Schon gewusst...

Christian Karn. Mainz.
Die Bundesliga produziert fast jede Woche eine Flut an Daten, Zahlen, Statistiken und Geschichten; Belangloses und Weitreichendes. Auch wir von der nullfünfMixedZone halten alles fest, was uns merk-würdig erscheint und sammeln an jedem Spieltag alle möglichen interessanten Fakten rund um den FSV Mainz 05​: Bemerkenswerte Personalien, kuriose Kleinigkeiten, Rekorde und Jubiläen. Heute im Angebot: torreiche Unentschieden, torreiche Spielhälften und ein torreiches Jubiläum.

...dass das 4:4 gegen Hoffenheim nicht das höchste Mainzer Unentschieden war?

Eins der höchsten immerhin, das fünfte dokumentierte 4:4.

Das erste liegt über 80 Jahre zurück und ist zugleich eins der am schlechtesten dokumentierten 05-Spiele seiner Zeit. Klar ist, dass Hassia Bingen damals, am 10. November 1935, zur Halbzeit 4:2 führte. Offenbar war beim Mainzer Anschlusstor Herbert Burkhardts zum 1:2 (29. Minute) und beim 4:2 des ehemaligen 05ers Otto Engel der Ball gar nicht hinter der Linie, offenbar schoss Hans Grünewald das zweite Mainzer Tor, offenbar brachte ein überforderter Schiedsrichter Hektik und übertriebene Härte ins Spiel, offenbar regte sich der Kollege auf den Presseplätzen am Hessenhaus dermaßen auf, dass er es versäumte, den dritten und vierten Mainzer Torschützen zu erwähnen. Und wann die Tore fielen.

Noch in der gleichen Saison gab es auch im Fort Bingen - also in Mainz - das erste Heim-4:4. Hans Kroh (1:0, 21.), Philipp Schildge (2:2, 35.), Jakob Schneider (3:4) und Clemens Weilbächer (4:4, 85.) schossen am 26. Januar 1936 die 05-Tore im Mainzer Derby gegen TuRa 1886/06 Kastel.

Auch das dritte 4:4 am 26. November 1972 war ein Derby in einer inzwischen viel großräumigen Spielklasse, der Regionalliga Südwest. Herbert Renner (5.) und nach dem schnellen Ausgleich Herbert Scheller (17.) und Manfred Kipp (53.) hatten die 05er 3:1 in Führung gebracht, aber Wormatia Worms drehte das Ergebnis von der 71. bis zur 80. Minute zum 3:4. Gerd Klier rettete den 05ern in der 85. Minute den Punkt.

Vier Tage und 29 Jahre dauerte es bis zum vierten 4:4, einem turbulenten Zweitligaspiel im strömenden Regen gegen den MSV Duisburg. Blaise Nkufo schoss in der sechsten Minute das 1:0 für die Mainzer, der MSV wiederum ging in der 64. Minute 3:1 in Führung (und vor jenem Elfmeter hätte Dimo Wache durchaus Rot sehen müssen). Sandro Schwarz (72.), noch einmal Nkufo (78.) und Manuel Friedrich (87.) drehten die Partie wieder zurück. Und in der letzten Minute spielte Andrey Voronin jenen verhängnisvollen Fehlpass auf Pavel Drsek, der das 4:4 schoss. Die Tribünenstimmung der Partie ist auf der Fan-CD "Auf die 12" gut überliefert.

Einmal aber gab es ein noch höheres Unentschieden als 4:4. Zweimal sogar, wenn man das 5:5 in Chemnitz vor zwei Jahr mitrechnet, aber damals hatten die Spieler 120 Minuten Zeit für ihre zehn Tore; nach 90 Minuten stand es nur 3:3. Um das höchste Unentschieden zu finden, müssen wir zurückblättern zum 7. April 1929. Der SV Waldhof war damals zu Gast in Mainz bei einem Spiel mit Torfolge 1:0 Dr. Toni Brandel (6.), 2:0 Jakob Schneider (12.), 3:0 Hirsch (18.), 3:1 Zinn (19.), 4:1 Hirsch, 4:2 Zinn, 4:3 Pennig, 5:3 Schneider (44.), 5:4 Zinn (46.), 5:5 Pennig (48.), 5:6 Decker (78.), 6:6 Schneider (80.).

...dass Pablo de Blasis gestern sein Jubiläum mit drei direkten Torbeteiligungen gekrönt hat?

Da war die Laune der Mainzer noch gut: Mit zwei Toren und einer Vorlage war Pablo de Blasis bis zur Auswechslung in der 61. Minute einer der Topspieler des zweiten Spieltags.Überhaupt ist es ein herausragender Saisonstart des kleinen Argentiniers. In drei Pflichtspielen (und 185 Spielminuten) hat de Blasis zwei Tore geschossen, drei vorbereitet und den ersten Mainzer Versuch im Hachinger Elfmeterschießen ins Tor gebracht. Es ist die dritte Mainzer Saison des Dribblers, die zweite komplette - 2014 kam er ja erst nach dem Europapokal-Aus, das er als Mittelstürmer von Asteras Tripolis selbst verursacht hatte. Und weil es damals lange dauerte, bis de Blasis sich an die Bundesliga gewöhnt hatte, weil er auch seither nie ein kompletter Stammspieler war, meistens irgendwann ein- oder ausgewechselt wurde, aber manchmal auch gar nicht mitspielte, war die Partie gegen Hoffenheim erst sein 50. Pflichtspiel für die 05er.

