Plädoyer für den „Top-05-Spieler“

Jörg Schneider. Mainz.
Suat Serdar bescherte dem FSV Mainz 05 den wertvollen Punktgewinn im Rhein-Main-Derby gegen die Frankfurter Eintracht in der Opel Arena. Der 20-Jährige erzielte den Treffer zum 1:1-Ausgleich und überzeugte erneut mit einer großen Präsenz nach seiner Einwechslung in der 57. Minute. Nach der Partie lobte der 05-Trainer sein Eigengewächs in den höchsten Tönen. „Sobald der das Trikot anhat, will er Spiele gewinnen. Das ist seine Mentalität. Die hat er schon in sich. Das ist eine hohe Qualität, zusammen mit seiner Dynamik, mit seiner Stärke in der Balleroberung, mit Tiefenläufen und seinem fußballerischen Können. Suat ist ein Top-Mainz-05-Spieler“, sagte Sandro Schwarz.

Die 0:1-Niederlage am zweiten Bundesliga-Spieltag im Auswärtsspiel war relativ unnötig. Jetzt hat der FSV Mainz 05 eine zusätzliche Möglichkeit erhalten, innerhalb von einem Monat seine Sache gegen den VfB Stuttgart zu Hause besser zu machen. Die Auslosung des Achtelfinales im DFB-Pokal bescherte der Mannschaft von Sandro Schwarz am Sonntag ein Heimspiel gegen die Schwaben, die also nun kurz vor Weihnachten (19. oder 20. Dezember) im Cup-Wettbewerb in der Opel Arena antreten müssen und dann vier Wochen später zum Liga-Duell erneut nach Mainz kommen. Ein weiteres Heimspiel also nach dem 3:2-Sieg gegen Holstein Kiel und eine realistische Chance für die 05-Profis, in die Runde der letzten acht einzuziehen. Denn zu Hause haben die Mainzer in der Liga zehn ihrer elf Punkte geholt, beim VfB steht auswärts die null.

„Ein Heimspiel im Achtelfinale des DFB-Pokals ist ein Los, mit dem wir bestens leben können“, lautete der erste Kommentar von Rouven Schröder. „Zudem treffen wir auf einen sehr attraktiven Gegner, gegen den wir noch etwas gutzumachen haben. Es wird ein spannendes Duell auf Augenhöhe“, so der Sportvorstand. „Wir möchten in diesem Wettbewerb überwintern und haben kurz vor Weihnachten die Möglichkeit, uns und unseren Fans einen perfekten Jahresabschluss zu bescheren. Das Viertelfinale ist unser Ziel. Wir erwarten eine volle Arena sowie eine heiße Atmosphäre auf den Rängen."

Dynamisch, zweikampfstark, torgefährlich: Suat Serdar, der Torschütze gegen die Eintracht. Foto: Ekkie VeyhelmannDas, was die Mainzer zuletzt im eigenen Stadion an Leistung abgerufen haben, ist ja auch ganz manierlich. Auch wenn sich die Partie am Freitagabend, das Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt, nicht in die Reihe der Nachbarschaftsduelle einfügen wird, die man so schnell nicht vergisst. Immerhin reichte es zu einem verdienten 1:1 in einem intensiven Kampfspiel, in dem die fußballerischen Dinge etwas zu kurz kamen, in dem Suat Serdar dann in der 71. Minute mit seinem Treffer den Punkt sicherte und die Eintracht-Führung nach dem Selbsttor von Stefan Bell ausglich.

Der 20-jährige erzielte sein zweites Bundesligator und stellte zum wiederholten Mal unter Beweis, wie wertvoll das Eigengewächs der 05er für dieses Team ist. Sandro Schwarz brachte den Mittelfeldspieler in der 57. Minute für Fabian Frei im zentralen Mittelfeld. Serdar kam als offensiver Achter und brauchte wie gewöhnlich keinerlei Anlaufzeit, um voll drin zu sein im Spiel. Mit seiner Dynamik, seiner Aggressivität im Zweikampf hatte der Junioren-Nationalspieler sofort Ballgewinne und Offensivaktionen. Serdar brachte mehr Schwung und Struktur in den bis dahin doch eher bemühten, aber wilden und ziemlich unproduktiven Laden.

Aufgrund seiner aktuellen Form wäre Serdar durchaus auch eine Option für die Startelf gewesen. Doch der 05-Trainer setzte bewusst auf die Joker-Qualitäten des 20-Jährigen, weil Schwarz einen engen Spielverlauf erwartet hatte und in der zweiten Hälfte frische, formstake Leute nachschieben  wollte. „Wir wussten, dass er am Dienstag gegen Kiel viele Körner gelassen hatte und dass wir eine sehr gute Bank brauchen würden, weil wir schon geahnt haben, dass es ein solcher Abnutzungskampf wird. Wir wollten da noch mehr zusätzliche Dynamik im Spiel haben, in Sachen Balleroberung, in den Tiefenläufen und vor dem gegnerischen Tor. Das hat Suat sehr gut gemacht“, sagte Schwarz nachher.

„Ich bin froh, dass Yoshinori Muto außen den Ball noch erkämpft und ihn klasse reingespielt hat“, sagte der Torschütze. „Am Ende habe ich den Ball perfekt getroffen und bin glücklich, dass wir als Mannschaft den Punkt gesichert haben.“ Gedanken darüber, dass er Gefahr laufen könnte, aufgrund seiner Qualitäten als Joker zum typischen Einwechselspieler zu werden, macht sich Serdar indes nicht. „Ich nehme jede Rolle an, versuche immer Vollgas zu geben, am Ende ist es die Entscheidung vom Trainer, wie er aufstellt. So kann es jedenfalls weiter laufen. Ich komme rein ins Spiel und will hundert Prozent geben, so viele Zweikämpfe wie möglich zu gewinnen und damit vielleicht das Team mitreißen.“

Ob man Serdar nach den zwei wichtigen Toren und dem Lob, das der Jungprofi von allen Seiten erntet, nun einbremsen müsse, wurde Schwarz nach der Partie gefragt. Die Antwort war ein leidenschaftliches Plädoyer für den gebürtigen Binger, der seit seinem elften Lebensjahr ein 05er ist. „Den Jungen muss man nicht auf den Boden zurückholen“, sagte Schwarz. „Sobald der das Trikot anhat, will er Spiele gewinnen. Es ist ihm egal, wo er spielt. Ich hatte ihn in der U19 und U23, da ist er bisweilen hin und her gesprungen zwischen  den Teams. Egal, wo Suat gespielt hat, wenn der Schiri angepfiffen hat, ging‘s los. Wenn er eingewechselt wurde, wollte er das Spiel gewinnen. Das ist seine Mentalität. Die hat er schon in sich. Das ist eine hohe Qualität, zusammen mit seiner Dynamik, mit seiner Stärke in der Balleroberung, mit Tiefenläufen und seinem fußballerischen Können. Suat ist ein Top-Mainz-05-Spieler“, so der 05-Coach. „Suat hat auch eine Torgefahr mit seinen Läufen in die Box hinein. Er hat ein gutes Timing, um für diese Torgefahr zu sorgen. Der Kerl brennt immer. Du kannst ihn hinstellen, wo du willst. Du zeigst ihm Spiel-Sequenzen per Video und er hält sich meistens dran.“

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