Pokal-Auftritt bestätigt Saison-Vorbereitung

Jörg Schneider. Lüneburg.
Als „seriöse, blitzsaubere Leistung“ bezeichnete Sandro Schwarz die Vorstellung seiner Profis beim 3:1-Sieg des FSV Mainz 05 beim Lüneburger SK Hansa. Der Bundesligist nahm problemlos die Hürde beim Regionalligisten in der ersten Runde im DFB-Pokal. Das Wichtigste dabei: Die Mainzer zeigten von Anfang bis Ende die nötige Einstellung und das, was die Mannschaft da spielte, sah nach gutem Fußball aus. Zwar bot Auch diese Leistung noch genügend Luft nach oben, zumal die Mannschaft durchaus etwas konsequenter ihre vielen Torchancen hätte nutzen können. Doch die 05er wirken bereit für den Bundesligastart. Für den Trainer war das Ganze eine „Bestätigung der guten Saisonvorbereitung.“

Wenn man diesen Auftritt eine Woche vor dem Start in die Bundesligasaison als Generalprobe bezeichnen will, dann war es eine absolut gelungene. Eine im Endeffekt recht beeindruckende Pflichtspielpremiere, die nur einen kleinen Makel hatte: Die Geschichte hätte wesentlich deutlicher ausfallen müssen. Doch das störte am Ende eigentlich niemanden groß. Weder die Beteiligten, noch die rund 800 Anhänger, die sich aufgemacht hatten in den Norden der Republik. Der FSV Mainz 05 hat jedenfalls die erste Hürde der neuen Runde genommen. Ohne Probleme, ohne Gewürge, ohne die üblichen Begleitumstände, die es in diesem Wettbewerb in der Vergangenheit mitunter gegeben hat. Das Team von Sandro Schwarz marschierte kompromisslos durch seine Erstrundenpartie im DFB-Pokal, setzte sich souverän beim Lüneburger SK Hansa mit 3:1 durch und gönnte dem Tabellenführer der Regionalliga Nord nur einen kurzen Moment stimmungsvoller Pokal-Atmosphäre. Das war in der 30. Minute, als Felix Vobejda aus heiterem Himmel den ersten und einzigen Schuss, den der LSK in dieser Partie auf das Tor von René Adler abfeuerte, mithilfe des unglücklich abfälschenden Abdou Diallo, in den linken oberen Torwinkel busgierte und zum 1:1 ausglich. Das war auch der einzige Moment, in dem der 05-Torhüter mit seinen Vorderleuten unzufrieden war. Nicht genügend Druck auf den gegnerischen Angriff, kritisierte nachher der Routinier, der dieser besseren Bogenlampe machtlos hinterherschauen musste.

Die Chancenverwertung war etwas zu dünn angesichts der 05-Dominanz. Viktor Fischer war nur einer der Angreifer, die am herausragenden Lüneburger Keeper Ole Springer scheiterten. Foto: ImagoDoch die Hoffnungen des Underdogs erhielten kaum weitere Nahrung. Zu kotrolliert, zu dominant spielten die Mainzer auf dem tiefen und seifigen, vom Dauerregen gebeutelten Rasen. Zu klar verteidigten die 05er, zu viele Chancen spielte sich der Bundesligist heraus, um in Gefahr zu geraten. Es war angesichts der Dominanz nur folgerichtig, dass Daniel Brosinski noch vor der Pause auf 2:1 erhöhte mit einem Elfmeter nach einem Foul an dem überragenden Yoshinori Muto, der schon früh zur 1:0-Führung eingeköpft hatte und nach der Pause mit einem sehenswerten Stürmertor, einem Drehschuss im Strafraum, mit dem 3:1 den Deckel draufmachte. Wären die 05er nicht allzu freigiebig mit ihren Tormöglichkeiten umgegangen und hätte der großartige LSK-Torhüter Ole Springer nicht eine ganze Reihe guter Paraden gezeigt, dann hätte am Ende auch das Ergebnis den wahren Kräfte- und Leistungsverhältnissen an diesem Tag entsprochen.

