Pressingübungen mit Hand und Fuß

Jörg Schneider. Mainz.
Sommer-Vorbereitung. Europa-Qualifikation. DFB-Pokal. Alles abgehakt beim FSV Mainz 05. Notgedrungen. Die denkwürdige Niederlage beim Drittligisten Chemnitzer FC steckt dem einen oder anderen Profi zwar noch in den Knochen, doch nun gilt am Bruchweg alle Aufmerksamkeit und Konzentration dem Start in die neue Bundesligasaison. Am Sonntag beim Aufsteiger SC Paderborn. Der Auftakt der Trainingswoche war entsprechend intensiv: Kasper Hjulmand bat seine Mannschaft am Montag gleich zweimal zu schweren Trainingseinheiten aufs Grün. Das Hauptthema: Spiel gegen den Ball.

Handballspiel zum Aufwärmen: Yunus Malli (Mitte) und die 05-Profis begannen die letzte Trainingswoche vor dem Bundesligastart zunächst entspannt, dann stand viel Arbeit gegen den Ball auf dem Programm. Foto: Jörg SchneiderDie Stimmung zum Auftakt der letzten Trainingswoche war gelockert am Bruchweg. Nach einer 45-minütigen Theoriestunde im Sitzungsraum mit Rainer Werthmann aus dem Schiedsrichterlehrstab des DFB und einigen gejoggten Einführungsrunden stand zunächst einmal eine fremde Disziplin auf dem Tagesprogramm: Ein Handballspiel auf Metertore zum Warmmachen und Spaßhaben. Danach dann intensive und schweißtreibende Themenarbeit.

Stimmung wird wieder

„Mit der Stimmung, das wird allmählich wieder“, berichtete Niko Bungert später. „In der Nacht, als wir von Chemnitz nach Hause gefahren sind, wollten wir uns alle zusammen hier irgendwo am liebsten verbuddeln. Die nächsten zwei Tage waren dann noch hart, jetzt geht es aber wieder. Es muss natürlich auch gehen, weil im Grunde wissen wir ja selbst, dass dies keine guten Leistungen von uns waren zuletzt“, sagte der Innenverteidiger. „Wir wissen aber auch, dass das allerwichtigste jetzt kommt. Die Bundesliga ist immer das, worauf es ankommt. Jetzt brauchen wir langsam eine Form, die uns dahin bringt, dass wir Punkte in der Bundesliga holen können.“

In die richtige Verfassung kommen

Die Mannschaft habe sich vorgenommen, im ersten Spiel in Paderborn unbedingt etwas mitzunehmen. „Was sicher nicht leichtfällt, in der Phase, in der wir uns im Moment befinden.“ Doch das Pokal-Wochenende habe noch einmal gezeigt, dass Teams, die in der Liga weit oben zu erwarten seien, ihre Probleme hatten. „Das beruhigt nicht, aber es ist so“, sagte Bungert. „Wir haben uns hier in Mainz selten mit Ruhm bekleckert im Pokal. Es bringt jetzt nichts, noch lange darüber nachzudenken, sondern wir müssen sehen, dass wir in die richtige Verfassung kommen.“

Wut und Feuer entfachen

Niko Bungert (27), der 05-Innenverteidiger, spricht in der nullfünfMixedZone über die Defensivprobleme des Bundesligisten:

„Im Endeffekt sieht man bei allen Toren, dass in allen entscheidenden Situationen nicht konsequent verteidigt wurde bei uns. Das ist eine Sache, die wir absolut in die Köpfe kriegen müssen. Dass wir uns auch schon in Situationen, die auf den ersten Blick nicht so gefährlich wirken, voll reinhauen und die Chancen im Keim ersticken, bevor wir im Sechzehner diese Probleme bekommen. Das war, glaube ich, unser größtes Problem. Das müssen wir auf jeden Fall abstellen. Es war ja auch nicht so, dass wir außer den Toren noch in Konter gelaufen wären und große Chancen zugelassen hätten. Wir haben bereits deutlich angesprochen, dass unser Abwehrverhalten nicht in Ordnung war. Und zwar von der gesamten Mannschaft. Wir haben uns viele Szenen angeguckt: Uns ist allen klar: Wir müssen als Mannschaft bissiger werden. Es liegt nicht dran, dass wir nicht wissen, wie es geht oder dass wir nicht verteidigen könnten. In der Konsequenz hat ein Tick gefehlt, und da müssen wir dran arbeiten. Wir müssen dringend die nötige Wut und das Gefühl für die Bundesliga entfachen. Das nötige Feuer.

