Quaison bleibt Startelf-Option

Jörg Schneider. Mainz.
Robin Quaison gehörte beim enttäuschenden 1:2 des FSV Mainz 05 beim SV Darmstadt 98 zu den wenigen Profis im Team, die eine ordentliche Vorstellung ablieferten. Der Winter-Neuzugang aus Palermo, der erstmals in der Startelf stand, erzielte zudem seinen ersten Bundesligatreffer. „Ich habe ihn reingemacht, aber unglücklicherweise hat es uns nicht geholfen“, sagte der Stürmer, der wohl auch für das Heimspiel am Sonntag gegen Schalke 04 wieder erste Wahl im Angriff sein dürfte, nachher frustriert. Zum Trainingsauftakt am Dienstag kränkelte der Schwede allerdings ein wenig.

Nach zwei Kurzeinsätzen in der Startelf: Robin Quaison (hier gegen 98-Kapitän Aytac Sulu) empfahl sich mit seinem Treffer und einer präsenten Leistung. Foto: ImagoRobin Quaison erschien zum Trainings-Wochenauftakt am Dienstagnachmittag am Bruchweg bei bestem Frühlingswetter mit einer wärmenden Halskrause. „Neck Warmer“ nennt man so ein Teil wohl heute. „Ich fühle mich ein bisschen krank“, sagte der schwedische Stürmer des FSV Mainz 05. Die nachfolgende Einheit auf dem Rasen dürfte seiner körperlichen Verfassung entgegengekommen sein: Die 05-Profis begannen nach ihrem freien Tag und einer längeren Team-Sitzung die Vorbereitung auf die Sonntagspartie gegen den FC Schalke 04 mit lockeren Passfolgen, Koordinationsübungen und leichten Zuspielen mit Torabschluss. Nichts Anstrengendes, eher eine Konzentrations-Schulung. Wahrscheinlich im Moment auch bitter nötig, denn beim enttäuschenden 1:2 beim SV Darmstadt 98 mangelnde es den Mainzern neben etlichen anderen Dingen vor allem in der Anfangsphase an Konzentration. Der frühe 0:2-Rückstand, bedingt durch fehlende Aufmerksamkeit beim Eckball sowie individuellen Fehlern vor dem Elfmeter, den André Ramalho schließlich verschuldete, brachte das Team aus der Spur.

Als Quaison mit dem Pausenpfiff den Anschlusstreffer erzielte und der Tabellenletzte nach wenigen Minuten in der zweiten Hälfte in Unterzahl geriet durch die Gelb-rote Karte des Ex-05ers Mario Vrancic war die Möglichkeit da, wenigstens den Punktgewinn zu retten, doch an diesem Tag fehlte der Mannschaft in allen Bereichen zu viel, um das Schlimmste noch zu verhindern. Deshalb fiel es dem Torschützen nachher schwer, sich richtig über seinen ersten Bundesligatreffer zu freuen. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass wir hier verloren haben“, sagte Quaison, der nach zwei Kurzeinsätzen erstmals in der Startelf stand und als einer der wenigen im Team einen Eindruck hinterließ, dass man sagen könnte: der Mann kann wiederkommen. Es war sicher auch noch keine Offenbarung, was der 22-Jährige am Böllenfalltor ablieferte, aber der Stürmer zeigte Präsenz, Aggressivität im Zweikampf, versuchte vieles. Der Lohn war dieser Abstauber-Treffer, nachdem der Kopfball von Pablo De Blasis auf Vorarbeit von Levin Öztunali von der Latte ins Feld zurück gesprungen war. Dazu noch eine weitere Torchance und gute Szenen „Ich habe ihn reingemacht“, sagte der Profi nachher trocken. „Ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Ich habe ihn rein gemacht, aber unglücklicherweise hat es uns nicht geholfen.“

Quaison, der in der Winterpause aus Palermo kam, war überfordert damit, die aktuellen Schwierigkeiten seiner Mannschaft richtig einzuschätzen und öffentlich auszusprechen. „Ich weiß nicht, was das Problem war in diesem Spiel. Wir waren nicht konzentriert am Anfang, haben sehr viele Fehler gemacht und dafür haben wir bezahlt. Die zweite Halbzeit war besser, aber nicht gut genug. Ich kann nicht erklären, warum das so war. Vielleicht, weil der Gegner es gut gemacht hat“, sagte der Schwede, der sich ansonsten selbstbewusst gab und wenig Überraschung darüber zeigte, dass er von Anfang an spielen durfte. „Ich habe dieselben Chancen, wie alle anderen im Kader. Ich wollte zeigen, was ich kann und das Vertrauen zurückgeben, aber wir haben das Spiel verloren. Ich glaube meine Leistung war ganz okay, aber ich will mehr zeigen, besser werden. Es tut mir leid, dass es nicht zu mehr gereicht hat.“

Quaison ist in jedem Fall eine Option für den 05-Trainer im kommenden Heimspiel gegen die Schalker. In Darmstadt spielte der Angreifer Doppelsitze mit Jhon Cordoba, kam aber auch oft über die Flügel und wurde in der Schlussphase eine Position nach hinten beordert, um mehr Anlauf zu haben, seine Schnelligkeit über den Flügel ausnutzen zu können. Genutzt hat’s nichts, aber die Tendenz beim Neuzugang stimmte. „Schade ist, dass der Plan mit der Doppelspitze nicht mehr aufging, als wir direkt 0:2 zurücklagen. Aber es war korrekt, was Robin gespielt hat. Er hat sich in jeden Zweikampf geworfen, hat gute Zweikämpfe geführt, hat ein Tor gemacht und war nochmal ganz nah dran am zweiten“, sagte Martin Schmidt. „Ich glaube, er ist jetzt angekommen, ist drin, er kann 90 Minuten absolvieren.“ Für Quaison sei diese Partie mit allen Schwierigkeiten eine gute Erfahrung gewesen. „Was man dabei gesehen hat, er ist sehr variabel in den Positionen. Das können wir gut gebrauchen.“

Quaison dürfte seinen Platz im Kader behalten. Was sicherlich nicht für alle 05er gelten wird, die in Darmstadt gespielt haben. Für Stefan Bell sowieso nicht. Der Innenverteidiger sah bekanntlich die Gelb-rote Karte und fehlt am Sonntag im Heimspiel. Bell und dessen Partner Ramalho hatten ohnehin einen schwarzen Tag in der Abwehr. „Das Duo hat in den letzten vier Spielen eine absolut klare Linie drin gehabt, alles weg verteidigt und einander gesichert. Heute hat man gesehen, dass auch sie vor Leistungsschwankungen nicht gefeit sind. Und wenn wir natürlich vier, fünf oder sechs Spieler auf dem Platz haben, die nicht an ihr Leistungsniveau herankommen, dann hat Mainz Probleme“, betonte Schmidt. „Bis jetzt war keine Not, irgendetwas zu verändern in der Innenverteidigung. Jetzt fehlt Bello und es geht darum, wer ihn ersetzt. Ersetzen kann ihn Niko Bungert, Leon Balogun oder Jean-Philippe Gbamin, der auch Innenverteidiger spielen kann. Wir haben Leute genug dafür.“ Nicht jedoch Alexander Hack. Der ist vom DFB-Sportgericht wegen Schiedsrichterbeleidigung für drei Meisterschaftsspiele seines Klubs gesperrt worden. Hack hatte nach der Niederlage des U23-Teams in der Drittliga-Partie gegen den SV Werder Bremen II dem Schiri seine Meinung wohl zu deutlich mitgeteilt und die Rote Karte gesehen.

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