Schmidt: „Das Buch ist noch lange nicht voll“

Jörg Schneider. Mainz.
Martin Schmidt hat das Kapitel Mainz 05 geschlossen. Ein spektakuläres Kapitel, wie der ehemalige Cheftrainer des Bundesligisten bei seiner Rückkehr am Samstag in die Opel Arena sagte. Rouven Schröder verabschiedete den Schweizer offiziell, der sieben Jahre lang „diesen Verein gelebt und den Verein nach innen und außen immer würdig vertreten hat“ und sagte Danke. „Wir hatten einen harten Weg, einen spannenden Weg. Ich werde Mainz 05 auch in Zukunft in meinem Herzen haben“, sagte der Ex-Coach, der betonte, er wolle nun ein neues Kapitel schreiben. „Das Buch ist noch lange nicht voll.“

Abschied von Mainz 05: Martin Schmidt sagt Adieu nach sieben Jahren. Foto: Imago Ein letztes Mal hat Martin Schmidt in der Opel Arena zur Medienrunde geladen. In der Halbzeitpause des Testspiels gegen Newcastle United, das der FSV Mainz 05 später mit 2:1 gewann, verabschiedet sich der ehemalige Cheftrainer an seiner alten Wirkungsstätte auch von den Journalisten, die den Schweizer und dessen Arbeit in den vergangenen Jahren begleiteten.

Gut sieht er aus, der 51-Jährige. Entspannt. Erholt. Braungebrannt. Ein paar Falten im Gesicht weniger, wie er sagt. Vom Stress, der Gespanntheit und den Sorgen des brutalen Abstiegskampfes Ende der vergangenen Saison ist nichts mehr zu sehen und zu spüren. Das abrupte Ende seiner Amtszeit unmittelbar nach dem erfolgreichen Klassenverbleib, das Rouven Schröder damals im Anschluss an ein langes Gespräch mit dem Walliser verkündete, scheint Schmidt verarbeitet, die Geschichte in eine Schublade gesteckt zu haben, die er im Moment jedoch nicht öffnen will. Auch rund zehn Wochen danach, will er nicht über die Dinge reden, die dazu geführt haben, dass Sandro Schwarz seinen Job übernommen hat. Da gibt’s jedoch kein böses oder kritisches Wort von ihm zu dieser Entscheidung.

Martin Schmidt ist an diesem Samstag gekommen, weil der Verein ihm nach siebenjähriger Tätigkeit einen gebührenden Abschied geben will. Rouven Schröder sagt vor dem Anpfiff des Testspiels Danke im Namen der 05er, übergibt dem Ex-Trainer, der noch immer angestellt ist beim Klub, eine Foto-Kollage und einen Blumenstrauß. Die Mainzer Hofsänger bringen ein Ständchen, singen „You’ll never walk alone“. Das Publikum in Arena empfängt und verabschiedet Schmidt mit tosendem Beifall. Ein emotionaler Moment. Der Sportvorstand sagt: „Es ist ein besonderer Moment, einen Trainer zu verabschieden, der sieben Jahre lang herausragende Arbeit geleistet hat, die Mannschaft in die Gruppenphase der Europaliga geführt und den Verein im Finale der vergangenen Saison die Bundesliga gesichert hat.“ Schmidt habe Spuren hinterlassen, betont Schröder. „Er hat diesen Verein gelebt und nach innen und außen immer würdig vertreten. Danke, Martin Schmidt.“

Auch er sei gekommen, um Danke zu sagen, erwidert Schmidt, an dessen Loyalität den 05ern gegenüber nie zu zweifeln war und der diesen Moment auch deshalb als „Riesengeste des Vereins“ bezeichnet. „Wir hatten einen harten Weg, einen spannenden Weg. Ich werde Mainz 05 auch in Zukunft in meinem Herzen haben. Und so, wie die Bude hier am vorletzten Spieltag beim 4:2 gegen Frankfurt gebrannt hat, muss die Bude immer brennen. Dann wird es für Mainz 05 weitergehen.“  

"Die Verarbeitung ging ganz flott"

Später, in der kleinen Runde, erzählt der Schweizer, wie er die vergangenen Wochen verbracht hat. „Die Verarbeitung ging ganz flott“, sagt er. „Das war eigentlich ein normaler Prozess wie nach jeder Saison.“ Er sei müde gewesen, habe wieder zu Kräften kommen wollen. Der große Frust habe ihn nicht überfallen. „Klar, nach zwei Wochen fehlt einem alles, dann fängst du wieder an, dich für Fußball zu interessieren.“ Es sei auch nichts Negatives zurück geblieben. Wer glaube, sein Verhältnis zum Klub und dessen Verantwortliche sei nachhaltig gestört, „der konnte ja vorhin sehen, wie Rouven und ich miteinander umgegangen sind“.

Zum ersten Mal seit vielen Wochen habe er sich wieder lange Hosen angezogen, sagt Schmidt lachend. Ein paar Wochen in den Bergen zu Hause im Wallis mit Familie und Freunden haben den Druck, der im Frühjahr auf dem 51-Jährigen lastete, weggefegt, neuen Ehrgeiz und Motivation entfacht. „Zum ersten Mal seit langer Zeit war es egal, ob es Montag, Dienstag oder Sonntag ist.“ Viereinhalb Wochen lang habe er sich in Italien aufgehalten, regeneriert, sich aber auch mit dem italienischen Fußball beschäftigt, Kontakte geknüpft, sich weitergebildet und die Sprache aufgefrischt. Der Fußball jenseits der Alpen bewege sich wieder nach langem Tief. Ob dort allerdings seine sportliche Zukunft liegen kann, daran zweifelt der Coach. „Die haben dort keine ausländischen Trainer in der Ersten Liga.“

Er wolle Ende August und dann im September nochmal in anderen Ländern hospitieren, seinen Fokus vergrößern mit dem Ziel, bald wieder irgendwo einzusteigen, wenn Angebote kommen. „Wenn ich so ein Spiel wie heute sehe, juckt es wieder.“ Schmidt sagt, es gebe zwei, drei Ligen, in denen er sich vorstellen könnte zu arbeiten, wo es bei ihm kribble. Die Bundesliga gehöre natürlich dazu. „Wenn man da mal ist, möchte man auch da bleiben“, erklärt er. „Ich bin motiviert, frisch aufgestellt, gut erholt, auch mental. Wenn was kommt, möchte ich da sein. Mainz war für mich ein spektakuläres Kapitel. Dieses Kapitel ist jetzt für mich abgeschlossen. Ich gehe daran, ein neues zu schreiben. Das Buch ist noch lange nicht voll.“

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