Rakete im Countdown-Status

Jörg Schneider. Mainz.
Im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen am Samstag ist Jhon Cordoba noch keine Option.Doch beim FSV Mainz 05 zeichnet sich langsam ab, dass der Mittelstürmer bald soweit ist. Martin Schmidt sehnt den Einsatz des Kolumbianers herbei, der die Variabilität im Angriff erhöhen würde und rechnet in drei Wochen mit einem fitten Cordoba. „Der Junge braucht erst den richtigen Grundaufbau, dann werden wir die Rakete zünden.“

Viele Trainingseinheiten hat Jhon Cordoba (hier gegen Christoph Moritz) noch nicht mit dem 05-Kader absolviert. Doch allmählich ist beim Neuzugang Land in Sicht. Foto: Jörg SchneiderAb und zu riskiert er mal einen sehnsüchtigen Blick über den Zaun zu den Kollegen, wenn’s im Trainingsspiel gerade hoch hergeht, der Ball im Netz zappelt und die Lautstärke nach erfolgreichen Torabschlüssen ansteigt. Dann geht’s weiter im Programm. Ausdauertraining. Koordination. Grundlagenarbeit. Nur der Fitnesscoach ist dabei und gibt Instruktionen. Es ist eine einsame Schufterei, der sich Jhon Cordoba täglich auf dem kleinen Platz neben dem Trainingsrasen am Bruchweg unterzieht. Der kolumbianische Mittelstürmer des FSV Mainz 05 kämpft um seine baldige Bundesliga-Präsenz.

Der 22-jährige Neuzugang, der im Sommer vom FC Granada nach Mainz gekommen war, hatte keinen guten Start in seiner neuen Umgebung. Rückstand nach unzureichender Vorbereitung. Dann immer wieder muskuläre Probleme bei starker Belastung. Ein zehnminütiger Kurzeinsatz beim 0:1 in Leverkusen, mehr war bisher nicht drin für das wuchtige Kraftpaket im Angriffszentrum der 05er. Cordoba absolviert seit geraumer Zeit ein individuelles Spezial-Aufbauprogramm. Der Stürmer macht im Prinzip seine eigene Saisonvorbereitung in der Saison, parallel zum übrigen Kader des Bundesligisten. Und langsam kommt Land in Sicht.

Für das bevorstehende Heimspiel der 05er am Samstag in der Coface Arena gegen den SV Werder Bremen ist Cordoba noch keine Option für den 05-Trainer. „Jhon wird die Woche noch so wie bisher trainieren. Nächste Woche steigt er dann ein in die Arbeit mit der Mannschaft“, sagt Martin Schmidt. Es sei ein langer, schwieriger Prozess die Rückstände aufzuholen und den Profi an das Leistungsniveau des Kaders heranzuführen. „Er war dann sechs Wochen raus, hatte keine richtige Vorbereitung, da ist sehr viel Ausdauertraining zu leisten. Es wäre Unsinn, ihn jetzt schon schnell reinzuwerfen“, sagt Schmidt, der den Kolumbianer geduldig aufbaut und damit rechnet, dass Cordoba nach seiner Rückkehr ins Teamtraining noch weitere zwei Wochen braucht, um die Leistung im Mainzer Angriff bringen zu können, die alle von ihm erwarten. „Wenn wir die drei Wochen noch volles Rohr in ihn investieren, dann ist er ein hundertprozentiges Mitglied. Der Junge braucht erst den richtigen Grundaufbau, dann werden wir die Rakete zünden.“

Der Schweizer benötigt die Fähigkeiten des Stoßstürmers, der den 05-Angriff variabler machen kann mit seiner Antrittsschnelligkeit, seiner Explosivität am Ball im Strafraum, aber auch mit Cordobas Möglichkeiten, mit dem Rücken zum Tor angespielt zu werden, Bälle festmachen zu können. Zumal Schmidt in der offensiven Reihe im Moment ohnehin eingeschränkte Möglichkeiten hat. Christian Clemens, der in der Anfangsphase der Saison so stark aufspielte und sich als Torschütze und Vorbereiter in Szene setzte, trainiert wegen einer Entzündung in der Fußsohle derzeit nicht, fehlt auch gegen die Bremer erneut. Maximilian Beister, der schnelle Außenstürmer, arbeitet sich nach Verletzung und fehlender Spielpraxis langsam heran.

Nächster Entwicklungsschritt für Muto

Die Verantwortung für die Abschlüsse und Torchancen liegt im Moment in erster Linie bei Yunus Malli und Yoshinori Muto. Der Japaner übernimmt notgedrungen die Rolle in vorderster Angriffsreihe. Das passt in manchen Begegnungen optimal. Vor allem dann, wenn die 05er schnell umschalten können. In Begegnungen wie gegen Borussia Dortmund, in denen die Mainzer überwiegend mit eigenem Ballbesitz ihre Chancen herausspielen mussten, ist es schwer für den wendigen Stürmer, sich im Zentrum zu behaupten. Besonders, wenn er es mit solchen Kanten wie Sokratis und Mats Hummels zu tun hat. Da wäre die Option mit einem körperlich stärkeren Angreifer vorne drin und Muto als zweite Spitzer oder vom Flügel kommend, dienlicher.

„Ich glaube, dass Muto zurzeit seinen nächsten Entwicklungsschritt macht“, sagt der 05-Trainer. „Am Anfang war er unbedarft hier, niemand hat ihn auf der Rechnung gehabt. Nach den ersten Spielen ist er in Teilen der Medien kritisiert worden, dann hat er die Doublette gegen Hannover rausgehauen, ein, zwei Tore noch vorbereitet und plötzlich ist der Fokus auf ihn gerichtet. Jetzt wird er entsprechend  verteidigt. Jetzt stellen die Gegner ihn zu zweit oder zu dritt zu.“

Trotzdem hat der fleißige und fürs Team hart arbeitende Japaner immer seine Chancen. Gegen den BVB waren es zwei große Möglichkeiten. Eine davon hätte den Ausgleich in der 59. Minute bringen können, doch BVB-Keeper Roman Bürki verhinderte den Treffer. Noch größer war Mutos Gelegenheit in der Anfangsphase, die Mainzer in Führung zu bringen. „Die Chance in der sechsten Minute, ganz klar“, sagt der 05-Trainer. „Wenn der Ball rein geht, ist alles top, dann haben wir ein anderes Spiel. Bis Cordoba soweit ist, müssen wir aber so klarkommen. Es ist so, wie es ist.“ Aufkommende Kritik an Muto lässt Schmidt aber nicht zu. „Der Junge arbeitet viel auf seiner Position.  r muss spielen, spielen, spielen. Wie oft hat Shinji Okazaki so gespielt und uns nur durch sein unermüdliches Arbeiten geholfen. Irgendwann hat er dann wieder getroffen. So wird es auch bei Muto sein. Er wird wieder kommen.“

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