Schmidt: Das Team lernt sehr schnell

Jörg Schneider. Mainz.
Der erste intensive Saison-Abschnitt liegt hinter den Profis des FSV Mainz 05. Acht Punkte in der Bundesliga, Platz elf. Vier Zähler in der Europaliga-Gruppe C, Platz zwei. Das ist ganz ordentlich. Auch deshalb, weil das Team bereits fünf Auswärtsspiele in den zwei Wettbewerben absolviert hat. Nach dem 0:0 beim VfL Wolfsburg zog Martin Schmidt ein positives Zwischenfazit: „Das Ganze fühlt sich durch die doofen Gegentore etwas schlechter an, als es wirklich ist. Wir hätten alle vorher eine einzige Niederlage in diesem Siebenerblock und drei Auswärtssiege in Bundesliga und Euro League blind unterschrieben. Wir sind auf einem guten Weg.“

Bisher kann sich der FSV Mainz 05 bestätigt fühlen für seine Personalpolitik und dafür, wie Martin Schmidt und dessen Mitstreiter diese Spielzeit angegangen sind. Von der Planung der langen Sommer-Vorbereitung bis hin zum nun beendeten Start-Abschnitt dieser ersten Saisonphase. Die Probleme, die vielleicht zu erwarten, in jedem Fall aber prognostiziert worden waren, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Trotz etlicher Verletzungssorgen ist der Bundesligist ordentlich dabei und in die Gänge gekommen. Die Schwierigkeiten, die andere Klubs in der Vergangenheit hatten mit der Doppel- und Dreifach-Belastung Bundesliga, DFB-Pokal und Europaliga, haben sich bisher nicht eingestellt.

Vor dem Saisonstart hatten viele auf die Problematik hingewiesen, und auch die Beteiligten selbst sprechen nach wie vor von einem schwierigen Jahr und einer großen Herausforderung. Doch das, was im vergangenen Jahr dem FC Augsburg, davor dem SC Freiburg, Eintracht Frankfurt oder gar Hertha BSC in dieser Situation widerfahren ist, haben die 05er bislang nicht verspürt. Zur Erinnerung: Der FCA holte vor einem Jahr in den ersten drei Spielen nur einen Punkt, gewann im folgenden Siebener-Block zu Hause nur gegen Hannover 96, verlor zwei Spiele in der Europaliga und schaffte erst am 13. Spieltag seinen zweiten Saisonsieg. Danach zogen sich die Schwaben allmählich aus dem Abstiegskampf-Schlamassel, überstanden die Gruppenphase und belegten am Ende der Saison Platz zwölf. Der SC Freiburg kämpfte zwei Jahre zuvor bis zum Ende gegen den Abstieg, belegte nachher Platz 14. Die Eintracht schwamm in ihrer Europapokalsaison im Bundesliga-Mittelfeld mit, wurde am Ende 13. Hertha BSC stieg 2009 als Europapokal-Teilnehmer ab.

„Wir hatten keine Angst davor. Wir wollten das ja“, sagte Martin Schmidt nach dem 0:0 in Wolfsburg und dem Ende dieses ersten Saisonabschnittes. „Es war eher eine Riesen-Herausforderung. Es war halt immer so bei anderen Klubs, es muss aber nicht so sein bei uns. Ich habe immer gesagt, Erfolg ist nicht planbar, aber die Leistung ist planbar. Das kann man planen durch die genauen Abläufe, wann passiert wie und wo was und mit wem? Das haben wir schon in der Vorbereitung angefangen abzuarbeiten. Wir haben oft mit dem Team das Gespräch gesucht. Die Mannschaft muss schnell lernen. Das tut sie. Und das gibt uns ein gutes Gefühl, dass, wenn wir so weitermachen, wir eine gute Bundesligasaison spielen und auch europäisch Zeichen setzen können. Der breite Kader hilft da sehr. Der Kader, den wir haben, ist in der Breite und der Qualität um einiges größer als sonst. Da kann man schon mit arbeiten“, erklärte der 05-Coach.

Der 49-Jährige zog in Wolfsburg ein Zwischenfazit der Auftaktperiode. „Das Ganze fühlt sich durch die doofen Gegentore etwas schlechter an, als es wirklich ist. Wenn das Hoffenheim-Spiel ein 1:1 gewesen wäre und das gegen Saint-Etienne ein ganz normales 1:1, dann wären wir alle froh. Durch die Last-Minute-Tore kriegt die Leistung einen Touch, den sie nicht verdient hat. Wir hätten alle vorher eine einzige Niederlage in diesem Siebenerblock und drei Auswärtssiege in Bundesliga und Euro League blind unterschrieben. Sechs Spiele, acht Punkte in der Liga, das ist unser normales Soll in einer normalen Saison mit einem Schnitt von 1,3 bis 1,4. Den Punkteschnitt müssen wir hoch halten und den nächsten Block genauso angehen. In der Bundesliga haben wir bis jetzt nur gegen den BVB und Leverkusen verloren. Deshalb sind wir auf einem guten Weg“, betonte der Trainer.

Trainer Martin Schmidt, Sportdirektor Rouven Schröder und Teammanager Darius Salbert haben die 05-Profis durch die erste Stressphase der Saison gebracht und bereiten bereits die nächste vor. Das Zwischenergebnis gefällt dem Trainer. Foto: imago„Wir wollten in der Europaliga konkurrenzfähig sein, haben vier Punkte geholt, haben den ersten Sieg in der Gruppe geschafft, was für Mainz 05 historisch ist. Die Ausbeute ist gut und zufriedenstellend. Wir hatten uns vorgenommen daheim zu gewinnen und auswärts zu punkten. Jetzt haben wir es umgedreht. In der Liga bin auch mit der Konstellation bei vier Auswärtsspielen und den Reisestrapazen zufrieden und kann ein positives Fazit ziehen. Das ist ein solider Start, auf den wir aufbauen können.“ Die Kader-Situation verbessere sich trotz der neuerlichen schweren Verletzung von Yoshinori Muto. In der Länderspielpause kriegt Schmidt Nachschub. André Ramalho, Leon Balogun, Jairo Samperio haben ihre Verletzungen ausgeheilt und kehren ins Team zurück. „Das sind alles sehr wichtige Leute, auf die wir nicht verzichten können und die unserem Spiel sehr gut tun“, sagt Schmidt. „Der Danny Latza braucht noch drei, vier Wochen und kommt dann auch. Wir haben jetzt einen sehr, sehr starken Jean-Philippe Gbamin gesehen, von dem ich sagen muss, dass der schon so funktioniert, hätten wir auch nicht gedacht. Die Offensive haut hin, der Glaube an die Offensive ist da. Wir haben viele Tore geschossen.“

Martin Schmidt ist am Sonntagabend nicht mit der Mannschaft zurück nach Mainz gefahren. Der Schweizer blieb in Wolfsburg, wo am Montag die turnusmäßige Bundesliga-Trainer-Tagung auf dem Programm stand. Schmidt bittet sein Team am Mittwoch wieder zum Training und kündigte viel Arbeit an. Und viele Gespräche. Innerhalb des Teams, aber auch in Sachen Organisation. „Es gilt jetzt den nächsten Block zu planen. Da bin ich sehr akribisch in dem Bereich. Ich möchte auch schon das siebte Spiel im Oktober vom Ablauf her durchgeplant haben. Wenn wir mitten drin stecken in der Phase, haben wir keine Zeit, uns um organisatorische Dinge zu kümmern. Das werde ich mit Teammanager Darius Salbert alles besprechen. Wir wollen alles abarbeiten und möglichst wenig dem Zufall überlassen.“

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite