Schmidt: „Baumi ist unser Motor“

Jörg Schneider. Mainz.
Der augenblickliche Erfolg des FSV Mainz 05 als Tabellensechster der Bundesliga hat viel mit der Leistung seines Kapitäns zu tun und dessen Wandel vom reinen Defensiv-Malocher hin zum Antreiber und Impulsgeber der Offensive. Julian Baumgartlingers erstes Bundesligator, das den 2:1-Sieg gegen Schalke 04 sicherte, dokumentiert nun auch diese Entwicklung. „Baumi ist unser Motor nach vorne“, sagt sein Trainer. „Sein hohes Niveau ist schon ein Faktor dafür, dass es bei uns gut läuft. Das Team lebt sehr stark von ihm."

Julian Baumgartlinger (hier gegen die Bayern Coman und Vidal) hat sich vom Defensiv-Abräumer zum Antreiber und Offensiv-Impulsgeber entwickelt. Der Siegtreffer im Heimspiel gegen den FC Schalke 04, den Julian Baumgartlinger mit einem Kopfball erzielte, war für den Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 nicht nur persönlich ein höchst emotionaler Moment. Das erste Bundesligator des österreichischen Nationalspielers in dessen 112. Auftritt steht auch für den Wandel im Spiel des 28-Jährigen. Der gebürtige Salzburger hat im vergangenen Mai seinen Vertrag vorzeitig um vier Jahre verlängert, sich deutlich zum Klub bekannt, weil er als Führungsspieler mit mehr Verantwortung die Entwicklung der Mannschaft aktiv mitgestalten wollte. Das funktioniert. Der 05-Kapitän kommt im Mainzer Spielsystem in dieser Saison immer häufiger in solche Abschluss-Situationen, hat sich vom reinen Defensiv-Malocher zum Antreiber und Impulsgeber der Offensive entwickelt. „Baumi ist unser Motor nach vorne“, sagt sein Trainer.

Als Baumgartlinger im Sommer 2011 von Austria Wien zum Bruchweg wechselte, waren sein Denkweise im Spiel und sein Ansatz immer rein defensiv ausgerichtet. Baumgartlinger arbeitete vor der Abwehr, verteidigte, stopfte Löcher, war immer anspielbereit. Auffallend dabei war, dass der 05-Profi die Bälle selten offensiv verwertete, sondern meist im Mittelfeld abschirmte und den freien Mann hinter sich suchte. Mittlerweile dreht sich Baumgartlinger schon in der Ballannahme überwiegend und schneller in Spielrichtung. „Ich weiß, dass dies in den ersten zwei Jahren der Hauptansatz war bei ihm für Thomas Tuchel“, sagt Martin Schmidt. „Julian war ja der Zurückspieler, wie er im Buche steht. Jeder Ball, der zu ihm kam, ging zurück.“ Schmidt setzte Tuchels Ansatz fort, erarbeitete mit seinem Kapitän verstärkt die Rolle des Aufbauers. „Ich sehe ihn ja in einer anderen Position als früher. Ich will nicht, dass er nur dahinten ist und die Bälle abholt. Das Aufdrehen nach vorne ist für uns wichtig und wird in allen Spielformen geübt.“

Mehr Zug nach vorne

Im Training trägt der Österreicher meist das Leibchen des neutralen Spielers, des Jokers, der für die eine wie für die andere Mannschaft die Bälle verteilt. „Wenn du immer den Ball hast, brauchst du nicht ballsichernd zu denken. Er denkt heute nur noch mit Ball. Das hat ihn zusätzlich zu seinem defensiven Ansatz, den er ja grundlegend so drin hatte, neu befruchtet und ihn weiter gebracht. Er dreht auf, öffnet das Spiel dadurch, macht es schnell. Damit hat er sein Spiel um ein Vielfaches ergänzt und gibt uns dadurch mehr Zug nach vorne.“  

Und mit Danny Latza steht daneben ein Mitspieler, der ähnlich denkt und arbeitet. „Danny hatte diesen Offensiv-Gedanken schon immer drin in seiner Spielweise“, betont Schmidt. „Ihn muss ich eher dahinbringen, dass er noch einen zusätzlichen Sicherheitsgedanken reinbringt. Wenn Baumi weg ist nach vorne, darf er nicht auch noch mit. Wenn er den Ball in die Tiefe spielt und Gaetan Bussmann geht mit, muss Danny die Seite sichern.“ Doch auch Latza ist ein Laufwunder, ständig unterwegs zwischen Aufräum- und Aufbauarbeiten. Dadurch ist das zentrale Mittelfeld zwar offensiver ausgerichtet als früher, bleibt aber trotzdem die Abteilung, in der im Gegenpressing die Gegner gestellt, die Bälle erobert werden. „Wir haben jetzt eher zwei Achter auf der Doppelsechs als zwei Sechser, die defensiv denken“, erklärt der 05-Trainer. „Das macht unser Spiel gefährlich. Zudem sind beide sehr gut in der Balleroberung. Gerade in der Vorwärtsbewegung schnappen sie viele Bälle, mit denen wir Angriffe starten können.“

Dass der 05-Kapitän eine solche dominante Rolle im 05-Team einnimmt und auf diesem für ihn mittlerweile wesentlich höheren Level spielt, hat für Schmidt sehr viel mit Baumgartlingers körperlichen Voraussetzungen zu tun. „Julian hat seit gut einem Jahr keine Verletzung mehr gehabt, war nie raus. Er ist konstant auf einem sehr hohen Niveau. Dazu auch läuferisch und athletisch auf unheimlich hohem Niveau. Das hilft ihm sehr.“ Baumgartlinger sei im Spiel omnipräsent in allen Räumen, wo er Bälle erobere. „Das bringt ihn zu vielen Aktionen. Baumi hat sehr oft den Ball. Das tut ihm gut. Man merkt es im Training. Er saugt die Kugel richtig an“, betont der 48-Jährige. Der Nationalspieler, sagt Schmidt, habe Fortschritte gemacht seit er ihn kenne. „In den letzten Monaten aber noch einmal mehr. Vor allem mit dem Ball. Mit seinem Passspiel. Mit den Laufwegen. Er hat heute Dinge drin, die er früher nicht hatte. Sein hohes Niveau ist schon ein Faktor dafür, dass es bei uns gut läuft. Ohne ihn zu viel loben zu wollen, aber es ist momentan schon so, dass unser Team sehr stark von ihm lebt.“

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