Pablo De Blasis: „Ich kann einfach nicht aufgeben“

Jörg Schneider. Mainz.
Er hat lange warten müssen, bis er zeigen durfte, was er drauf hat. Fast eine komplette Vorrunde lang. Dann kam ausgerechnet gegen den FC Bayern München der erste Einsatz in der Startelf. Inzwischen ist Pablo De Blasis beim FSV Mainz 05 auf dem besten Weg, sich als Publikumsliebling zu etablieren. Im Interview mit der nullfünfMixedZone spricht der Argentinier über die nicht ganz einfache Anfangszeit in der neuen Umgebung, über seine Art Fußball zu spielen und über vieles mehr.

Ein Interview, das allen Beteiligten Spaß gemacht hat: Pablo De Blasis (links) mit Übersetzer Martin Heininger. Foto: Jörg SchneiderWir sind zum Interview im „Haasekessel“ am Bruchweg verabredet. Die nullfünfMixedZone möchte mehr erfahren über Pablo De Blasis. Mehr über diesen kleinen Argentinier, den der FSV Mainz 05 im Sommer von Asteras Tripolis verpflichtete, nachdem der 27-Jährige maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass die Griechen den Bundesligisten aus dem Europapokal feuerten. Nach langer Anlaufzeit ist Pablo De Blasis inzwischen auf dem besten Weg, sich in Mainz zum Publikumsliebling aufzuschwingen. Beim Derbysieg gegen Eintracht Frankfurt gehörte er zu den auffälligsten 05-Spielern. Er müsse nur noch schnell duschen, sagt De Blasis nach dem Vormittagstraining, dann komme er sofort und es könne losgehen. Der 05-Profi hat Lust auf dieses Gespräch. Das merkt man auf Anhieb. Erleichtert wird die Unterhaltung dadurch, dass Martin Heininger als Übersetzer zur Verfügung steht und der Spieler sich in seiner Muttersprache ausdrücken kann.

Hallo Pablo, was macht die Kunst?

Mir geht es sehr gut, muss ich sagen. Ich bin sehr glücklich hier zu sein. Ich bin im Moment sehr froh mit der Mannschaft, dass ich aktiv etwas beisteuern kann und vor allem, dass ich spiele.

Wie ist die Arbeit mit dem neuen Trainer?

Im Grunde genommen ist es eine ähnliche Arbeit wie vorher auch. Aber es läuft alles sehr viel intensiver ab. Alle Spieler fangen ja wieder bei null an und somit wird das Ganze etwas arbeitsintensiver, härter, aber es macht auch mehr Spaß so.

Wie ist Dein persönlicher Status in der Mannschaft? Wie siehst Du Dich selbst im Moment?

Von meiner Erwartung und Position her hat sich nicht viel verändert. Auch wenn ich nicht gespielt habe, war es immer meine Aufgabe, meinen Teil dazu beizutragen und der Mannschaft zu helfen, ordentlich mit zu trainieren. Jetzt ist es im Prinzip dasselbe. Nur, dass ich das Ganze auf dem Platz zeigen kann.

Du hast sehr gute Spiele gemacht zuletzt. Glaubst Du, dass Du Deine Rolle gefunden hast im Spiel, im Team, im System Mainz 05?

Ich fühle mich jetzt natürlich noch ein bisschen eingeschlossener in der Gemeinschaft. Dadurch, dass ich mehr spiele. Aber ich kenne auch meine Rolle außerhalb der Startelf. Damit kann ich sehr gut umgehen. Es gibt genügend andere Kollegen, die auch meinen Platz im Team wieder einnehmen können. Das Wichtigste für mich ist, ich muss sehen, dass ich gut spiele, gut trainiere und der Mannschaft weiterhin alles gebe.

Ist das jetzt die Idealposition für Dich, über die Außen zu spielen, Chancen vorzubereiten?

Ich habe mich ursprünglich immer am wohlsten gefühlt als Sturmspitze. Aber dadurch, dass wir mit Shinji Okazaki einen Super-Stürmer vorne drin haben, habe ich es kennen und schätzen gelernt über die Seiten zu kommen. Auch da kann ich viel bewegen, viel wechseln, mein flexibles Spiel einbringen. Und Tore vorzubereiten, muss ich sagen, macht auch großen Spaß.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Spiel im Strafraum und dem Drumherum?

