Schon gewusst...

Christian Karn. Mainz.
Die Bundesliga produziert immer wieder eine Flut an Daten, Zahlen, Statistiken und Geschichten; Belangloses und Weitreichendes. Auch wir von der nullfünfMixedZone halten alles fest, was uns merk-würdig erscheint und sammeln an jedem Spieltag alle möglichen interessanten Fakten, bemerkenswerten Personalien, kuriosen Kleinigkeiten, Rekorde und Jubiläen. Heute im Angebot: Neue Trainer, abgelaufene Flüche, Torjäger in der Abwehr, ein Angstgegner und der früheste Doppelschlag seit vierzig Jahren.

...wie selten eigentlich so frühe, so klare Führungen sind?

Ein frühes Törchen ist ja schnell mal geschossen. Aber zwei? 2:0 nach elf Minuten. Auswärts. In 180 Bundesliga-Auswärtsspielen hatte der FSV Mainz 05 das vor dem Auftritt in Leverkusen noch nie geschafft. 13 Minuten waren bisher der Rekord, 2006 in Bremen, bei jener 2:4-Tragödie mit der schweren Verletzung von Dimo Wache, dann jeweils 17 Minuten 2004 in Wolfsburg, als die 05er nicht nur das Spiel 3:4 verloren, sondern auch ihren den jungen, spektakulären Techniker Mimoun Azaouagh, und 2013 erneut in Bremen. Elf Minuten, das ist in der Bundesliga Vereinsrekord. Und in der zweiten Liga zuletzt 2003 vorgekommen, beim 4:1-Spektakel in der Kölner Stadionbaustelle, wo der FC seit Ewigkeiten kein Spiel mehr verloren hatte.

Um eine noch frühere 2:0-Auswärtsführung zu finden, müssen wir fast 40 Jahre zurückblättern. Werner Orf (5.) und Franz-Peter März (8.) entschieden das Spiel beim FC Rodalben schon in den ersten Minuten. Der liga-übergreifende Vereinsrekord wiederum stammt aus dem Oktober 1963. Beim Ludwigshafener SC schoss Manfred Nehren in der vierten Minute das 1:0. Den Anstoß des LSC fingen die 05er sofort ab, Libero Norbert Liebeck schlug einen langen Ball nach vorn und noch in der gleichen Spielminute erhöhte Vincenz Fuchs auf 2:0. Nehren schoss sogar in der neunten Minute noch ein drittes Tor. Endstand: 4:2.

Zuhause kam so etwas öfter vor. Exemplarisch nennen wir nur die drei schnellsten 2:0-Führungen seit dem ersten Bundesliga-Aufstieg: Jeweils elf Minuten beim 2:1 gegen Hoffenheim im Oktober 2009 (Ivanschitz, 6.; Bancé, 11.) und beim 4:1 gegen Nürnberg im Oktober 2005 (Eigentor, 9.; Auer, 11.) und sogar sechs Minuten gegen Freiburg im Januar 2012 (Choupo-Moting, 3.; Polanski, 6.) - dass es im Pokal gegen den SC Freiburg mal noch schneller ging, weiß keiner mehr, weil alle dieses Spiel verdrängt haben! Nikolce Noveski wiederum gab bekanntlich der Eintracht mal mit zwei Eigentoren ein 2:0 am Bruchweg nach sechs Minuten und drehte das Spiel persönlich.

Die allerschnellste 2:0-Führung der 05er überhaupt war am 3. Dezember 1967 ein Doppelschlag der Tripp-Brüder "Schorsch" und "Charly" in den ersten beiden Minuten - das war auch direkt der Endstand der Partie gegen den SSV Mülheim. Wie wenig selbstverständlich es aber ist, solche Spiele zu gewinnen, zeigten die 05er am 27. März 1994, als sie durch zwei Tore von Uwe Wegmann am Bruchweg gegen den VfL Bochum nach zwei Minuten 0:2 zurücklagen. Und das Spiel gewannen.

"Und schießt bei uns der Sportverein am Sonntag mal e Dor, steht alles uffem Kopp, denn das kommt selten vor", sang der große Ernst Neger vor einem guten halben Jahrhundert. Am Samstag waren's sogar zwei - die vierfarbbunte Humba aber sagte Jonas Lössl an, der am anderen Ende des Spielfelds so etwas verhindert hatte. Foto: imago

...was aus dem Fastnachtsfluch geworden ist?

Vermissen wird ihn bei Mainz 05 keiner. Aber er war sowieso nur eine vorübergehende Episode, der "Fastnachtsfluch", der vor allem eines verrät: Wer vor ihm Angst hat, wurde bei den 05ern um den ersten Bundesliga-Aufstieg herum sozialisiert. Tatsächlich gab es von 2000 bis 2006 im jeweils letzten Spiel vor Rosenmontag (bzw. 2002 sogar im Spiel an Rosenmontag in Hannover) nur zwei von 21 möglichen Punkten.

