Schmidt: Start mit Leidenschaft, Emotion und Prinzipien

Jörg Schneider. Mainz.
Am Fastnachtsdienstag hat eine neue Zeitrechnung begonnen beim FSV Mainz 05: Martin Schmidt leitete am Vormittag erstmals als Cheftrainer zusammen mit seinem neuen Assistenten Bo Svensson eine Arbeitseinheit der Bundesliga-Profis am Bruchweg. Am Mittag dann präsentierte der Klub in einer Pressekonferenz den 48-jährigen, bisherigen Coach des Drittligateams der 05er als Nachfolger des am Rosenmontag entlassenen Kasper Hjulmand.

Erster Auftritt des neuen Cheftrainers Martin Schmidt und dessen Assistenten Bo Svensson (links) auf dem Trainingsplatz. Foto: Jörg SchneiderAm Dienstagmorgen sprach Christian Heidel in einer Mannschafts-Sitzung vor dem Trainingsstart zu den Profis des FSV Mainz 05 und teilte den Spielern mit, dass sich der Bundesligist vom bisherigen Cheftrainer Kasper Hjulmand getrennt habe und Martin Schmidt mit der Aufgabe betraue, die 05er in den verbleibenden 13 Bundesligaspieltagen aus dem Abstiegskampf zu führen. Der 48-Jährige, der bisher die U23 des Vereins in der Dritten Liga gecoacht hat, absolvierte dann eine fast zweistündige, intensive Trainingseinheit mit seinem neuen Team.

Schon auf dem Platz vermittelte der Fußballlehrer aus der Schweiz, wie er dieses schwierige Unterfangen anzugehen gedenkt. Schmidt trainierte mit den 05ern ausschließlich solche Themen wie Balleroberung, Pressing, Defensivordnung, Intensivzweikämpfe mit Power, Tempo und bedingungslosem Laufeinsatz.

Mit Engagement und Leidenschaft bei der Arbeit: Martin Schmidt. Foto: Jörg SchneiderDer neue 05-Cheftrainer, der, wie der 05-Manager betonte, kein Interimstrainer ist, ging persönlich mit großer Leidenschaft voran an die Arbeit, unterbrach immer wieder die Aktionen, korrigierte, erklärte und sorgte gleich zum Auftakt für gewaltigen Zug im ganzen Auftreten der Mainzer Fußballer. Genauso präsentierte sich Schmidt auch in der Pressekonferenz am Mittag, in der die 05er den Nachfolger des am Rosenmontag entlassenen Kasper Hjulmand vorstellten.

Schmidt selbst musste allerdings Einschränkungen in seinem ersten Auftritt machen, sowohl auf dem Platz als auch im Gespräch. „Ich bin ein lauter Trainer“, krächzte der Coach, dessen Stimme gelitten hatte. Nicht wegen der Fastnacht, wie er betonte, „sondern ich war am Freitag in unseren Spiel gegen den BVB wohl zu laut. Das Training heute hat meiner Stimme den Rest gegeben.“ Am Freitag hatte die U23 der 05er am Bruchweg ein 0:0 gegen Borussia Dortmund erreicht. Die letzte Amtshandlung Schmidts als Trainer des Drittligateams.

Martin Schmidt ist kein Unbekannter für die Profis. Der Trainer, seit fünf Jahren im Verein, kennt die Mannschaft, war sowohl unter Thomas Tuchel, Schmidts Mentor, als auch unter Hjulmand in viele Arbeitsabläufe integriert. „Die Vertrautheit mit der Mannschaft und allem ist da. Ich wohne seit Jahren in dieser Stadt. Ich lebe hier, habe Mainz aufgesogen und versuche das zu leben“, sagte er. „Ich war in vieles eingebunden und habe den Vorteil, nicht bei null anfangen zu müssen. Ich weiß genau, wo wir hinwollen, wo ich reinstochern muss.“

Martin Schmidt findet Gehör bei den 05-Profis. Foto: Jörg SchneiderDie Attribute, über die das Team verfüge, zu schärfen, die Mannschaft vom Zügel zu lassen. Das sei eine seiner Aufgaben. „Wir brauchen in den nächsten Wochen Emotionalität, Leidenschaft, Feuer. Dazu braucht es den richtigen Stil. Wir wollen Pressingfußball spielen, Angriffsfußball. Wir müssen die Sinne schärfen für unsere Grundprinzipien“, sagt Schmidt. „Wir brauchen eine saubere Ordnung auf dem Platz. Nachvorneverteidigung. Pressing und Umschalten. Ordnung. Absicherung. Das alles ist im Team drin. Die Mannschaft kann das. Der Großteil dieses Team hat das in den letzten Jahren ausgelebt. Und ich weiß, dass ich es schnell hinkriegen muss. Wir werden jede Sekunde auf dem Platz dafür nutzen, alles aufzufrischen alles aufwühlen und das Ganze emotionalisieren.“

Christian Heidel über die Hjulmand-Beurlaubung - hier steht's

Er sei natürlich von der Art von Thomas Tuchel angesteckt. „Aber der Mainzer Weg, die Art Fußball zu spielen, ist viel früher entstanden“, sagt Schmidt. Diese Philosophie sei Wolfgang Frank, sei Jürgen Klopp, sei Tuchel. Genau das wolle er leben. „Ich glaube an diese Philosophie. Mein Weg ist sicherlich ähnlich, aber ich bin ein eigenständiger Trainer hier, da kommen auch Dinge von mir dazu. Da gibt es keine Kompromisse. Diese Leidenschaft hat auch mich immer getrieben.“

Schmidt arbeitet im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit einem verkleinerten Trainer-Team. „Bo Svensson wollte ich unbedingt dabei haben“, sagt der 48-Jährige. Dazu Stephan Kuhnert, die Athletiktrainer, das Physioteam. „Das alles lassen wir so. Wir wollen alles hier schärfen. Das ganze Funktionsteam schärfen. Wir sind jetzt etwas kleiner aufgestellt, etwas kompakter, aber das muss ja nicht schlechter sein.“

Der 05-Manager erklärte im Übrigen, er habe mit keinem anderen, externen Trainer gesprochen. „Uns war völlig klar, dass es nur um Martin Schmidt geht. Wir sind sehr überzeugt von ihm.“ Heidel glaubt, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Nach den Ergebnissen wäre es vielleicht besser gewesen, diesen Schritt bereits in der Winterpause zu gehen. Das war uns aber zu früh. Wir haben gehofft, dass wir es mit Kasper drehen und regeln können. In Mainz trifft man eine solche Entscheidung nicht so schnell.“ Es gehe einzig und alleine darum, Mainz 05 in der Bundesliga zu halten. „Wir werden leider nie beweisen können“, so der Manager, „ob es mit Kasper Hjulmand nicht auch funktioniert hätte.“

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