Pierre Bengtsson muss nachsitzen

Christian Karn. Mainz.
Während Julian Baumgartlinger mit Österreich im zehnten Gruppenspiel den neunten Sieg holte und damit zur zweiterfolgreichsten Mannschaft der nun zu Ende gehenden EM-Qualifikation zählt, schafften es die Schweden trotz ihres 2:0 gegen Moldawien nicht mehr an Russland vorbei. Pierre Bengtsson muss also nachsitzen - vielleicht im doppelten Sinne: In den letzten beiden Spielen vor der Relegation gegen einen weiteren Gruppendritten, der den Schweden am Sonntag zugelost wird, blieb der Mainzer Außenverteidiger auf der Ersatzbank.

Vielleicht haben die Österreicher ja am Montagabend insgeheim auf Litauen gehofft. Ihr eigenes Spiel hatte die Mannschaft mit dem Mainzer Kapitän Julian Baumgartlinger (ausgewechselt in der 71. Minute, bis dahin nicht viel zu tun gehabt) schon 3:0 gegen Liechtenstein gewonnen. Hätte nun Litauen England geschlagen, die einzige Mannschaft, die in dieser Qualifikation keinen einzigen Punkt abgegeben hat, dann stünden die Österreicher bereits jetzt, vor den letzten Spielen der Gruppen A, B und H, als beste europäische Mannschaft seit der Weltmeisterschaft fest. Litauen gewann aber nicht. England schaffte im zehnten Spiel den zehnten Sieg, ein lockeres 3:0, und Österreich ist mit 28 von möglichen 30 Punkten halt die zweitbeste Mannschaft der Qualifikation. Auch nicht schlecht.

Pierre Bengtsson (rechts) sah die beiden Qualifikationsspiele Schwedens von der Bank aus. Seine Kollegen gewannen ohne den Mainzer jeweils 2:0 gegen Liechtenstein und Moldawien. Foto: imagoQualifiziert haben sich die Österreicher ohnehin schon vor einem Monat. Bulgarien mit dem Mainzer Mittelfeldspieler Todor Nedelew ist in der vergangenen Woche ausgeschieden. Und Schweden mit, besser: ohne Pierre Bengtsson, der wie am Freitag nicht eingesetzt wurde, muss in die Relegation.

Im Heimspiel gegen Moldawien zeigten die Schweden, sofort dass sie ihren Teil der Mission frühzeitig erledigen wollten. Es ging grundsätzlich nach vorne, schnell nach vorne und Moldawien hatte den eigenen Strafraum und vor allem Zlatan Ibrahimovic selten unter Kontrolle. Aber der alte Schwede war unzufrieden, das sah man ihm an. Ibrahimovic hatte viele Aktionen, viele Ballkontakte, aber nichts gelang. Seine Pässe und Flanken kamen nicht an, seine Schüsse waren nicht gefährlich, irgendwer stand doch immer im Weg. Bis in der 24. Minute Celtic Glasgows Mikael Lustig einen langen Ball nach vorne schlug, die Abseitsfalle nicht funktionierte. Ibrahimovic machte die Sache technisch eigentlich nicht gut, stoppte den Ball mit der Brust zu weit, legte ihn mit dem Außenrist nicht weit genug vor, kam aus Versehen vor den Ball, aber verstolperte ihn nicht, sortierte seine Füße und schob den Ball ins leere Tor. Und strahlte wieder über das ganze Gesicht. Alles wieder gut.

Vorläufig. Die alte Körpersprache war bald wieder da. Denn der schönste Pflichtsieg gegen die überforderten Moldawier hatte nur dann einen Wert, wenn Russland gegen Montenegro verlor. Und die Russen entschieden die Sache nach einer guten halben Stunde einfach mit zwei Toren in der 33. und 36. Minute.

Auch Schweden erhöhte auf 2:0, den Nationalmannschafts-Neuling John Guidetti von Celta Vigo zum vierten Mal aufzustellen, war eine gute Idee. Der Stürmer nahm in der 47. Minute eine unplatzierte Kopfballabwehr des moldawischen Torwarts auf, spielte einen einfachen Pass zu seinem linken Nebenmann Erkan Zengin (Trabzonspor), der in hohem Bogen ins lange Eck schoss. Manch einer hätte in dieser Situation Hektik gemacht, Guidetti und Zengin nahmen sich die Zeit, die sie hatten, und nutzten sie gut.

Von da an verwalteten die Schweden bald ohne Ibrahimovic, der keine Gelbsperre riskieren sollte, und bis zum Schluss ohne Bengtsson ihren Sieg zu Ende. Gefährdet war der in keiner Sekunde. In der 74. Minute ging ein Kopfball oben rechts vorbei, in der 91. Minute zählte das Eigentor des schwedischen Torwarts wegen eines sehr eindeutigen Stürmerfouls nicht. Mühe gaben sich die Schweden in einem toten Spiel längst nicht mehr. Platz drei war sowieso sicher, Russland sowieso außer Reichweite. Schweden muss in die Relegation, ebenso wie die Ukraine, Dänemark, Irland und Slowenien und drei Mannschaften die erst am Dienstagabend ermittelt werden, und dürfte bei der Auslosung am Sonntag gesetzt sein.

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