Schlagabtausch unter besonderen Vorzeichen

Jörg Schneider. Mainz.
Natürlich erfährt die Partie des FSV Mainz 05 beim VfL Wolfsburg am Samstag eine besondere Würze dadurch, dass Martin Schmidt nun seit nicht ganz zwei Wochen neuer Cheftrainer beim kommenden Gegner ist. Der Schweizer betonte im Vorfeld, er habe inzwischen viel Abstand gewonnen und wollte ebenso wie Sandro Schwarz auf der anderen Seite die Geschichte dieses speziellen Aufeinandertreffens nicht zu hoch aufhängen. „Es muss irgendwann mal kommen. Mir ist es lieber, es kommt jetzt und ist dann weg. Sonst wird immer noch wochenlang darauf hin spekuliert. Es ist jetzt da. Danach kann ich mich in die Normalität rein begeben.“

Zwei Spiele hat Martin Schmidt in seinem neuen Job beim VfL Wolfsburg bestritten. Der 51-jährige Schweizer legte einen vernünftigen Einstand beim ambitionierten Autoklub hin mit einem Unentschieden gegen Werder Bremen und einem Remis beim FC Bayern. Im dritten Anlauf steht nun das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein auf dem Programm. Klar, dass bei den Niedersachsen genauso wie im Umfeld des FSV Mainz 05 die Partie am Samstag (15.30 Uhr) vorneweg als Duell des im Mai freigestellten Schmidt mit dessen Nachfolger Sandro Schwarz angekündigt wird.  

Gut ein Jahr lang haben Rouven Schröder und Martin Schmidt zusammengearbeitet bis zur Trennung im Mai. Nun gibt's ein Wiedersehen als Kontrahenten. Foto: Jörg SchneiderRouven Schröder hat dieser Tage allerdings noch einmal bekräftigt, was auch sein Trainer mehrfach hervorgehoben hat. Dass man nicht gegen Martin Schmidt spiele, sondern gegen den VfL Wolfsburg. „In fast jedem Spiel hast du einen Bekannten in der gegnerischen Mannschaft, einen ehemaligen Funktionär oder einen Spieler, wie auch immer. Wenn man den Schwerpunkt nur auf das Duell mit Martin legt, hat man den Schwerpunkt an der falschen Stelle gesetzt“, sagt der 05-Sportvorstand. „Für uns ist der größte Reiz der sportliche Wettbewerb, eine solche Mannschaft zu besiegen.“ Natürlich freue sich jeder auf ein Wiedersehen. „Es war für Martin eine Riesenchance, deshalb haben wir uns auch sehr schnell geeinigt und ihm den Weg nicht verbaut. Wir wissen dass Martin ein guter Trainer ist. Er wird mit Wolfsburg ganz andere Ziele haben und wird die auch haben müssen mit diesem Gesamtpaket. Er muss einen Platz unter den ersten acht anpeilen, das ist schon klar. Wir wissen, was uns dort erwartet, aber unsere Intension, dort etwas zu holen ist ganz klar da. Gespräche gibt es erst nach dem Spiel“, sagt Schröder.

Auch Schmidt, der vor nicht ganz zwei Wochen in einer Blitzaktion als Nachfolger des entlassenen Andries Jonker in Wolfsburg als neuer Cheftrainer installiert worden war, musste sich in der Spieltags-Pressekonferenz des Vereins natürlich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Er habe inzwischen viel Abstand gewonnen zu der Zeit am Bruchweg, sagt der Schweizer. „Es ist ja jetzt schon ein paar Monate her, dass ich nicht mehr in Mainz bin. Die Wohnung habe ich aufgelöst. Da bin ich schon ziemlich fern von allem. Da bin ich jetzt auch gelöst. Klar, als ich wusste, ich werde Trainer in Wolfsburg, wusste ich natürlich, dass das dritte Spiel gegen Mainz sein wird. Es muss irgendwann mal kommen. Mir ist es lieber, es kommt jetzt und ist dann weg. Sonst wird immer noch wochenlang daraufhin spekuliert. Es ist jetzt da. Danach kann ich mich in die Normalität rein begeben.“ Mainz werde für ihn aber immer eine spezielle Geschichte und tief in seinem Herzen bleiben, betont der VfL-Coach. „In der Professionalität ist man aber so drin, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert vor einem Spiel, so dass man gar keine Zeit hat, an was anderes zu denken.“

Martin Schmidt ist angetreten, um die hohen Ansprüche des in Sachen Finanzen und Infrastruktur bestens aufgestellten Klubs zu erfüllen. Und der Schweizer will auf seinem Weg dahin nun gegen seine ehemalige Mannschaft den ersten Sieg einfahren.  „Es ist doch klar, dass ich vieles kenne von Mainz 05 nach der langen Zeit. So ist es im Fußball. Wir werden uns beide auf dieses Spiel gut vorbereiten. Die Spiele, in denen sich zwei sehr gut kennen und wo die Herangehensweisen ähnlich sind, sind eigentlich immer hochinteressante Spiele. Spannend, hochintensiv, zweikampstark mit einem guten Umkehrspiel. Zwei Teams, die gut organisiert auf dem Platz stehen. Deshalb wird das in die Richtung Intensität, Zweikampf, Aggressivität gehen. Ich habe hier eine sehr wache, willige und gierige Mannschaft angetroffen. Das hat  mir den Einstieg erleichtert.“

Sandro Schwarz reist mit der Absicht nach Wolfsburg, dem Heimsieg gegen Hertha BSC einen weiteren Dreier folgen zu lassen. Zwei Siege hintereinander, das gab es in diesem Kalenderjahr noch nicht, als auch nicht unter Schmidts Leitung. „Wir wollen unser Auswärtspunktekonto jetzt mal füllen. In Stuttgart hätten wir etwas holen können, in München hatten wir wenig Chancen. Das ist unser Antrieb für die Partie in Wolfsburg“, betont der 38-Jährige. „Wir wollen konstant Leistung abrufen, die Entwicklungsschritte weiter  gehen. Und natürlich mit einer sehr guten Leistung versuchen, auch mal zwei Spiele hintereinander zu gewinnen.“

Vieles spricht dafür, dass auch diese Partie ähnlich verläuft, wie die meisten Auftritte der 05er beim VfL. Schmidt wird mit einer Mischung aus eigenem Ballbesitz und Umschaltfußball versuchen das Spiel zu Hause zu dominieren und erfolgreich zu bestreiten. Schwarz setzt aktive Vorwärtsverteidigung,  konzentrierte Defensivarbeit dagegen, will über Balleroberungen seinerseits schnell in die Offensiv-Aktionen gelangen. In den bisherigen elf Bundesligaspielen der 05er beim VfL Wolfsburg sind insgesamt 42 Tore gefallen. Dreimal haben die Mainzer dort gewonnen, viermal die Punkte geteilt. Die Voraussetzungen für einen interessanten Schlagabtausch dürften erneut gegeben sein.

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