Schmidt: Voll getroffen und jederzeit wieder

Jörg Schneider. Colorado Springs.
Martin Schmidt hat vor der Rückreise des FSV Mainz 05 aus den USA noch einmal die Woche in Colorado Springs Revue passieren lassen und ein durchweg positives Fazit gezogen. „Ich bin nach dieser Woche schon sicher, dass wir eine gute, homogene Truppe haben, mit der wir schnell wieder auf einem guten Level loslegen konnten. Ich glaube da kommt schon rüber, was das Team auch dies Jahr wieder auszeichnen wird“, sagte der 05-Trainer, der auch hinsichtlich der repräsentativen Aspekte in der Fußball-Diaspora USA sehr zufrieden war mit dem Gesamtauftritt seines Kaders war und betonte, dass er ein solches Trainingslager jederzeit wieder absolvieren würde.

Martin Schmidt im Kreis seiner Trainercrew im Stadion der Air Force Academy in Colorado Springs: Der 05-Coach zog ein durchweg positives Fazit der Woche in den USA und betonte, dass er diesen Trip mit der Mannschaft jederzeit wieder machen würde. Foto: Jörg SchneiderDer FSV Mainz 05 hat mit seinem Betriebsausflug in den Südwesten der USA in vielen Bereichen Neuland betreten. Fußballerisch sind weite Teile der Staaten ein Dritte-Welt-Land. Der Bundesligist hat versucht, seine Philosophie vor Ort zu vermitteln und hat in zwei gewonnenen Testspielen einen guten Eindruck in Colorado Springs hinterlassen, viele Sympathien und neue Freunde erworben. Martin Schmidt hat den kompletten Trip als Erfolg gewertet. Das Fazit der einwöchigen Tour in die Rocky Mountains, das der 05-Trainer vor der Heimreise zog, fiel komplett positiv aus. „Ein Fazit ist sicher, dass man sieht, welche neue Reize ein solches interkontinentales Trainingslager geben kann“, sagte der 49-Jährige. „Sowohl, was die Trainer angeht, das gesamte Funktionsteam, als auch die Spieler. Das sind ganz andere Elemente. Eine andere Zeitzone. Man hat plötzlich weniger Kontakt zur Heimat. Wenn man Zeit hätte, mit der Freundin oder der Familie zu schreiben, schlafen die zu Hause alle. Das gibt auch besondere Einwirkungen auf die Spieler. Das Gute daran war aber vor allem: Man hat gemerkt, dass wir hier kein Ferienlager veranstaltet, sondern harte Arbeit abgeliefert haben“, betonte der 05-Coach. „Dass alle gemerkt haben, jede Einheit wird zusätzlich bissig in dieser Höhenluft. Ich muss sagen: Voll getroffen.“

Auch die Mentalität, die US-Amerikaner und ihre Art kennenzulernen, sei ein wichtiger Punkt gewesen. „Ich glaube, dass sich jetzt jeder wieder daheim auf den Trainingsplatz freut, auf das freut, was daheim gut ist, wo man oft denkt, das könnte alles etwas besser sein. Wenn man dann in der Fremde ist, lernt man auch zu schätzen, was man zu Hause hat. Ich denke, dass wir als Botschafter gut waren. Wir haben dem lokalen Zweitligisten klar gezeigt, was Bundesliga ist. Und auch im zweiten Spiel demonstriert, dass Bundesliga auch Mentalität und Kampf ist. Ich denke, dass wir Deutschland hier gut vertreten haben. Das ist das Feedback, dass ich hier von den Leuten bekommen habe.“ Schmidt ist davon überzeugt, dass Mainz 05 in Colorado beste Werbung für den deutschen Fußball und die Bundesliga gemacht hat. „Dieses Feedback haben wir auch von den amerikanischen Coaches bekommen, mit denen wir gearbeitet haben. Sie haben sich bedankt und gesagt, sie hätten viel Neues gesehen und gelernt. Das ist die Wirksamkeit, die wir erreichen wollten.“

Was man halt merke, wenn Mainz 05 auf Reisen gehe, „wir sind längst noch kein Bayern München. Wenn wir kommen, gibt’s noch keinen Stau auf der Straße oder Hysterie bei den Fans. Für uns aber war das der erste Schritt. Der nächste kann kommen“, sagte der Schweizer. „Wir sind jetzt dran, uns bekannt zu machen. Wenn ich sehe, wieviel Leute hier jetzt in Colorado Springs in 05-Shirts rumgelaufen sind. So viele sehe ich bei uns in den Trainings nicht. Auch da haben wir Wirkung erzielt. Ich kann nur sagen: Jederzeit nochmal. Auch die Spieler hatten richtig Bock auf etwas Neues. Das haben sie so noch nicht gekannt. Das hat auch im Team ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschürt. Also noch einmal: Jederzeit wieder.“

Eine ideale Geschichte

Und auch der sportliche Wert der Reise hat für den 05-Trainer gestimmt. Der 49-Jährige sprach von einem sehr guten Trainingslager. „Deshalb sage ich, es war eine ideale Geschichte so früh in der Saison“, erklärt der Mainzer Fußballlehrer. „Ich möchte so etwas nicht drei Wochen vor der Meisterschaft machen, aber ich glaube sieben Woche vor dem Start war dies ein optimaler Reiz mit zusätzlicher Motivation.“ Der Bundesligist arbeitete in Colorado Springs hart im Grundlagenausdauer-Bereich, vergaß dabei jedoch nie die Arbeit mit dem Ball und ging schon in einem frühen Stadium der Vorbereitung in die Prinzipien rein, die das Mainzer Spiel ausmachen und auch in der neuen Saison prägen sollen. „Ich bin nach dieser Woche schon sicher, dass wir eine gute, homogene Truppe haben, mit der wir schnell wieder auf einem guten Level loslegen konnten. Wir konnten direkt wieder an unseren Automatismen arbeiten. Wir haben diese Automatismen im ersten Spiel gegen die Switchbacks gesehen. Als wir noch frisch waren, hat man gemerkt, dass die wieder hinhauen. Drei, vier wunderschöne Tore, gute Tempo-Angriffe. Das sah gut aus.“ 6:0 gewannen die Mainzer gegen den US-Drittligisten, der sowohl von der technischen Qualität als auch vom Tempo der deutschen Mannschaft überfordert war.

„In dem anderen Spiel gegen die Leones Negros haben wir gezeigt, dass wir schon wieder verteidigen können und auch in der Mentalität recht weit sind“, so Schmidt. Nach 90 Minuten behaupteten die 05-Profis ein Unentschieden, gewannen später im Elfmeterschießen den als Colorado Cup deklarierten Pokal gegen den guten, spielstarken mexikanischen Zweitligisten. „Auch wenn es schwer wird, wenn‘s fehlerhaft wird, zusammenstehen. Nicht eingehen mit vier fünf Toren gegen einen frischeren und deshalb über Phasen spielerisch besseren Gegner, sondern in der Organisation und Mentalität drin bleiben und am Schluss sogar noch ein dermaßen schweres Spiel gewinnen. Die Testspiele haben mich voll überzeugt“, sagt der 05-Trainer. „Die Spieler haben mich ziemlich überrascht in Sachen Kraft-Ausdauer. Und vom Training her muss ich sagen, wir haben unheimlich gut trainiert. Jede einzelne Einheit war gut. Man hat am Ende gesehen, der strengste Teil des Trainings macht plötzlich noch Spaß. Ich glaube da kommt schon rüber, was das Team auch dies Jahr wieder auszeichnen wird“, lobte der Schweizer seine Leute.

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