Natürlich, wenn du als Sturmspitze vorne drin spielen kannst, hast du in den Beinen erst einmal mehr Stärke in der Sekunde, in der du den Abschluss suchst. Als Flügelflitzer hin und her zu rennen und dann den finalen Schuss zu setzen, fehlt in dem Sinne dann mehr Power als wenn du dich nur in der Box aufhältst.

Pablo De Blasis (rechts, gegen Timothy Chandler) gehörte mit seiner Spielweise zu den auffälligsten 05ern im Derby. Der Argentinier ist mit seiner Art zu spielen auf dem besten Weg zum Publikumsliebling. Wir haben Dich erlebt als einer, der immer Vollgas gibt, der viel läuft, fightet, sich in jeden Zweikampf stürzt. Wie beschreibst Du selbst Deine Spielweise?

Meine Art über Fußball nachzudenken ist die, dass jeder Ball, den ich bekommen kann, der letzte in einem Spiel sein kann. Deshalb muss ich alles dafür geben, dass ich diesen Ball kriege. Und dann ist es völlig egal, ob das in der ersten oder in der letzten Minute ist. Auch wenn im Spiel mal nichts läuft, muss man immer bereit sein, schnell handeln, denken und umschalten, damit man diesen einen Ball wieder bekommt. Das ist im Grunde meine Einstellung zum Spiel.

Im System Martin Schmidt ist es wahrscheinlich noch laufintensiver. Ein Problem für Dich?

Alles, was mit Rennen und Laufen zu tun hat, ist für mich kein Problem.

Du hast, wenn wir das Spiel gegen Eintracht Frankfurt nehmen, viele Bälle verteilt, Aktionen vorbereitet. Hast Du das früher schon so gespielt?

Bei allen meinen Stationen, wo ich war, habe ich immer etwas von allem gemacht. In Argentinien habe ich als Sechser angefangen, was sich kaum jemand so richtig vorstellen kann. In Griechenland ging es eher Richtung Stoßstürmer und ab und zu auch über die linke Seite. Und auch da habe ich diverse Spielarten eines Stürmers kennengelernt.

Das Publikum mag Deine Art zu spielen. Kriegst Du das mit, merkst Du, dass sich da etwas überträgt, dass der Funke überspringt?

In Argentinien und in Deutschland ist die Art Fußball zu schauen sehr ähnlich. Fußball wird da mitgelebt 90 Minuten lang. Nicht wie in anderen Ländern, wo Fußball oft als Event dargestellt wird. Da spürst du natürlich auch persönlich die Unterstützung nach einer gelungenen Aktion. Das stachelt dich einfach noch mehr an. Wer sich davon nicht motivieren lässt, dem fehlt etwas.

Braucht man als Spieler die Anerkennung des Publikums?

Es ist natürlich viel schöner, wenn eine solche Unterstützung da ist. In Tripoli, wenn’s nicht gut lief, da waren maximal 3000 Zuschauer da und das war’s. Da kann es natürlich sein, dass du eher deinen Stiefel runterspielst. Wenn du aber 30.000 Fans hinter dir hast, jede Aktion beobachtet oder sogar bejubelt wird, dann ist das natürlich ein großer Vorteil.

Im 05-System musst Du auch klare Defensivaufgaben erledigen. Ist das schwierig, die zu lernen? War das eine Umstellung?

Mehr oder weniger. Wir Stürmer sind ja nicht gerade dafür bekannt, dass wir die besten Defensivspieler sind. Aber wie ich schon sagte, mit der Einstellung nie aufgeben zu wollen, jeden Ball kriegen zu wollen, fahre ich eigentlich ganz gut. Zweikämpfe führen offensiv wie defensiv und versuchen, meinen Teil dazu beizutragen.

Es gibt Szenen aus Deinen Spielen, da steigst Du, wie gegen  Bayern oder jetzt gegen die Eintracht, zum Kopfball hoch gegen einen Abwehrmann, der 25 Zentimeter größer ist, und gewinnst dieses Duell sogar mal. Woher kommt diese Kopfballstärke?

Man trainiert so etwas natürlich mit dem Konditionstrainer und viel im Kraftraum, aber ich habe von Kindesbeinen an nie Angst gehabt. Ich hatte schon mit zehn Jahren immer Gegenspieler die alle größer waren. Ich war immer schon der Kleinste. Das Rezept heißt, in solchen Situationen nie Angst zu haben.

Es hat lange Zeit gedauert, bis Du Deinen Platz im Team hattest und Deine Stärken zeigen Durftest. Warum war das so?

