Punkten fürs Etappenziel

Jörg Schneider. Sinsheim.
Die bittere 0:4-Pleite bei der TSG Hoffenheim hat den FSV Mainz 05 drei Plätze in der Tabelle gekostet. Das Team von Martin Schmidt belegt nach diesem 19. Spieltag nur noch Platz 13 im dicht gedrängten Bundesliga-Mittelfeld. Der Abstand zur Gefahrenzone ist auf sechs Zähler geschrumpft. Da klingt es erst einmal gut, dass die Mannschaft, die ihre vergangenen sechs Auswärtsspiele verloren hat, nun zwei Heimspiele vor der Brust hat. Gegen den FC Augsburg und anschließend gegen Werder Bremen. Dann sollte die derzeit so zahnlose 05-Offensive mal wieder anfangen Tore zu erzielen.

Die schlimme 0:4-Packung bei der TSG Hoffenheim war nicht nur extrem schmerzhaft und ernüchternd für die mit großen Ambitionen nach Sinsheim angereisten Profis des FSV Mainz 05. Diese Niederlage hat das Team von Martin Schmidt auch drei Plätze in der Bundesliga-Tabelle gekostet. Borussia Mönchengladbach hat an diesem 19. Spieltag mit dem Sieg über Freiburg die 05er überholt, ebenso wie der FC Augsburg, der die Sonntag-Partie gegen Werder Bremen nach Rückstand und etlichen weiteren Bremer Top-Chancen am Ende noch zum 3:2-Sieg drehte. Wenn auch mit einem Abseitstreffer, der aber immerhin aus Mainzer Sicht den Vorteil hat, dass dieses Tor die Bremer auf Distanz hielt. Sechs Punkte beträgt noch der Vorsprung auf Werder und den dahinter, auf dem Relegationsplatz stehenden Hamburger SV. Vor dem Start in dieses Fußballjahr betrug der Abstand auf die absolute Gefahrenzone noch acht Zähler.

Immer wieder gute erste Aktionen nach Ballgewinnen mit schneller Raumüberwindung im Umschaltspiel, dann aber dribbelte sich Jairo Samperio meist fest gegen die Hoffenheimer Defensive oder wählte die falsche Lösung. Foto: Imago Die Mainzer sind im Moment weit entfernt von ihren angepeilten Zielen. Nicht in der Tabelle. Die ist so eng und derart dicht gedrängt im Mittelfeld, dass der augenblickliche  Inhaber des letzten einstelligen Platzes, Bayer Leverkusen, nur zwei Zähler weg ist. Schmidts Team hat sich vielmehr entfernt vom eigenen Anspruch. Von seiner früheren Effizienz im Umschaltspiel. Die Offensive, die seit dem 4:2-Erfolg im November gegen den SC Freiburg bis heute nur noch zwei Treffer durch Aaron Seydel und Jhon Cordoba fabriziert hat, glänzt seitdem durch Harmlosigkeit und mangelnde Konsequenz im Abschluss. Trotz guter Ansätze. Und trotz einer guten Besetzung. Es ist nicht der Mainzer Spielstil, der Anlass zur Sorge gibt, sondern was die 05-Profis auf dem Weg zum gegnerischen Tor daraus machen. In Hoffenheim haben die 05er nach dem frühen Gegentor wie schon gegen Dortmund bis zum Alles-oder-nichts in der Schlussphase gut verteidigt, mit hoher Laufleistung, vielen Balleroberungen und druckvollem Spiel nach vorne. Im Ansatz jedenfalls. Es gab in der Sinsheimer Arena genügend Ballgewinne, viele Räume im Rücken der TSG-Defensive, die besser zu bespielen gewesen wären. Das schnelle Umschaltspiele, aber auch ruhigere Ballbesitzzeiten funktionierten im Ansatz. Immer wieder fanden die Mainzer mit Tempo den Weg zum Strafraum oder spielten außen den Mann frei. Was dann jedoch in den meisten Fällen passierte, war oft einfach schlecht. Das Team spielte im so genannten letzten Drittel teilweise ganz schlechten Fußball, mit holprigem, ungenauem Passspiel, genauso schwachem Freilaufverhalten, mit teilweise fürchterlichen Flanken. Und auch mit mangelhaften Standardsituationen. Insgesamt zu viele Defizite, die in der Nähe des Strafraums und darin auffällig waren.

Bojan Krkic, der neue Hoffnungsträger, kam erst in die Partie als die Geschichte zu kippen begann. Der Neuzugang, der erst als dritter Einwechselspieler auf den Platz konnte, weil Schmidt zuvor mit Fabian Frei für den angeschlagenen André Ramalho einen Sechser bringen und dann den rotgefährdeten Cordoba durch Levin Öztunali ersetzen musste. Bojan war nicht mehr in der Lage, noch etwas für die Offensive zu tun. Der Spanier hat nun eine Woche Zeit, um sich im Training bundesligafit zu machen. Seine Technik und sein Passspiel könnten im nächsten Heimspiel vielleicht schon einige Probleme lösen. Die Cordoba-Geschichte machte ein weiteres Problem deutlich. Die Mainzer ließen sich von der Härte und der Theatralik der Hoffenheimer stark beeindrucken. Cordoba, mit seiner aggressiven Spielweise, war ein Ziel solcher Aktionen. Der Plan ging auf. Der 05-Mittelstürmer lief Gefahr, in der nächsten Aktion Rot zu sehen und musste nach 58 Minuten runter. Nach einer guten Aktion am TSG-Strafraum, in der Cordoba den Ball spielte. Schiri Guido Winkmann den Gelb-Rot fordernden Hoffenheimern jedoch keinen Einhalt gebot und den Kolumbianer anzählte. „Mit Jhon, das ist sehr ärgerlich“, sagte Rouven Schröder nachher angefressen. „Der Pressschlag gegen den Torwart, da muss man nicht zwingend die Gelbe Karte ziehen. Danach, das ist so bisschen die Situation beim Jhon, wenn die Gegenspieler wissen, dass er verwarnt ist, dann kommt die Provokation, dann wird sich hinfallen lassen.“ Und Cordoba steckt ungern zurück. Müssen die 05-Verantwortlichen diesbezüglich mit dem Stürmer sprechen, damit er nicht in solche Gefährdungslagen gerät?  Ein klares Nein vom Sportdirektor. „Wenn er kein Gelb kriegt, ist er auch nicht gefährdet.“

Cordoba war jedenfalls so ziemlich der einzige 05er, der Durchsetzungsvermögen zeigte im Angriff. Und wie eine konsequent gespielte Umschaltaktion aussehen kann, beweis erst Levin Öztunali mit dem Tempo-Konter und dem genauen Pass auf Pablo De Blasis. Der Argentinier vergab jedoch wie schon vor einer Woche erneut einen big point. Am Ende brachen die erfolglos um Ergebnisverbesserung bemühten 05er komplett auseinander. „Wir verlieren sowieso ungern, aber die Höhe der Niederlage hat noch einen draufgesetzt“, sagte Schröder. „Wenn man das Spiel gesehen hat, dann war es schon über lange Strecken so ausgeglichen, dass man nicht davon ausgehen konnte, dass wir hoch verlieren. Schon der Start war ärgerlich. Man nimmt sich so viel vor und muss dann wie gegen Dortmund nach kurzer Zeit das 0:1 schlucken. Dann haben wir ordentlich ins Spiel gefunden, hatten immer gute Ansätze und das Gefühl, dass wir näher dran sind am Ausgleich. Dann die große Chance von Pablo. Dann denkst du, okay, nächste Möglichkeit und der Ausgleich fällt. Aber diese Torfolge in den letzten zehn Minuten mit drei Stück, das ist dann wirklich bitter.“

Auch der Sportdirektor kritisierte die Nachlässigkeiten im Umschaltspiel. „Wir haben es nach vorne oft nicht gut rausgespielt. Fahrig, keine klare Situationen, der letzte Pass zu ungenau. Wir müssen uns jetzt schütteln, die Dinge klar ansprechen und aus den Fehlern schnellstmöglich lernen.“  Zwei Punkte aus drei Spielen sind die Ausbeute dieses Jahres. Die Blickrichtung aufs obere Mittelfeld ist am Bruchweg momentan nicht angesagt. Jetzt gilt es, nicht weiter abzurutschen. „Ich habe immer vom Etappenziel 40 Punkte gesprochen“, sagte Schröder. „Da müssen wir noch fleißig punkten, um dahin zu kommen. Das ist noch ein Stück.“ Da kommen die nun folgenden zwei Heimspiele dem auswärtsschwachen Team gerade recht. FC Augsburg und Werder Bremen heißen die beiden Gegner. Die Chance ist groß für das 05-Team, sich zu stabilisieren und Punkte zu sammeln, um den Abstand nach hinten nicht noch weiter zu verringern. Die Mannschaft sollte die Gelegenheit nutzen.

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