Schließt sich Gladbach dem Trend an?

Christian Karn. Mainz.
Fünf Teams standen nach dem 13. Spieltag in der Bundesligatabelle hinter Borussia Mönchengladbach. Drei von ihnen haben am Samstag jeweils 1:0 gewonnen. Ein Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 würde der seit acht Pflichtspielen sieglosen Borussia etwas Druck nehmen. Notwendig dafür wäre eine mutigere Aufstellung als zuletzt beim FC Barcelona - von der kann man sicher ausgehen. Außerdem müssen die Gladbacher die schlechten Nachrichten, die es zuletzt auf dem Trainingsplatz, im Lazarett und vor Gericht gab, heute nachmittag ausblenden.

Borussia Mönchengladbach steht unter Druck. Drei der fünf noch schlechter platzierten Bundesligisten haben am Samstag ihre Spiele jeweils 1:0 gewonnen - Werder Bremen in Berlin, der HSV gegen den FC Augsburg, der FC Ingolstadt gegen Leipzig -, die Abstiegsplätze kommen näher. Von den letzten acht Pflichtspielen haben die Gladbacher kein einziges gewonnen, davor gab es ein 2:0 im Pokalspiel gegen das Zweitligateam des VfB Stuttgart, davor in Bundesliga drei weitere Spiele ohne Sieg. Ein Heim-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 würde die Borussia heute nachmittag sicher sehr erleichtern.

Nico Elvedi, Jannik Vestergaard, Tony Jantschke und Andreas Christensen (von hinten nach vorne) waren am Dienstag nur zwei Drittel von Borussia Mönchengladbachs Sechser-Abwehrkette. Trotzdem (oder deswegen?) gab es gegen die von Lionel Messi und zwei weiteren Stammspielern veredelte B-Elf des FC Barcelona ein 0:4. Foto: imagoAls die Gladbacher zuletzt unter Druck standen, ging die Sache fürchterlich schief. Das war am Dienstag in der Champions League beim FC Barcelona. Eigentlich ging es im Camp Nou um nichts mehr: Barca stand als Gruppensieger fest, Gladbach war auf dem dritten Platz, der in die Europa League hinüber führt, nach oben und unten isoliert. André Schubert schickte sein Team in einer geradezu verängstigten und für ein solches Spiel untauglichen Formation auf den Platz: Auf dem Papier oder dem Bildschirm wurde die Borussia quer durch die Medien in einem 4-4-2 dargestellt, tatsächlich aber standen die vier (!) Innenverteidiger Andreas Christensen, Jannik Vestergaard, Tony Jantschke und Nico Elvedi mit den Außenverteidigern Julian Korb und Nico Schulz in der Regel auf einer Linie. Eng vor der Sechserkette war eine Dreierkette nie in der Lage, den gegnerischen Spielaufbau zu stören, selbst der Mittelstürmer kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Barca hingegen - mit Lionel Messi, Andrés Iniesta, Javier Mascherano und acht Ersatzspielern angetreten - hat bekanntlich die Ruhe, die Technik, die Arroganz, sich von solchen Defensivkonzepten nicht nervös machen zu lassen, lauerte mittels hunderter Querpässe in der Zone vor dem gegnerischen Strafraum auf die Lücken und nutzte sie. Als es irgendwann 0:1 stand, merkte die Borussia, dass das 6-3-1 nicht funktionierte, stellte auf 5-4-1 um - auch nicht besser. Arda Turans Hattrick erhöhte auf 4:0. Entlastung gab es in beiden Systemen im Grunde nie, Torchancen auch nicht.

Natürlich kann man davon ausgehen, dass es selbst ohne das 0:4 gegen die 05er einen anderen Ansatz gegeben hätte. Auch die Gladbacher spielten nicht mit der kompletten ersten Besetzung; der Linksverteidiger Oscar Wendt, der Torjäger Raffael, der in Barcelona gesperrte Alleskönner Lars Stindl, der Weltmeister Christoph Kramer sind Kandidaten für die Startelf. Die lief zuvor beim 1:4 in Dortmund in einem 5-3-2 auf, im letzten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim in einer Art 4-3-3.

Schlechte Nachrichten gab es für die Borussia zuletzt auch abseits des Platzes, im Lazarett und vor Gericht: Weil er vor einem Jahr einen Fan mit einem Tritt an den Kopf lebensgefährlich verletzt hatte, wurde der damalige Vorsänger der Borussia-Ultras am Donnerstag zu drei Jahren Haft verurteilt. Und am gleichen Tag deutete der Innenverteidiger Álvaro Domínguez an, möglicherweise gegen den Verein klagen zu wollen. Der 27-jährige Spanier hatte zwei Tage zuvor und 13 Monate nach seinem letzten Spiel wegen anhaltender schwerer Rückenprobleme seine Karriere beendet und fühlt sich vom Verein im Stich gelassen. "Ich war da, als der Klub es brauchte", sagte der Spanier der Sportzeitung "Marca", "aber als ich mich für die Mannschaft umgebracht hatte und vor Schmerz starb, ließ er mich hängen." Er sei nicht seriös behandelt, einfach fitgespritzt worden. Die Borussia widerspricht.

Heute nachmittag - die Partie beginnt um 15.30 Uhr - soll beides keine Rolle spielen. Heute will die in der Borussia, die von sieben Bundesligaspielen im eigenen Stadion nur eins verloren, aber auch seit Ende September keines mehr gewonnen hat, gegen die 05er, die die letzten drei Bundesliga-Auswärtsspiele verloren haben, dem gestrigen Trend des unteren Tabellendrittels folgen und endlich auch mal wieder einen Sieg feiern. Dabei können neben Domínguez vier weitere Spieler nicht helfen können: Patrick Herrmann, Marvin Schulz und Ibrahima Traoré sind seit einiger Zeit verletzt, kurzfristig fällt auch Fabian Johnson aus.

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