Schmidts heftige Kritik am Schiri

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Der gute Auftritt des FSV Mainz 05 bei Hertha BSC Berlin hätte einen Punkt verdient gehabt. Einen der Gründe dafür, dass es am Ende jedoch eine 1:2-Niederlage beim Tabellendritten wurde, sah der 05-Trainer in der Leistung von Schiedsrichter Guido Winkmann, der den Mainzern einen Elfmeter verweigerte und Jean-Philippe Gbamin mit Gelb-Rot vom Platz schickte. „Ich glaube, das Trio wird in der Kabine sitzen und merken, dass es ein Spiel verpfiffen oder zumindest aus einem Unentschieden-Spiel einen Sieg für den Gegner gemacht hat“, fand Martin Schmidt erstmals ungewöhnlich harte Worte für den Unparteiischen und dessen Gespann.

Martin Schmidt gehört nicht zu der Sorte von  Bundesliga-Trainern, die während eines Spiels an der Seitenlinie den Disput suchen und pflegen mit dem vierten Offiziellen oder permanent Entscheidungen des Schiedsrichters kommentieren und kritisieren. Auch für harsche Schiri-Schelten nach einer Partie ist der Schweizer nicht bekannt. Im Berliner Olympiastadion platzte dem 49-Jährigen jedoch der Kragen. Schmidt übte heftige Kritik an Guido Winkmann und dessen Gespann. „Ich mache das nach 59 Bundesliga-Spielen als Trainer jetzt zum ersten Mal“, sagte Schmidt nach der 1:2-Niederlage des FSV Mainz 05 bei Hertha BSC. „Ich glaube, das Trio wird in der Kabine sitzen und merken, dass es ein Spiel verpfiffen oder zumindest aus einem Unentschieden-Spiel einen Sieg für den Gegner gemacht hat“, fand der Coach ungewöhnlich harte Worte für den Unparteiischen und dessen Gespann.

Später legte der Mainzer Trainer noch nach. „Ich finde es komplett unnötig, dass ein Schiri so dermaßen in ein Spiel eingreift und ein normales Fußballspiel derart von außen beeinflusst. Wenn hinterher beide Trainer einen Hals haben, kann da was nicht stimmen.“ Winkmann habe von Anfang an „mit Gelb rumgefuchtelt. Irgendwann muss man dann für Allerweltsfouls Rot ziehen und zwei Platzverweise aussprechen, die keine waren.“ Emotional ist die heftige Kritik nachvollziehbar, inhaltlich geht sie an diesem Punkt jedoch ins Leere: Die erste Gelbe Karte zog Winkmann erst in der 30. Minute (Gbamin, berechtigt), die zweite in der 58. Minute (Ibisevic, berechtigt), insgesamt kam der niederrheinische Polizist mit fünf Karten aus, die sich zu zwei Platzverweisen addierten.

Gelb-Rot für den Berliner Spielentscheider Vedad Ibisevic nach einem taktischen Foul an Pablo de Blasis war dabei sicherlich berechtigt, der Platzverweis für Jean-Philippe Gbamin jedoch nicht. Der 05-Sechser hatte sich in der ersten Hälfte zurecht die gelbe Karte eingefangen, als er einen Hertha-Konter in Person von Haraguchi unfair stoppte. Die Grätsche des Franzosen in der 62. Minute ebenfalls mit Gelb - und in der Summe also mit dem Platzverweis zu bestrafen, war dagegen völlig überzogen. Ibisevic nutzte prompt die Unordnung im dezimierten 05-Gefüge zum Siegtreffer für die Berliner im Olympiastadion. Wobei sich die Mainzer zumindest in der Entstehung dieses Treffer den Vorwurf gefallen lassen müssen, genau wie bei Ibisevics Ausgleichstor vor der Pause, nicht konsequent genug verteidigt zu haben. Nicht so konsequent, wie das Team dies ansonsten in dieser Partie hinkriegte. Die Frage, ob es in dieser Szene, in der die 05er mehrmals dazwischen gingen, den Ball aber nicht entscheidend wegbekamen, mit elf Mann und damit einem Sechser mehr besser funktioniert hätte, steht natürlich im Raum, lässt sich aber nur spekulativ beantworten.

