Park erneut im Finale

Christian Karn. Mainz.
Die südkoreanische Nationalmannschaft steht im Finale der Asienmeisterschaft. Ob sie am Samstag, 10 Uhr deutscher Zeit, gegen die Vereinigten Arabischen Emirate oder den Gastgeber Australien spielen wird, entscheidet sich am morgigen Dienstag. Beim 2:0 gegen Irak im Halbfinale konnte sich die Mannschaft mit dem Mainzer Joo-Ho Park dank einer Zwei-Tore-Führung kurz nach der Halbzeit lange darauf beschränken, dem harmlosen irakischen Angriff im Weg zu stehen.

Südkorea steht nach einem 2:0-Sieg gegen Irak im Finale der Asienmeisterschaft. Damit auch Joo-Ho Park, der so etwas schon vor einem knappen halben Jahr erlebt hat: Im Oktober gewann der Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 bereits mit dem U23-Nationalteam das Fußballturnier der Asienspiele. Damals schlugen die Südkoreaner Nordkorea 1:0. Wer diesmal der Gegner ist, entscheidet sich morgen im zweiten Halbfinale zwischen Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Eine gewisse Weiterentwicklung ist im südkoreanischen Team inzwischen zu sehen. Ein Turniersieg scheint nicht mehr so unwahrscheinlich wie in der Vorbereitung und den ersten Gruppenspielen, zumal nach dem Ausscheiden der Japaner im Viertelfinal-Elfmeterschießen kein klarer Favorit mehr zu erkennen ist. Gegen die Gastgeber hat Parks Team im Gruppenspiel bereits gewonnen. Und die Mannschaft der Emirate besteht eigentlich nur aus Ali Mabkhout: Kann Korea den schnellen Angreifer kontrollieren, wäre auch dieser Gegner keine große Gefahr.

Koreanischer Torjubel: Joo-Ho Park (zweiter von rechts) und seine Kollegen sind soeben in Führung gegangen. Foto: imago

Ein Favorit erster Klasse wäre die Mannschaft von Uli Stielike trotzdem gegen keinen der beiden. Irak schlugen die Koreaner vor allem durch die gegnerische Offensivschwäche. Im strömenden Regen von Sydney konzentrierten sie sich lange darauf, den Irakern im Weg zu stehen, was diese ihnen nicht allzu schwer machten. Die Vorderasiaten hatten fast viele gute Chancen, aber letztlich nur einen Abschluss, einen Distanzschuss von Alaa Abdul-Zahra in der 43. Minute, mit der der koreanische Torwart Jin-Hyeon Kim mehr Mühe als erwartet hatte. Bei allen anderen Versuchen fehlte die Präzision, irgendein koreanisches Bein verhinderte immer den Torschuss. Park und seine Kollegen ließen auch in diesem Spiel einfach nichts zu.

In den ersten zwanzig Minuten sah das noch ein bisschen anders aus. Die Koreaner waren dominant, aber auch selbst ungefährlich. Ein Doppelpass zwischen Tae-Hee Nam und Leverkusens Heung-Min Son führte in der elften Minute zur ersten Chance; der Mittelfeldspieler vom katarischen Lekhwiya SC traf den Ball aber schlecht und verfehlte das Tor weit. Auffällig: Die Koreaner wagten sich fast nie in den Strafraum. Annähernd alle ihre Schüsse kamen aus 20 Metern oder mehr, so auch Sons harter Schuss unter die Latte, den der Torwart Jalal Hassan aber noch über das Tor bekam (18.).

Einzige Ausnahme: das 1:0. Das allerdings nicht aus dem Spiel heraus fiel, sondern durch einen Standard: Die Freistoßflanke von Hoffenheims Linksverteidiger Jin-Su Kim war sehr lange unterwegs, am langen Pfosten sprang Mittelstürmer Jung-Hyup Lee vom südkoreanischen Absteiger Sangju Sangmu höher als zwei Verteidiger und köpfte zur Führung ein (20.). Nach dem Tor zogen sich die Koreaner erst einmal zurück, ließen den Irakern Ball und Raum. Die aber bekamen bei allem Gerenne am Strafraum keinen Ball an den Mann. Park hatte in der Schlussphase der ersten Hälfte Glück, das Finale auf dem Platz erleben zu dürfen. Der Mainzer sah in der 41. Minute Gelb für ein (unabsichtliches) Handspiel im Mittelfeld und hätte in der Nachspielzeit für eine Schubserei mit Younis Mahmoud Gelb-Rot sehen müssen.

Es war nicht die einzige Szene, in der sich der Schiedsrichter Ryuji Sato zurückhielt. Der Japaner ließ sehr viel laufen, auch Fragwürdiges. Nam in der 14. Minute keinen Elfmeter zu geben, war absolut richtig. Schwer zu sagen, ob der Zehner der Südkoreaner absichtlich oder aus Versehen gefallen ist, die Iraker, die sofort auf große Distanz gingen, anzeigten: "Wir waren das wirklich nicht!", waren tatsächlich unschuldig. 

Nicht ganz so eindeutig waren zwei Situationen nach dem Seitenwechsel im gleichen Strafraum. In der 72. Minute wollte Ahmed Ibrahim einen Strafstoß gegen den Torwart und man konnte nachvollziehen, wie der irakische Innenverteidiger auf die Idee kam: Kim hatte ihm den Kopf weggefaustet, den Ball hatte Ibrahim schon gespielt. In der 84. Minute rempelte der Ex-Mainzer Du-Ri Cha Marwan Hussein um und auch in dieser Szene hätte Sato einen Elfmeter pfeifen dürfen - aber nicht müssen.

Entschieden war das Spiel daher im Prinzip schon nach 50 Minuten. Denn Irak bekam einen Eckball einfach nicht weg und am Ende hielt der koreanische Verteidiger Young-Gwon Kim einfach mal drauf. Der Ball war schwierig zu nehmen für den Mann vom chinesischen Klub Guangzhou Evergrande, der Aufsetzer verdeckt. Hassan reagierte etwas zu spät auf den möglicherweise noch abgefälschten Ball - 2:0.

Und wieder wurden die Koreaner in erster Linie destruktiv. Lauerten auf Konter, bekamen die nötigen Ballgewinne, spielten die Angriffe aber schlecht. Stielike, der vor dem Viertelfinale angekündigt hatte, nach Ende seines bis zur WM 2018 laufenden Vertrags seine Trainerkarriere beenden zu wollen, musste sich derweil gewisse Sorgen um Schlüsselspieler machen: Beide Sechser, Park und Sung-Yong Ki (Swansea City), sowie der Linksverteidiger Jin-Su Kim hatten Gelb und wurden von den Irakern angegriffen. Diese mussten zielstrebiger werden nach dem 2:0 - die Alternative in einem K.o.-Spiel wäre Kapitulation gewesen. Korea spielte riskant, verteidigte nicht wirklich gut, aber engagiert, fleißig, damit gut genug. Gegen Ende wurde das Spiel etwas unfreundlicher. Der irakische Kapitän Mahmoud hatte viel Arbeit, seine Hitzköpfe zu beruhigen und von Sato wegzuholen - und selbst mit diesem zu maulen. In Gefahr geriet das koreanische Tor letztlich nicht mehr. Mit 7:0 Toren und fünf Siegen in fünf Spielen qualifizierten sie sich überraschend deutlich fürs Finale.