Schmidt: „Es macht Spaß, euch zu knechten“

Jörg Schneider. Evian.
Die zahlreichen Urlauber an den Ufern des Genfer Sees genießen das herrliche Wetter und suchen Abkühlung von der Hitze mit einem Bad im klaren Wasser. Die Fußballprofis des FSV Mainz 05 quälten sich dagegen am fünften Tag ihres Trainingslagers in Evian gleich zweimal intensiv auf dem Rasen des Stade Camille Fournet. Das allerdings auf einem beachtlichen Niveau in den einzelnen Trainingsformen. Es sieht gut aus, was die 05er da in Frankreich treiben. Und auch der Trainer ist zufrieden. „Es macht Spaß euch zu knechten, ihr geht da richtig gut mit“, sagte Martin Schmidt zu seinen erschöpften Spielern.

Auf der Terrasse des Teamhotels hoch oben über dem Genfer See plauderte Martin Schmidt über die Fortschritte seines Kaders im Trainingslager. Der 05-Trainer ist angetan von der Arbeit der Profis. Foto: Daniel BongartzDas Thermometer kletterte schon am späten Vormittag über die 35-Grad-Marke. Doch für die Profis des FSV Mainz 05 gab’s kein Pardon. Der Dienstag, der fünfte Tag im Trainingslager in Evian am Genfer See, hatte es in sich. Kein Fitzelchen Schatten für die hart arbeitenden Fußballer, aber zwei intensive und lange Trainingseinheiten in sengender Sonne im Stade Camille Fournet. Da wird das anschließende Eintauchen in die Eistonne zur Erfüllung aller Träume.

Der Regenerationstag am Montag, an dem den 05ern das Spiel auf dem Rasen erspart geblieben war, schien gut getan und neue Kräfte mobilisiert zu haben. Denn das Niveau, auf dem das Team bereits in der Vormittagseinheit die Trainingsformen bestritt, war äußerst ansprechend, trotz des ausgedehnten Umfangs. „Am Anfang habe ich gesagt, wir machen 100 Minuten, es sind dann aber doch 110 geworden“, sagte Martin Schmidt nachher. Was stand auf dem Programm? Abkippverhalten in der Defensivorganisation, Pressing, Umschaltverhalten. „Wir sind in der vierten Woche, da wird jetzt alles schnellkräftiger“, erklärte der Trainer. „Jetzt kommt verstärkt Pressing und Balljagd hinein in die Spielformen. Alle sind immer taktisch gefordert. Da kannst du dich nicht wegschleichen. Das ist hochintensiv.“

Der Schweizer lobte seinen Kader dann auch noch auf dem Platz entsprechend. „Ich habe den Jungs gesagt: Es macht Spaß euch zu knechten. Ihr geht da richtig gut mit“, sagte Schmidt lachend. Vor dem zweiten Arbeitsgang am Nachmittag stand zunächst eine Videostunde an. „Wir zeigen Inhalte in der Defensivarbeit. Und auch Bilder vom 1:1 gegen St. Etienne. Da zeigen wir das Kettenverhalten auf, Blockverhalten, Anlaufverhalten. Sehr viel taktisches Zeugs.“

Der Sinn der ganzen Maloche in diesen Tagen in Frankreich ist, dem Team Mechanismen einzutrichtern, die situativ abrufbar sind, wenn es ins Spiel geht. „Die Mannschaft braucht sehr viele eingefleischte Automatismen“, sagt Schmidt. „Die müssen einfach reingehauen werden. Was du jetzt in diesem Bereich nicht machst, kannst du das ganze Jahr lang nicht mehr aufholen.“ Dazu gehört auch die Grundlagenausdauer in der Vorbereitung. Der Schweizer hat das Pensum ständig gesteigert. „Wir sind jetzt bei einer Laufleistung von 70 bis 75 Kilometer“, rechnet der Coach vor. „Das heißt, jeder ist so rund sieben Kilometer pro Einheit gelaufen. Doch das ging fast alles mit dem Ball und in Spielformen.“ Der Vorteil daran: Diese Art der Konditionsschulung ist sehr viel fußballnäher als das frühere reine Konditionsbolzen.

Arbeit auf beachtlichem Level

Und diejenigen, die später eingestiegen sind, kommen nach und nach auf das Niveau der Gruppe heran. In den Trainingsformen fällt dann auf, dass im Kader fußballerisch keiner abfällt. Das steigert die Qualität. Der Konkurrenzkampf ist voll und ganz entfacht. Der Kampf ist hart, weil alle konzentriert arbeiten und viele Stärken einbringen. Das drückt sich nicht in besonderer Härte aus, mit der sich die Profis begegnen, sondern in hochwertiger Ball- und Taktikarbeit auf einem schon beachtlichen Level.

Julian Baumgartlinger trainiert nach seinen Adduktorenproblemen wieder mit dem Team. Niki Zimling durfte am Morgen aus Schonungsgründen pausieren, war aber am Nachmittag wieder dabei. Pierre Bengtsson joggte seine Runden um den Platz und soll morgen eventuell wieder mittrainieren. Pechvogel Ja-Cheol Koo, der zuletzt verletzt ausgefallen war, musste einen weiteren Tag wegen Magenproblemen aussetzen.