus fein geschossene 3:2, nach einer Stunde wiederum in schneller Folge Arnolds Elfmetertor zum 4:2 und der dritte russische Treffer. Die Art und Weise der Gegentore zeigte dabei einen gehörigen Handlungsbedarf in der Defensivarbeit: Die gehörige Bundesligaerfahrung von im Schnitt zwei kompletten Saisons, jeweils mindestens 50 Spielen, die der Berliner Mitchell Weiser, der Leverkusener Jonathan Tah, der Hoffenheimer Niklas Süle, der Wolfsburger Yannick Gerhardt und der Dortmunder Matthias Ginter haben, war nicht zu sehen. Zweimal war das Zentrum nicht dicht, einmal rutschte ein Freistoß zu leicht durch - und hätte er das Tor verfehlt, hätte es Elfmeter und möglicherweise dazu Rot für den Torwart Marvin Schwäbe geben müssen.

Levin Öztunalis sechster Einsatz in der U21-Nationalmannschaft ging nur über wenige Minuten. Beim siebten stand der Mainzer wieder in der Startelf und schoss sein drittes Tor. Foto: imagoGegen Österreich ließ der neue Trainer Stefan Kuntz einige Stammspieler auf der Bank. In einem letztlich bedeutungslosen Spiel stand daher Huth im Tor, Öztunali spielte links außen. Und schoss in der 52. Minute das 2:0. Es war das absolute Gegenteil von Arnolds Führungstor: Der Kapitän hatte aus gut 30 Metern einen Gewaltschuss unter die Latte geknallt - nach oben und nach unten waren wohl keine fünf Zentimeter Platz, Torwart Daniel Bachmann (Stoke City) war im Prinzip da, konnte diesen Ball aber nicht mehr erreichen (12.).

Öztunalis Tor begann mit Leroy Sané. Der Ex-Schalker, der bei Manchester City bisher nur Einwechselspieler ist, schoss von rechts, Bachmann wehrte den Ball vor die Füße des Mainzer Angreifers ab. Und der hatte auch diesmal Zeit und Raum unter Kontrolle, überblickte die Situation, legte sich den Ball noch einmal zurecht, schob ihn dann sacht zwischen dem Torwart und dem herbeigrätschenden Verteidiger durch ins lange Eck (52.).

Ein Fehlpass des Grazers Andreas Gruber - wie Bachmann ohne jede Spielpraxis im Profifußball - führte zum 3:0. Sané gab den Ball an den kreuzenden Selke weiter, der hatte viel Platz im Strafraum (58.). Der Freiburger Einwechselspieler Janik Haberer erhöhte mit einem Foulelfmeter auf 4:0 (78.). Dann erst verkürzte der große Innenverteidiger Philipp Lienhart aus dem Nachwuchs von Real Madrid auf 4:1. Huth hatte sich bei diesem Eckball möglicherweise zu sehr aufs kurze Eck konzentriert, am langen Pfosten gab es keine Absicherung, um den Kopfball noch abzuwehren. In der ersten Hälfte hatte Huth gegen Kevin Friesenbichler (Austria Wien) noch mit einem Kuhnert-Block den Ausgleich verhindert; viel mehr hatte der Mainzer Torwart nicht zu tun.

"Mit zehn Siegen in zehn Spielen fährt man nicht als die blindeste Mannschaft zur EM", sagte der dreimalige Torschütze Arnold. "Eigentlich könnte die EM morgen starten." Das dürfte freilich auch die englische A-Nationalmannschaft vor ein paar Monaten gedacht haben; weit gekommen sind die Engländer bei der Europameisterschaft in Frankreich bekanntlich nicht. Trainer Kuntz weiß: "Es ist eine Momentaufnahme, über die wir uns freuen. Aber damit erhöhen wir die Ansprüche. Das muss uns klar sein, dem stellen wir uns."

Die französische U21-Nationalmannschaft hat in Abwesenheit ihres kürzlich noch verletzten Rechtsverteidigers Jean-Philippe Gbamin, der bei den 05ern im defensiven Mittelfeld spielt, in Nordirland 3:0 gewonnen und dennoch die EM verpasst. Durch die turbulente 2:4-Niederlage Islands gegen die Ukraine (schon das 1:0 der Isländer war chaotisch, das 1:1 ein Eigentor des Torwarts, nach dem 2:2 Islands in der 88. Minute gab es noch zweimal Gelb, einmal Rot und zwei Gegentreffer) rutschten die Franzosen zwar auf den zweiten Tabellenplatz, aber die 14 Punkten, die ins Klassement der Gruppenzweiten einfließen, reichen nicht für die Playoff-Teilnahme. Bei einem Punktgewinn Schottlands gegen Mazedonien wären die Franzosen als Gruppensieger dabei gewesen, aber die Briten lagen früh 0:2 zurück und dabei blieb es; Mazedonien ist Erster, Gbamin ist nicht qualifiziert.

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