Und wenn vielleicht auch nicht sein allerallerbestes, dann zumindest sein effektivstes. Bei seinem zweiten Startelfeinsatz gegen den SC Paderborn 07 bereitete de Blasis die beiden Tore von Yunus Malli vor und schoss selbst das 3:0, war dabei 90 Minuten auf dem Platz, ebenso beim 4:2 gegen den FC Augsburg vor einem halben Jahr, bei dem er zum 2:1 und zum 3:2 traf. Vor zwei Wochen in Dortmund reichte ein Einsatz von vier Minuten (plus Nachspielzeit), um dem nur etwas früher eingewechselten Yoshinori Muto das 1:2 auf den Kopf zu flanken. Gegen Hoffenheim stellte de Blasis nun bis zu seiner Auswechslung in der 61. Minute mit zwei Toren und einer (vielleicht etwas zufälligen) Vorlage einen neues persönliches Topergebnis in der Bundesliga auf.

...dass Levin Öztunali der 74. Mainzer Bundesliga-Torschütze ist?

Profiteur der vielleicht etwas zufälligen Vorlage war der, der die Chance bereits eingeleitet hatte, der de Blasis 20 Minuten vorher schon das 2:0 aufgelegt hatte: Levin Mete Öztunali, der damit binnen einer guten Woche zum zweiten Mal traf, einmal für die U21-Nationalmannschaft beim 3:0 gegen die Slowakei und nun im zweiten Spiel für die 05er zum 4:1-Zwischenstand gegen Hoffenheim.

...wie oft die 05er schon in der ersten Hälfte so oft getroffen haben?

Ganz schön oft, genau genommen, meist aber im Amateurfußball. Das 10:0 (4:0) gegen den SV Speicher und das 10:0 (5:0) gegen die SG Ellingen-Bonefeld, das 9:0 (4:0) beim FV Speyer oder die beiden 8:0 (5:0) gegen den SV Trier und den SV Guntersblum sind auf ihre Weise schon spektakulär, aber der Niveauunterschied zwischen den jeweiligen Teams war doch zu beträchtlich, als dass man einen seriösen Vergleich zur Hoffenheim-Partie ziehen könnte. Das 9:0 (5:0) gegen die Sportfreunde Saarbrücken in der alten Oberliga Südwest mit verletzungsbedingter Überzahl ab dem 3:0 kann man schon ernster nehmen. Als höchstklassigen Präzedenzfall gab es bisher das 5:1 (5:0) gegen den Chemnitzer FC am 6. November 1993 mit Toren von Arno Glesius (4.), Jürgen Klopp (5.), Zeljko Buvac (27.), Fabrizio Hayer (37.) und Vlado Kasalo (44.).

Aber fassen wir diese 42 Spiele zusammen, nach Liga sortiert und ohne Rücksicht auf Übersichtlichkeit:

Vorkriegsligen: 7:2 (6:0), 7:1 (6:1), 8:0 (5:0), 6:2 (5:0), 6:1 (5:1), 7:2 (5:2), 6:6 (5:3), 6:1 (4:0), 5:1 (4:0), 4:1 (4:0), 8:2 (4:1), 7:2 (4:1), 2x 6:1 (4:1), 4:2 (4:1), 6:4 (4:2).
Erstklassige Oberliga Südwest (1945-63): 9:0 (5:0), 6:1 (4:0), 4:1 (4:0), 2x 5:2 (4:1), 2x 4:3 (4:2).
Zweitklassige Regionalliga Südwest (1963-74): 8:0 (4:0), 4:0 (4:0), 8:1 (4:1), 5:4 (4:2).
Drittklassige Amateurliga (1976-78): 8:0 (5:0), 9:0 (4:0), 2x 5:0 (4:0), 5:2 (4:2).
Drittklassige Amateur-Oberliga (1978-88, 1989/90): 10:0 (5:0), 5:0 (5:0), 10:0 (4:0), 6:2 (4:0).
2. Bundesliga (1974-76, 1988/89, 1990-04, 2007-09): 5:1 (5:0), 5:0 (4:0), 4:3 (4:0), 4:1 (4:0), 7:1 (4:1).
...und in der Bundesliga nun zum ersten Mal ein 4:4 nach 4:1 zur Halbzeit.

40 Mal reichten vier oder mehr Tore zur Halbzeit zum Sieg. Eine Niederlage gab es nie, vier oder mehr Tore in der zweiten Hälfte wesentlich öfter als 42 Mal, aber bevor wir das nachzählen, sollen die aktuellen Profis das mal wieder schaffen - es wäre das erste Mal seit dem oben erwähnten 5:0 (1:0) gegen den SC Paderborn mit den zwei Vorlagen und dem 3:0 von Pablo de Blasis und das zweite Mal seit einem 4:2 (0:0) in Hoffenheim vor zweieinhalb Jahren. Und die Niederlagen mit vier Gegentore in der ersten Hälfte unterschlagen wir hier sowieso.

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