Perfekter Konter und lockerer Elfer

Christian Karn. Mainz.
Der perfekte Konter (Jairo auf Öztunali auf Gbamin auf Córdoba auf Öztunali) und ein Elfmeter, den Jairo locker ins Tor schob, brachten dem FSV Mainz 05 den ersten Sieg des neuen Jahres. Das 2:0 gegen den FC Augsburg hätte deutlicher ausgehen können. Bojan Krkic zeigte bei seinem Startelfdebüt erste gute Szenen, stand aber im Schatten des explosiven, zustechenden, erst gegen Ende den Faden verlierenden Jairo Samperio. Der FCA brachte kaum etwas zustande; André Ramalho hatte bei seinem ersten Spiel als Innenverteidiger viel Arbeit mit Raúl Bobadilla, gewann das Duell gegen den wuchtigen Augsburger Mittelstürmer aber deutlich.

FSV Mainz 05 - FC Augsburg 2:0 (1:0)

Freitag, 10. Februar 2017, 23.371 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Donati, Bell, Ramalho, Brosinski - Gbamin, Latza - Öztunali, Bojan (70. Muto), Jairo (90+1. de Blasis) - Córdoba (90+5. Seydel).
Reserve: Huth, Frei, Bussmann, Bungert. Trainer: Schmidt.

FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Gouweleeuw, Hinteregger, Max (90. Usami) - Baier - Schmid (46. Teigl), Rieder, Ji (46. Altintop), Stafylidis - Bobadilla.
Reserve: Luthe, Janker, Kacar, Framberger.

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin).

Tore: 1:0 Öztunali (30. Córdoba), 2:0 Jairo (62., Foulelfmeter, Hitz an Córdoba).

Gelbe Karten: Latza - Hitz, Hinteregger, Gouweleeuw.

Das 0:4 in Hoffenheim hatte die 05er durchaus erschreckt. Es war ein Rückfall in überstanden geglaubte Schwäche- und Stressphasen in der Hinrunde, es war defensiv ein zu großer Kontrast gegenüber der vorhergegangenen Spiele gegen Köln und Dortmund. Eine Reaktion war gefordert, während das Publikum nervös wurde und schon an den Abstieg dachte. Die Reaktion kam. Gegen den geradezu jämmerlich schlechten FC Augsburg gewannen die 05er auch ohne Latza-Tore durch den perfekten Konter (Jairo auf Öztunali auf Gbamin auf Córdoba auf Öztunali) und einen Elfmeter (Foul an Córdoba, Tor von Jairo) 2:0, es hätte auch deutlicher ausgehen können. Der FCA hatte keine einzige klare Torchance.

Die 05er spielten erstmals seit Yunus Mallis Abschied wieder im gewohnten 4-2-3-1. Bojan Krkic war zum ersten Mal in der Startelf und verdrängte Yoshinori Muto auf die Bank. Außerdem spielte André Ramalho anstelle von Niko Bungert in der Innenverteidigung. Die übrigen neun Positionen hatte Martin Schmidt wie gehabt besetzt.

Und die elf Mainzer waren absolut wach. Waren aufmerksam. Dachten schnell, reagierten schnell, schneller als ihre Gegner und in der entscheidenden Szene der ersten Hälfte nicht schneller als der Schiedsrichter. Die 05er wehrten in der 30. Minute den einzigen Augsburger Eckball vor der Halbzeit etwas zu kurz ab. FCA-Linksverteidiger Philipp Max brauchte aber vor dem Strafraum zu lange und gab Jairo Samperio die Zeit, mit wenigen schnellen Schritten ihm den Ball zu klauen. Das war Jairos Spezialität in diesem Spiel; der Spanier stach immer wieder zu, unterbrach Augsburger Spielaufbauversuche, kam auch sofort in den Spurt.

Marwin Hitz' Hampelmann kommt viel zu spät: Levin Öztunalis Kopfball ist längst unterwegs ins Tor. Foto: imagoDiesmal nicht, weil Max dazwischengrätschte, Jairo foulte. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte schon die Pfeife im Mund und die Hand an der Gelben Karte, merkte dann: Da geht noch was! Denn Levin Öztunali hatte den Ball schon wieder. Jonathan Schmid grätschte durchaus grenzwertig gegen den Mainzer Rechtsaußen und Gräfe pfiff wieder nicht, denn der Angriff war immer noch nicht tot, Jean-Philippe Gbamin hatte den Ball schon wieder übernommen, trieb ihn weiter nach vorne, flankte quer über den Strafraum. Jhon Córdoba leitete den Ball weiter zum Elfmeterpunkt und stellte den Augsburger Torwart Marwin Hitz vor eine schwierige Wahl: Drinbleiben - und dem nachgelaufenen Öztunali beide Ecken anbieten? Rauskommen und die Notbremse riskieren? Hitz entschied sich fürs Mittelding, öffnete das Tor für Öztunalis Kopfball zum 1:0, für das erste Tor der 05-Offensive seit November.

