Rekordmann aus der Mainzer Kaderschmiede

Jörg Schneider. Mainz.
Der wertvollste deutsche Spieler aller Zeiten kommt aus der Nachwuchsschmiede des FSV Mainz 05: André Schürrle, am Bruchweg unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel Deutscher A-Jugendmeister geworden und zum Bundesliga-Profi gereift, hat mit seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund ins Team seines ehemaligen Lehrmeisters einen neuen Transfer-Rekord aufgestellt. Eine Summe von mehr als 90 Millionen Euro hat der 25-Jährige inzwischen bei seinen diversen Transfers bewegt. Alleine die 05er haben rund 15 Millionen Euro mit ihrem einstigen Shooting-Star verdient.

Transfer-Rekordmann André Schürrle erzielte beim 1:1 der 05er am 29. Spieltag der abgelaufenen Saison den Wolfsburger Führungstreffer gegen sein Ex-Team. Foto: Imago Egal, wieviel Geld bei den einzelnen Transfers tatsächlich genau geflossen ist, noch nie zuvor hat ein einzelner deutscher Fußball-Profi bei seinen Vereinswechseln solche Summen bewegt. Und dieser Spieler kommt aus dem Nachwuchsstall des FSV Mainz 05: André Schürrle, ausgebildet am Mainzer Bruchweg und im alten Stadion zum Bundesligaspieler gereift, hat durch seinen aktuellen Wechsel vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund einen neuen Bundesliga-Transfer-Rekord aufgestellt. Der 25-jährige, gebürtige Ludwigshafener ist damit zum wertvollsten Bundesligaspieler aller Zeiten aufgestiegen. Die Zahlen variieren je nach Quelle, aber feststeht, dass die 30 bis 32 Millionen Euro, die der BVB nach Wolfsburg überweisen soll, Schürrles Gesamt-Transferbilanz auf schwindelerregende 92 bis 95 Millionen Euro anhebt.

Dass der schnelle, technisch hochbegabte Offensivspieler das Zeug haben würde, sich in der Bundesliga zu behaupten, deutete sich damals schon in der Vorbereitung auf die erste Saison nach dem Wiederaufstieg der 05er an. Schürrle debütierte im August 2009 beim 2:2 zum Auftakt gegen Bayer Leverkusen am Bruchweg, kam in seinem ersten Bundesligajahr auf 33 Einsätze, fünf Tore und drei Vorlagen. In seinem zweiten 05-Jahr baute der Offensivmann seine Bilanz auf 15 Treffer und fünf Tor-Vorlagen aus.

Der Shooting-Star war 2006 vom Ludwigshafener SC zur U17 des FSV Mainz 05 gewechselt, stieg ein Jahr später in die U19 auf und feierte im Juni 2009 mit den 05ern den Gewinn der Deutschen A-Jugendmeisterschaft. Trainer dieses Erfolgsteams war bekanntlich Thomas Tuchel. Die Mainzer gewannen im eigenen Stadion mit 2:1 gegen Borussia Dortmund, in dessen Reihen auch Mario Götze stand, der im Finale damals den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte. Götze kommt nun vom FC Bayern München nach Dortmund zurück und wird dort Schürrles Mannschaftskollege. Unter Tuchel, den der damalige 05-Manager Christian Heidel nach dem U19-Titelgewinn zum Cheftrainer der 05-Profis befördert hatte, absolvierte Schürrle insgesamt 66 Meisterschaftsspiele in seinen zwei Bundesligajahren für die Mainzer. Im Sommer 2011 wechselte der damals 21-Jährige zu Bayer Leverkusen, bestritt für die Werkself 65 Ligaspiele, ehe es den Stürmer in die Premier League zum FC Chelsea zog. Nach einem eher durchwachsenen Gastspiel auf der Insel kehrte der Ex-05er 2015 zurück nach Deutschland und schloss sich dem VfL Wolfsburg an. In der Autostadt hatte Schürrle ebensolche Start-Schwierigkeiten wie in London, stabilisierte jedoch seine Leistung und war am Ende der abgelaufenen Saison bester Stürmer im Team von Dinter Hecking und erzielte in der Rückrunde neun Tore. Die Mainzer haben an den verschiedenen Transfers ihres ehemaligen Jugendspielers insgesamt fast 15 Millionen Euro verdient.

Nun kehrt Schürrle also zu seinem Mentor Thomas Tuchel zurück und erhofft sich mehr Stabilität und Konstanz durch die Arbeit mit seinem Förderer und als einer der Führungsspieler im jungen und umgebauten BVB-Team, das zum Auftakt der neuen Saison gleich die 05er zu Hause empfängt. Tuchels Spielweise dürfte Schürrle in jedem Fall liegen. Gerade unter dem Ex-05-Coach entwickelte das Ausnahmetalent seinerzeit seine Stärken. Bedingungsloses Tempo-Pressing, schnelles Umschalten über den Flügel mit Zug nach innen, um zum Abschluss zu kommen, genau getimte Tiefenpässe. Beim BVB hofft man nun darauf, dass Tuchel sowohl Schürrle als auch Mario Götze wieder auf Top-Niveau bringt. So, wie bei der Weltmeisterschaft 2014, als das Duo in Brasilien zu WM-Helden wurde: Im Finale gegen Argentinien bereitete André Schürrle in der 113. Minute der Verlängerung Götzes Siegtor vor, das die Mannschaft von Jogi Löw zum Weltmeister machte. In der Folgezeit stockte die Entwicklung der beiden hochbegabten Freunde. Bei der kürzlich zu Ende gegangenen EM in Frankreich spielten beide keine tragende Rolle in der DFB-Auswahl. Schürrle hat inzwischen 55 Länderspiele absolviert und 20 Tore im Nationaltrikot erzielt. Seine Gesamtbilanz als Profi: 174 Bundesligaspiele, 48 Tore, 29 Vorbereitungen. 44 Premier-League-Einsätze, elf Tore. 35 Champions-League-Spiele, fünf Treffer. Zehn Europaliga-Spiele, zwei Tore.  

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