Genki Haraguchi und Gaetan Bussmann lieferten sich einige harte Zweikämpfe auf dem gemeinsamen Flügel. In der 49. Minute hätte es einen Elfmeter für den Mainzer geben müssen, Guido Winkmann stand günstig, merkte es aber nicht und brachte Martin Schmidt so auf die Palme. Foto: imagoWas den 05-Trainer jedoch am meisten auf die Palme brachte, war die Situation in der 49. Minute. Da entschied sich Gaetan Bussmann in aussichtsreicher Situation im Strafraum noch einmal auf den jungen Mittelstürmer Aaron Seydel zu passen. Dabei attackierte Haraguchi den Mainzer Linksverteidiger und fällt ihn. „Wenn diese Attacke auf Bussmanns Spielfuß kein Elfmeter war, dann war das heute auch kein Fußballspiel“, schäumte Schmidt nachher. Ein Strafstoß in dieser Situation hätte bei der Sicherheit und Stärke von Yunus Malli vom Elfmeterpunkt aus, mit großer Wahrscheinlichkeit die erneute Führung für die 05er bedeutet. „Diese Führung hätten wir gebraucht, um hier etwas mitnehmen zu können“, sagte Schmidt. „Wir hätten einen Punkt verdient gehabt. So haben wir nichts und können nur eine insgesamt gute Leistung mitnehmen.“

Der Frust des Trainers ist verständlich, denn dessen Team war in diesem Spiel wirklich nicht gerade vom Glück verfolgt. Mallis präziser und hart geschossener Freistoß in der Schlussphase erreichte der Hertha-Schlussmann noch mit den Fingerspitzen und lenkte den Ball ans Lattenkreuz. Den Brachialschuss von André Ramalho in der Nachspielzeit ließ der Keeper fallen, bei Niko Bungerts gedankenschnellem Nachsetzen klärte Brooks noch vor der Linie. Und auf der anderen Seite führte ein zu kurz und zum Gegner abgewehrter Kopfball von Leon Balogun sofort zum Ausgleichstreffer, ein verlorenes Kopfballduell von Giulio Donati gegen Salomon Kalou und der Rettungsversuch von Jonas Lössl zum Billardtor von Ibisevic beim Siegtreffer. Sehr viel mehr hatte die Hertha im Angriff auch nicht zu bieten.

Die 05er allerdings ebenfalls nicht – trotz aller Bemühungen. Doch wie schon in Saint-Etienne fehlten den Mainzern die genaueren Anspiele und die Überzeugung im Angriff. Schmidt kritisierte vor allen Dingen in der ersten Halbzeit das ungenaue Spiel seiner Mannschaft nach vorne und die unnötigen Fehlpässe in der Offensive. Dazu kam, dass Yunus Malli weitgehend unauffällig blieb, dem Offensivspiel kaum Impulse gab. Dennoch war der Gesamteindruck gut, den die 05er beim Tabellendritten hinterließen. Die Organisation stimmte, die aggressive und hoch aufgestellte Vorwärtsverteidigung nahm dem Berliner Ballbesitz die Räume, hielt den Gegner weitgehend fern vom Strafraum und eröffnete Umschaltmöglichkeiten. Vom etwaigen Frust nach dem Ausscheiden im Europapokal war nichts zu spüren, die Mainzer wirkten körperlich topfit und energisch im Zweikampfverhalten.

„Ich stelle mich total vors Team und kann ihm nur eine Leistung auf einem Niveau bescheinigen, dass wir so brauchen“, sagte Schmidt. „Am Ende einer Englischen Woche war die Mannschaft noch einmal bereit und hat sehr viel Mentalität, eine große Laufleistung und Power gezeigt. Was ich da gesehen habe, hat mir gefallen. Das Team hat bis zum Schluss gefightet, um einen Punkt, den wir verdient hatten.“

So aber kassierten die 05er ihre vierte Niederlage im siebten Auswärtsspiel und belegen nun mit 17 Punkten Platz neun in der Tabelle. Schon am Freitagabend geht’s weiter mit dem Heimspiel gegen den FC Bayern München in der Opel Arena. „Wir nehmen eine gute Performance aus Berlin mit. Wir sind für das Bayern-Spiel gewappnet. Da werden wir noch etwas frischer sein als heute. Und wenn wir noch etwas frischer sind, dann glaube ich, liegt auch da ein Punktgewinn drin“, sagte Schmidt zuversichtlich.

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