Schmidt erkennt Reifeprozess vor dem Derby

Jörg Schneider. Mainz.
Am Samstag steigt in der Coface Arena das ewig spannende und prestigeträchtige Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt. Die Vorbereitungen auf dieses Duell haben am Dienstag begonnen. Martin Schmidt beschäftigte sich in der kleinen Runde in den neuen Räumlichkeiten des Medien-Zentrums am Bruchweg zuvor aber noch einmal mit dem Unentschieden von Köln. Der Trainer des FSV Mainz 05 hat neben einigen Mängeln, nach zwei Spielen ohne Gegentor einen gewissen Reifeprozess erkannt.

Die Presse-Abteilung des FSV Mainz 05 hat sich aus der Klub-Geschäftsstelle in der Isaac-Fulda-Allee verabschiedet und ist bürotechnisch nun wieder am Bruchweg zu Hause. Im umgebauten Container hinter der Haupttribüne, in dem vor vielen Jahren die 05-Geschäftsstelle residiert hatte und in dem seinerzeit die Zweitliga-Pressekonferenzen stattfanden, ist ein neues Medien-Zentrum entstanden, das nun am Dienstagmittag mit der obligatorischen Trainerrunde im kleinen Medienkreis quasi halboffiziell eingeweiht worden ist. Martin Schmidt, der die Hintergrundgespräche mit den Journalisten bislang meist direkt am Trainingsplatz geführt hatte, plaudert nun in den neuen Räumlichkeiten über die anstehenden Themen.

Plauderstunde mit Martin Schmidt im neuen Medien-Zentrum bei Kaffee und Schnittchen. Foto: Jörg SchneiderNatürlich standen zum Wochen-Trainingsstart und zum Auftakt der Vorbereitungen auf das mit Spannung erwartete Derby am Samstag gegen Eintracht Frankfurt noch einmal die Erkenntnisse aus dem 0:0 beim 1. FC Köln auf dem Plan. Der 05-Trainer hat sich mit seiner Crew dem Auftritt in Müngersdorf noch einmal intensiv genähert, Stärken und Schwächen herausgearbeitet sowie Erkenntnisse für die tägliche Arbeit übernommen.

„Ich fand das Spiel vom taktischen Ansatz spannender als wahrscheinlich die Zuschauer“, sagte der 48-Jährige. „Wir haben die Partie eingehend analysiert. Wir schauen uns nicht das normale Fernsehbild an, sondern eine speziell geschnittene Aufnahme. Da guckst du anders drauf, neutraler.“ In weiten Teilen deckte sich der Rückblick jedoch mit den Eindrücken, die der 05-Coach bereits unmittelbar nach der Begegnung gewonnen hatte. „Nach einer Viertelstunde hatten wir das Ding im Griff. Da hatten die bis zur Pause keinen Torschuss mehr und wir etliche gute Ansätze mit Chancen. Nach dem Wechsel hatten wir zwei, drei gute Möglichkeiten. Die, in der Jairo verzieht, wo Yunus Malli von der Grundlinie nach innen zieht und Pablo De Blasis nicht findet, und die, in der Yunus knapp rechts vorbei legt. Das war so in der 55. Minute. Bis dahin waren wir eigentlich eher auf dem Weg zum Dreier.“

Dass daraus nichts wurde, habe daran gelegen, dass die Mannschaft sich in einen zu offenen Schlagabtausch habe verwickeln lassen. „Da standen wir nicht mehr so sauber in den Räumen und haben ihnen plötzlich Chancen ermöglicht. Auch damit haben wir uns noch einmal auseinander gesetzt. Ganz klar, wir hatten zu viele Ballverluste in dieser Phase. Das müssen wir abstellen.“ Verbesserungswürdig sei ebenso das eigene Umschaltspiel, das nicht mit der Effizienz funktioniert hatte, die sich Schmidt vorstellt. „Der Spielaufbau selbst in Köln war gut, das hat mir gut gefallen, da hatten wir in vielen Phasen Ballsicherheit, aber im letzten Drittel Probleme mit der Konzentration. Ich denke da an die Szenen, in denen wir vier gegen drei oder drei gegen zwei gehen, und an der Box fehlt der letzte zündende Pass.“

Solide Spielweise und Punktgewinne

Prinzipiell sei es jedoch wichtig gewesen, nach den verlorenen Spielen im Oktober Kontinuität in die Ergebnisse reinzubringen. „Nach dem Bremen-Spiel haben wir uns das ganz klar als Handlungsziel vorgenommen, dass in den kommenden Begegnungen wieder mal ein zu Null drin sein muss. Ich glaube, dass wir nun zweimal zu Null gespielt haben, darf man schon herausstreichen. So, wie man ja auch das herausstreicht, wenn du in zwei Spielen nacheinander drei Gegentore kriegst.“ Schmidt erkennt darin einen gewissen Reifeprozess. „Man merkt extrem, dass man nachher wirklich sieht, auf was man speziell den Fokus gelegt hat. Das, was du dir im Training vornimmst, kannst du nachher auch sehen. Wenn du dich nach vielen Gegentoren wieder aufs Defensivverhalten einschwörst und das zwei Wochen lang intensiv bearbeitest, geht das nachher zunächst immer ein wenig auf Kosten der Offensive“, erklärte der 05-Trainer. „Wenn du die ganze Woche Offensivabläufe und den Spielaufbau über die Zonen mit Abschluss aufs Tor trainierst, kann es nachher im Spiel schon mal passieren, dass es dann plötzlich wieder an den defensiven Sachen etwas hapert.“ Die Kunst ist also, die richtige Balance zu finden.

Seit den nicht so guten Ergebnissen der vorangegangenen Wochen, liegt der Fokus im Training am Bruchweg eindeutig auf einer eher sicheren, soliden Spielweise und Punktgewinnen. „Das haben wir erreicht. Dass wir vorne kein Tor geschossen haben, hat wahrscheinlich zum Teil auch damit zu tun, dass unser Zentrum mit Yoshi Muto, Yunus Malli und Julian Baumgartlinger vorher zum Teil intensiv im Einsatz und angeschlagen war. Und Muto dann noch um die halbe Welt geflogen ist. Da war nicht die ganz große Frische drin.“ Das sei kein spezifisches Mainz-Problem, sondern etwas, mit dem sich auch andere Mannschaften hätten herumschlagen müssen. „Solche Länderspielphasen und dann noch zusätzlich dieser spezielle Ansatz in der vergangenen Woche nach den Terroranschlägen, das geht im allgemeinen nicht spurlos an den Spielern vorbei“, sagte Schmidt. Wenn der Kader am Freitag erstmals wieder miteinander trainieren könne, sei es schwierig, am Wochenende die komplette Konzentration hinzukriegen.“

Das ist in dieser Woche anders. Der 05-Trainer kann sich mit einem personell gut aufgestellten Kader auf die Partie gegen die Eintracht vorbereiten und die Belastungssteuerung dabei so auspendeln, dass die 05er am Samstag frisch, hochkonzentriert und mit der nötigen Derby-Mentalität ans Werk gehen, um den eigenen Fans einen Sieg im prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell zu schenken.

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