Es war aber nicht das Ergebnis oder die Tatsache, dass die 05er eine Hürde, die unangenehm hätte werden können, problemlos genommen haben, was am Ende als Erkenntnis hängen blieb in diesem provisorischen Lüneburger Stadion, das die Gastgeber mit viel Akribie und Ideen zu einer ordentlichen Spielstätte hergerichtet hatten. Es war die Art und Weise, wie die 05er auftraten und wie sie die Ansätze, die in dieser Vorbereitung immer wieder in kleineren Häppchen zu sehen waren, ins erste Pflichtspiel transportierten. Für die Mainzer Anhänger ganz wichtig dabei: Das sah richtig nach Fußball aus. Das war temporeiches, variables Ballbesitzspiel gegen eine gut organisierte Regionalliga-Defensive, die hart und aggressiv verteidigte, die versuchte, die Räume eng zu halten. Die 05er fanden immer wieder Lösungen dagegen.

Der Qualitätsunterschied sei einfach zu groß gewesen, bestätigte der Trainer der Gastgeber, Achim Otte, nachher anerkennend. Die Geschwindigkeit und die Ballsicherheit der Mainzer zu groß. Das größte Lob, das Sandro Schwarz seinen Profis machte, zielte noch einmal in eine andere Richtung und betraf die komplette Herangehensweise. „Eine seriöse, blitzsaubere Leistung würde ich sagen“, erklärte der 05-Trainer entspannt und hochzufrieden. „Ich finde, dass wir das über 90 Minuten sehr gut gemacht haben. Dass man erkannt hat, dass wir nie nachgelassen haben. Dass wir die Geschichte seriös abgearbeitet haben, nie etwas haben schleifen lassen. Dass wir der Favoritenrolle im Verhalten auf dem Platz gerecht geworden sind. Das hat mir sehr gut gefallen.“

Viel Qualität auf dem Platz

Das habe man sich alles exakt so vorgenommen. „Wir wollten reingehen mit dieser hohen Bereitschaft, Leistung und Qualität auf den Platz bringen.“ Dass dies so funktioniert hat, war für den neuen 05-Trainer in dessen ersten Pflichtspielauftritt enorm wichtig. Der 38-Jährige braucht diese Rückmeldung, dass die intensive und akribische Arbeit, die der Coach seit Anfang Juli mit seinem Kader betreibt, dazu taugt, Spiele zu gewinnen, dass die Basics sitzen, dass die Entwicklung vorangeht, das Team ganz offensichtlich auf einem guten Weg ist. „Ich glaube, dass dieses Spiel eine Bestätigung unserer Vorbereitung war. Weil wir von Anfang an alle Testspiele sehr ernsthaft und fokussiert absolviert haben und immer extrem drin in der Aufgabe waren. Wir haben gesagt, es wäre totaler Quatsch, wenn wir Testspiele auf einem hohen Niveau von unserer Verhaltensweise her absolvieren und dann im ersten Pflichtspiel anfangen, weniger zu machen“, so der Coach. „Es war sofort eine gute Stimmung drin im Team, aber das haben wir schon vorher gemerkt.“ Schwarz berichtete von einer Egal-Haltung seiner Mannschaft, die es nicht gekümmert habe, wie die äußeren Umstände gewesen seien, wie der Platz aussehen würde, was der Gegner veranstalte. „Das hat keinen interessiert. Für alle war nur interessant, was zwischen den Kreidelinien passiert. Und da haben wir unsere Qualität auf den Platz gebracht.“

Mit diesem ungefährdeten Pokal-Erfolg ist es dem neuen Trainer noch ein Stück mehr gelungen, die 05-Aufbruchsstimmung in Mainz, die sich seit dem Amtsantritt des bisherigen U23-Trainers und der Verpflichtung vielversprechender Neuzugänge sowie der positiven Vorbereitungsarbeit rund um den Bruchweg und die Arena breit gemacht hat, weiter anzuheizen. Die Spannung ist groß, wie das, was Schwarz und dessen Profis da fußballerisch treiben, nächste Woche beim Bundesligaauftakt gegen Hannover 96 aussehen wird. Mit der Partie in Lüneburg haben die 05er jedenfalls beste Werbung in eigener Sache betrieben. Auch wenn trotz allen Lobes nach wie vor in allen Bereichen noch genügend Luft zur Verbesserung da ist, die sicherlich gegen stärkere Mannschaften auch zwingend nötig sein wird. Doch der Ansatz scheint zu stimmen, die Spielweise gefällt und hat auch den Zuschauern in Lüneburg gefallen. „Es ist ein ständiger Entwicklungsschritt“, sagt Schwarz, „aber wir sind auf einem guten Stand, um erfolgreich Spiele bestreiten zu können. Das haben wir heute gezeigt gegen einen sehr gut organsierten Gegner. Ich finde dass wir bereit sind für die Bundesliga und freue mich total auf nächste Woche.“

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