Die Mainzer hatten in der ersten halben Stunde schon einiges fürs Spiel getan, mehr als der FCA, der vor allem Garstigkeit in die Partie brachte - und dennoch die ersten beiden Abschlüsse hatte: einen akrobatischen, überraschend strammen Schuss von Raúl Bobadilla, der aber leicht zu fangen war (14.) und einen Volleyschuss von Daniel Baier, den Lössl zu der Ecke abwehrte, die letztlich in den perfekten Konter zum Führungstor überging, in den ersten Mainzer Torschuss der Partie. Die 05er hatten ihre Szenen, brachten sie aber nicht zu Ende. Die Querpässe von Córdoba auf Giulio Donati (16.) und von Bojan auf Córdoba (21.) fingen die Augsburger ab.

Der neue Zehner zeigte bei seinem Startelfdebüt noch ein paar Abstimmungsprobleme. Bojan hatte seine Aktionen, geschickte Pässe, geschickte Drehungen und Weiterleitungen, deutete an, dass er in jüngeren Jahren beim FC Barcelona tatsächlich eine Menge gelernt hat, aber effizient war's noch nicht. Hätte es sein können, wenn Gräfe in der 40. Minute das kleine, aber entscheidende Foul von Martin Hinteregger am neuen 05er gesehen und den Elfmeter gepfiffen hätte. Hat er aber nicht.

In der zweiten Hälfte verloren die 05er etwas den Faden. Sie wurden hektisch, leisteten sich leichte Fehlerchen, ein bisschen zu oft. Reparierten den Schaden aber in der Regel selbst gegen einen freilich auch unerwartet schwachen Gegner. 13 Minuten ging es gut, ohne dass der Ausgleich in der Luft lag, 13 Minuten bis zur zweiten Schlüsselszene: Ein langer Einwurf brachte Córdoba weit außen in den Rücken der Abwehr. Diesmal kam Hitz entgegen und ließ dem Mittelstürmer, der den Ball schon am Torwart vorbeigeschnickt hatte, keine Chance: Córdoba krachte mit dem Torwart zusammen, beide mussten eine Weile behandelt werden, Córdoba stand zuerst wieder, Hitz, der lange auf den Verdacht einer Gehirnerschütterung untersucht wurde, aber nach dem Spiel einen klaren, wachen Eindruck machte, sah Gelb. Der Elfmeter war längst gepfiffen, wurde vier Minuten nach dem Foul ausgeführt. Nicht von Bojan, dessen Strafstoßfähigkeiten die 05er kurz nach dem Transfer explizit gelobt hatten, sondern von Jairo - 2:0.

Die Entscheidung? Ja, weil die Augsburger bei allem Aufwand, den sie betrieben, bei aller Hektik, die sie auf den Platz brachten, bei aller Härte, die sich vor allem gegen den armen Córdoba richtete und weitere Gelbe Karten brachte, einfach überhaupt nicht gefährlich wurden. Sie fielen immer wieder auf die gleichen Kniffe herein, ließen sich einen Ball nach dem anderen klauen, hatten noch das Glück, dass die 05er nicht viel aus ihren Möglichkeiten machten. Córdoba verzog aus etwas spitzem Winkel (76.), die übrigen Konteransätze gingen schon vor dem Strafraum verloren. Und hinten warf sich der Innenverteidiger Ramalho tapfer in alle Kopfballduelle mit dem wuchtigen Bobadilla, gewann die meisten, hatte auch die Hilfe seiner Mitspieler. Die hätte der Augsburger Mittelstürmer auch brauchen können; der zu diesem Zweck eingewechselte Halil Altintop fiel eher durch Provokationen, Nickligkeiten, Schubsereien und Sprints in die Sackgasse auf.

Erst in der Schlussphase gab es wenigstens ein paar Torversuche der Augsburger. Einen Kopfball Bobadillas direkt zu Lössl (81.), einen Freistoß von Kostas Stafylidis direkt zu Lössl (89.), einen Freistoß von Bobadilla hoch übers Tor (94.). Gräfe hängte der Partie eine ungewöhnlich lange Nachspielzeit an, sieben Minuten (vier davon wegen der Unterbrechung beim Elfmeter - nachvollziehbar); ein Problem war das für die 05er nicht. Sie kontrollierten das Spiel zu Ende und zum ersten Sieg im neuen Jahr.

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