Innenverteidiger Niko Bungert: Mit Vollgas in die letzte Woche. Foto: Jörg SchneiderUnd in dieser Hinsicht gibt’s reichlich Arbeit bei den 05ern. Kasper Hjulmand, der neue Cheftrainer, hat ein Programm für seine Profis zusammengestellt, das zwei harte Tage mit insgesamt vier Trainingseinheiten am Montag und Dienstag vorsieht. Der Mittwoch ist noch einmal ein freier Arbeitstag für die Fußballer, ehe am Donnerstag dann die konkrete Vorbereitung auf den Saisonstart mit dem Auswärtsspiel beim Neuling erfolgt.

Problemzonen

Auf dem Lehrplan am Montag stand die Arbeit gegen den Ball. Was nicht sonderlich verwundert, denn genau auf diesem Gebiet lagen die Problemzonen der 05er. Sowohl beim Aus in Tripoli als auch in Chemnitz. Der Däne trainierte mit zwei Gruppen auf ganz engem Spielfeld Balleroberung, Pressing-Situationen sowie die Befreiung aus dem Gegenpressing mit Umschalten auf schnelle Angriffe. Das sah gut aus. Das war Feuer drin in den Übungen. Die Profis arbeiten konzentriert und mit hoher Aufnahmebereitschaft.
Niko Bungert hatte keine Probleme mit dem Pensum. Der Abwehrspieler, vor einigen Wochen im Testspiel beim 1. FC Kaiserslautern am Knie verletzt, kam in der Pokal-Begegnung in Chemnitz in der zweiten Halbzeit zum Einsatz – nach nur drei vorangegangenen Trainingseinheiten nach seinem Comeback-Versuch.

„Das hat sich schon früh gut entwickelt“, bestätigte der 27-Jährige. „Dadurch, dass ich konditionell nicht viel verloren hatte, konnte sich auch der Trainer schnell ein Bild machen von meinem Leistungsstand. Deshalb ging es schon nach drei Einheiten. Ich bin durch meine Mittelstreckenläuferfigur einer, der recht schnell zurückkommen kann.“ Den Wiedereinstig hatte sich der Verteidiger allerdings etwas anders vorgestellt. Bungert lenkte in der 87. Minute in Chemnitz den Schussversuch von Marcel Hofrath unhaltbar für Torhüter Loris Karius zum 3:3-Ausgleich ins eigene Tor ab. „Blöd gelaufen“, meinte Bungert. „Aber ich kann in der Situation nichts großartig anders machen.  Hinter mir stand noch einer, der frei gewesen wäre und einschießen konnte. Ist halt blöd, aber da musste ich ran. Mittlerweile bin ich auch so erfahren, dass ich das wegstecken kann. Man muss versuchen, weiter zu machen als ob nix passiert wäre. Das war generell mein erstes Eigentor in einem Pflichtspiel.“ Immerhin gelang dem Innenverteidiger später noch der Ausgleich zum 4:4 mit einem Kopfballtor nach Flanke von Johannes Geis. Genutzt hat’s dem Team bekanntlich nichts.
Jetzt geht es für Bungert und dessen Kollegen darum, sich für den Ligastart aufzudrängen. Eine Woche Vollgas und Top-Einstellung für einen Platz in der Startelf oder im Spielkader. Die bisherigen Leistungen haben dazu geführt, dass sich Hjulmand noch nicht vorzeitig auf eine Startelf festgelegt hat. Die endgültige Formation will der 05-Coach erst am Wochenende bestimmen. „Die klare Ansage des Trainers lautet, dass jeder Spieler in diesen Tagen im Training zeigen muss, dass er spielen und sich seinen Platz für Sonntag erarbeiten will.“

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