„Qäbälä ist für uns ein wichtiges Spiel“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit dem nichtöffentlichen Training am Montag hat für den FSV Mainz 05 für absehbare Zeit die letzte Woche mit zwei Wettbewerben begonnen. Nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern geht’s für das Team von Martin Schmidt nun am Donnerstag darum, sich im letzten Europaliga-Heimspiel gegen Qäbälä FK mit einem Erfolgserlebnis zurück in die Spur zu bringen für die schwere Auswärtspartie in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach am Sonntag. „Qäbälä ist für eins wichtiges Spiel. Das nehmen wir sehr ernst“, betont der 05-Trainer.

Zum letzten Mal für absehbare Zeit beginnt am Bruchweg eine Woche, in der sich die Profis des FSV Mainz 05 noch einmal auf mehr als einen Wettbewerb konzentrieren müssen. Am Donnerstag geht’s in der Opel Arena zum Abschluss der Gruppenphase in der Europaliga gegen Qäbälä FK, dann ist der internationale Intermezzo der Mannschaft zu Ende. Aus dem DFB-Pokal ist das Team von Martin Schmidt ebenfalls ausgeschieden. Das heißt, dass nach der Partie gegen den Tabellenletzten der Euro-Gruppe C für den Rest der Saison die Bundesliga das alleinige Maß aller Dinge ist.

In der Meisterschaft sind die 05er durch das 1:3 im Heimspiel gegen den FC Bayern München auf Platz zehn der Tabelle zurückgefallen. Das ist immer noch eine ordentliche Platzierung, doch in den nachfolgenden Aufgaben bis Weihnachten steht noch eine Menge schwerer Arbeit an, um die Position zu halten und nach Möglichkeit zu verbessern. 20 Punkte sind das selbstgesteckte Minimalziel der Mainzer vor der Winterpause. Dafür müssen sie noch einiges tun am Sonntag in Mönchengladbach, danach zu Hause gegen den Hamburger SV und im Derby bei Eintracht Frankfurt.

Der Trainer ist wie immer zuversichtlich, dass sein Team die Aufgabenstellung zufriedenstellend bewältigen kann. Dass sein Team nach den Niederlagen in Leipzig und nun gegen die Bayern in eine Ergebniskrise rutschen könnte, befürchtet Schmidt eher nicht. „Wir sind im Soll, obwohl wir zwei Spiele hintereinander verloren haben“, sagt der 49-Jährige. „Das hatten wir schon mal, dass wir zweimal verloren haben und im dritten Spiel wissen, um was es geht. Die Zahlen sagen, dass wir mit 17 Punkt gut drin sind im gesicherten Mittelfeld. Es gibt hinter uns genügend Teams, die gerne diese 17 Punkte hätten. Wir gehen unseren Weg weiter. Wir brauchen zwölf Siege, um in der Liga zu bleiben. Da schauen wir voraus und nicht nach hinten.“ Fünf dieser geforderten zwölf Erfolge hat die Mannschaft bisher eingefahren. Gegen die Bayern war das Schmidt-Team chancenlos. Zum einen wegen der Klasse, die der Rekordmeister am Freitag in der Opel Arena demonstrierte. Allerdings auch deshalb, weil sich die 05er wie schon mehrfach in dieser Runde mit zu vielen Fehlern im eigenen Spiel selbst um den Lohn für ihre Arbeit brachten.

Im Endeffekt lässt sich die Partie gegen die Münchner auf jene Mängel reduzieren, die das Team in der Phase nach der frühen Führung durch Jhon Cordoba im Defensivverhalten offerierte. Und das ärgerte den Trainer. Zweimal nach Ballverlusten ausgekontert zu werden, das gehe gar nicht, sagte Schmidt nach der 1:3-Niederlage, die Robert Lewandowski mit seinem direkt verwandelten Freistoß in der Nachspielzeit endgültig besiegelt hatte. „Wir waren in dieser Phase viel zu offen, hatten viel zu große Abstände. Wir sind hinten nicht rausgerückt. Plötzlich ist aber die sechs rausgelaufen, die acht rausgelaufen, die Mitte war offen, da konnte der Gegner drehen und die Bälle schön reinspielen. Da haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht“, klagte der Coach.

„Die Bayern haben es gerade in der Zeit sehr gut gemacht. Wir hatten sie mit unserem Tor schön gekitzelt und angezündelt. Da wurden die schon böse. Doch es brauchte  zwei, drei Szenen, in denen wir nicht gut genug verteidigt haben. Bei ersten Tor geht Hack nicht in den Zweikampf, Bells Verteidigungsverhalten in der letzten Linie ist nicht gut. Wenn du im eins-gegen-eins bist, kannst du immer noch einen Zweikampf gewinnen oder ein Foul ziehen.“ Beim zweiten Bayern-Treffer durfte Thomas Müller am Ende unbedrängt und in Seelenruhe flanken, Arjen Robben ungedeckt einköpfen. „Erst ab der 25. Minute haben wir es bremsen können und solider hingekriegt“, so Schmidt. „Wir waren insgesamt zu unsauber, wenn wir den Ball erobert haben, zu hektisch. Das tut halt weh gegen Bayern. Wenn du gegen die in der Vorwärtsbewegung den Ball verlierst, sind die in der Rückwärtsbewegung sehr schwer zu verteidigen.“ Und weil die 05-Offensive zudem nicht in der Lage war gegen die starke Bayern-Abwehr weitere zwingende Torchancen zu erarbeiten, wurde nichts aus dem Unentschieden, das ohne diese Abwehrfehler greifbar gewesen wäre. „So ein Punkt für die Moral wäre gut gewesen. Wir waren aber zu wenig gut, um gegen Bayern punkten zu können“, musste Schmidt attestieren.

Passte taktisch nicht ins -Trainer-Konzept gegen die Bayern und musste deshalb bis zur Schlussphase auf seinen Einsatz warten: Am Donnerstag gegen Qäbälä soil Pablo De Blasis dann aber wieder von Beginn an stürmen. Foto: Ekkie Veyhelmann  Der 05-Coach wehrte sich anschließend zudem gegen die aufkeimende Kritik, den Publikumsliebling und mit vier Treffern zweitbesten Torschützen eventuell zu spät eingewechselt zu haben. Pablo De Blasis kam erst in der 86. Minute für André Ramalho ins Spiel. „Wir haben 24 Spieler, die kommen alle langsam in Form. Die, die auf dem Platz waren, hatten alle Form“, sagte Schmidt. „Dieselbe Frage kann man am Donnerstag für fünf andere Spieler stellen, die nicht auf dem Platz sind. Und danach in Gladbach auch wieder. Ich kann nur elf stellen. Pablo ist ein Spieler, der diesmal in unserem Plan aus taktischen Gründen warten musste, weil er in dem Konzept keine Position hat, so wie wir‘s gespielt haben. Nachdem wir umgestellt hatten, gab es diese Position, aber den Karim Onisiwo, der viele Szenen hatte, zu wechseln wäre zu schade gewesen. Den Levin Öztunali haben wir gebracht, um Tempo auf die andere Bahn zu bringen, weil er unser schnellster Spieler und doppelt so schnell ist wie Pablo. De Blasis ist einer, den bringen wir hier daheim immer gegen Ingolstadt, Freiburg oder überhaupt gegen Gegner, wo wir wissen, wir haben den Ball. Da ist er super im Spiel in die letzte Zone hinein. In die Halbfelder rein mit seinen Dribblings, mit seinen überraschenden Bewegungen. Diesmal ging’s nicht gegen Pablo, sondern für einige Spieler, die besser gepasst haben in diesem Spiel. Wenn du gegen Bayern an der Mittellinie den Ball eroberst, dann ist der Weg bis zum Tor weit. Da brauchst du Spieler wie Jhon, Karim oder Levin. Am Donnerstag wird es ein anderes Spiel geben, da sind dann wieder andere Spieler auf dem Platz.“

Obwohl es am Donnerstag im letzten Europapokalspiel um nichts mehr geht, nimmt die Partie gegen den Meister aus Aserbaidschan dennoch einen hohen Stellenwert ein bei den 05ern. Der Bundesligist will seinem Publikum zum Abschluss noch einmal einen überzeugenden Erfolg in der Europaliga bieten. „Auch wenn wir ausgeschieden sind, ist es nicht so, dass es für uns um nichts mehr geht“, betont der Trainer. „Es geht um die Europaliga, um internationalen Fußball. Da geht es darum, sich noch einmal zu beweisen. Wir wollen dieses Heimspiel unbedingt gewinnen. Wir haben eine Niederlage kassiert, das war eine zu viel. Die Niederlage in Anderlecht soll aber die einzige bleiben. Wir stellen an uns schon sehr hohe Forderungen. Wir wollen uns gut verabschieden aus diesem Wettbewerb und wir wollen uns natürlich ein gutes Gefühl in diesem Heimspiel holen, um damit nach Mönchengladbach zu fahren. Das brauchen wir“, sagt Schmidt. „Qäbälä ist für eins wichtiges Spiel. Das nehmen wir sehr ernst.“

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