Dazu habe ich keine klare Antwort. Ich weiß es eigentlich auch nicht, warum es anfangs vielleicht nicht so ging. Ich habe jedoch nie das Ziel aus den Augen verloren. Wenn ich schon hier bin, dann will ich das auch zeigen. Ich kann einfach nicht aufgeben. Vielleicht ist das eine Art Erfolgsrezept von mir, ich muss immer weiter hart an mir arbeiten und Kontinuität im Training bringen.

Pablo De Blasis beim Interview im "Haasekessel": Jeder Ball könnte der letzte sein im Spiel. Foto: Jörg SchneiderHattest Du selbst das Gefühl, es hätte auch schneller gehen können?

Ich wäre gerne immer dabei gewesen. Am liebsten vom ersten Tag an. Doch das spricht auch für die Leistung der Mitspieler, dass sie es einem so schwer wie möglich machen, in ein Team reinzukommen, weil sie einfach gut sind. Deshalb hat es halt etwas gedauert.

Wie schwer war diese Zeit? Du wirst geholt, bist der Meinung, man braucht Dich und dann spielst Du fast ein halbes Jahr kaum.

Das ist schon etwas schwierig gewesen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht überrascht gewesen, dass man mich auf einmal nicht brauchen kann. Die Zeit war nicht einfach, aber das Wichtigste für mich war immer, den Kopf oben zu halten. Meine Kollegen haben mich dabei unterstützt. In der Gruppe war es möglich, sich durch gutes Training heranzuarbeiten. Das habe ich zwar erst nach längerer Zeit, aber dann schließlich doch geschafft.

Sagst Du heute, nach einem guten halben Jahr, der Schritt war richtig und Du selbst hast alles richtig gemacht?

Ja. Trotz der langen Abwesenheit vom Spielbetrieb in diesem halben Jahr, war es für mich ein wichtiger Schritt. Teil einer solchen Liga zu sein, mich da zu zeigen, und in den vergangenen Spielen konnte ich das ja, das gibt mir viel Selbstvertrauen.

Hat der Trainer dir erklärt, warum Du nicht spielst und warst Du überrascht, dass es dann ausgerechnet gegen die Bayern los ging in der Startelf?

 Es wurde nie darüber gesprochen, warum ich nicht spielte. Es ist aber auch nicht darüber gesprochen worden, warum ich dann gegen die Bayern spielen sollte. Ich habe es als Vertrauensvorschuss und Anerkennung der Arbeit im Training genommen. So bin ich dann in dieses Spiel reingegangen mit dem klaren Gedanken: Ich muss meine Chance jetzt auch nutzen.

Wie ist es inzwischen mit der Kommunikation im Training und mit den Kollegen?

Auf dem Platz ist es so, dass ich etliche Worte, die immer wieder fallen, auf Deutsch verstehe. Viel geht auch mit Englisch. Unter Kasper Hjulmand ist ja viel Englisch gesprochen worden. Innerhalb der Spanisch sprechenden Gruppe tauschst du dich natürlich ebenfalls aus. Man spricht über einzelne Situationen. Für alle anderen Dinge ist ja dann auch noch Martin Heininger da.

Lernst Du Deutsch?

Ja. Mit Jairo zusammen lerne ich zweimal die Woche bei einer Deutsch-Lehrerin.

Wie ist das Leben für Dich als Argentinier in Deutschland und speziell in Mainz?

Ich führe ein entspanntes Leben mit meiner Freundin hier in Mainz. Ich schaue mir viele Fußballspiele an, auch aus Argentinien und trinke gerne meinen Mate-Tee. Ja und ich kann schön entspannt durch die Stadt gehen. Es ist alles sehr angenehm. Klar, ich vermisse die Verwandtschaft und die Familie, aber meine Freundin ist ja hier und das ist gut.

Wo kriegst Du hier denn Mate?

In Bremen gibt es einen online-Handel, wo ich mich mit dem Zeug versorgen kann.

Was magst Du besonders in Mainz?

Schwierige Frage. Die Mischung aus Entspanntheit in der Stadt und der Angespanntheit und der Euphorie im Stadion. Das ist sehr schön.

Und was magst Du nicht?

Es ist etwas zu kalt hier.

Letzte Frage, warum steigt Mainz 05 nicht ab?

Weil unsere Mannschaft Charakter hat und weiß, mit jeder Situation umzugehen.

 

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