Grundsätzlich ist das Fastnachtsspiel sowieso eine eher neumodische Erfindung. Bis weit in die 1990er hinein hatten die 05er selbst in jenen Jahren, in denen die Fastnachtstage nicht in die Winterpause fielen, an diesem Wochenende frei. In 50 Spielzeiten von 1948 bis 1998 gab es nur 16 Fastnachtsspiele. Die Bilanz vom 0:2 beim FSV Kürenz 1948 bis zum 2:2 in Fürth 1998: Sieben Siege, vier Unentschieden, fünf Niederlagen. 28:23 Tore.

Bereits 2007 begann eine neue Serie, die bis heute anhält: 2:1 in Berlin, 1:1 in Koblenz, 3:1 gegen Rostock, 1:1 in Berlin, 4:2 in Hamburg, 1:1 in Hoffenheim und in Augsburg, 1:0 in Leverkusen, 2:4 in Dortmund (dazu gleich mehr), 1:0 in Hannover, 2:0 in Leverkusen. Elf Spiele, davon sechs Siege, vier Unentschieden, nur eine Niederlage. Und die fällt zusammen mit einer ganz anderen Serie, dem Pyro-Fluch. Qualmt es im Mainzer Block, gibt es selten zumindest einen Punkt, meistens eine Niederlage, seit Jahren nie einen Sieg. Der Rauch in Fastnachtsfarben war in Dortmund offenbar stärker als der Kalender.

...wo sich die Mainzer nicht mehr blicken lassen können?

Es ist ja nicht so, dass die 05er nur in Leverkusen punkten würden. Das vorausgegangene halbe Jahr war auswärts eher traurig für die Mainzer Fans, dennoch ist Bayer Leverkusen nur einer von 14 Vereinen, gegen die die 05er eine ausgeglichene oder positive Bundesliga-Auswärtsbilanz haben (keiner von zehn, wenn wir bei ausgeglichenen Ergebnissen auch eine ausgeglichene oder positive Tordifferenz verlangen, aber das tun wir nicht). Bei nur 32 Gegnern, die Mainz 05 in der Bundesliga hatte, ist das eine Menge!

Sechs Klubs sind dabei, gegen die es ohnehin bisher nur ein Auswärtsspiel gab: In St. Pauli, Darmstadt und Fürth gewannen die 05er im einzigen Versuch, in Paderborn, Duisburg und Düsseldorf gab es Unentschieden. Die Tordifferenz stört den Eindruck in Kaiserslautern (2 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen, 4:5 Tore), Hoffenheim (3-2-3, 10:13), Bremen (4-3-4, 14:15) und Leverkusen (4-3-4, 13:14). Nach Toren überlegen sind die 05er bisher in Augsburg (2-2-2, 11:9) und Hamburg (4-2-4, 15:13, es hängt mit einem Fastnachtsspiel zusammen), sogar nach Punkten in Freiburg (4-1-2, 10:8) und Bochum (3-0-0, 10:4).

...dass Stefan Bell der beste Mainzer Torjäger ist?

Es ist nicht die volle Wahrheit, zugegeben. Stefan Bell ist mit vier Toren nur dann vorne in der Mainzer Torjägerliste der laufenden Saison, weil Yunus Malli (6) nicht mehr da ist. Und er ist nicht alleine vorne, sondern teilt sich die Spitze mit Pablo de Blasis, Levin Öztunali und Danny Latza. Und er teilt sich die Spitze nicht, wenn wir die beiden Pokalwettbewerbe mit einbeziehen, denn dann stehen Öztunali (5), de Blasis und Jhon Córdoba (jeweils 6) vor ihm.

Bells vier Tore (jeweils eins in beiden Spielen gegen Leverkusen, eins gegen Freiburg, eins in Leipzig) sind schon jetzt Mainzer Bundesliga-Vereinsrekord. Noch nie hat ein 05-Innenverteidiger in einer Bundesligasaison mehr als dreimal getroffen; die jeweils vier Saisontore von Nikolce Noveski (2008/09) und Neven Subotic (2007/08) fielen in der 2. Bundesliga, ebenso die acht Tore von Manuel Friedrich (2001/02), und die sieben von Steffen Herzberger (1997/98), der ohnehin häufiger Links- als Innenverteidiger war. Elfmeterschütze war keiner von ihnen!

Mit seinem insgesamt achten Bundesligator hat Bell (116 Einsätze) nun Niko Bungert (156 Einsätze) und Nikolce Noveski (255 Einsätze) eingeholt. Damit ist er auch saisonübergreifend der torgefährlichste Bundesliga-Verteidiger, den die 05er je hatten; wenn auch nach Quote noch Tamás Bódog (13 Spiele, 1 Tor) mit einem Vorsprung von 0,008 Toren pro Spiel haarscharf vor Bell steht. Im aktuellen Kader haben mit Córdoba (40/8), de Blasis (67/9), Yoshinori Muto (28/9) und Jairo Samperio (65/10) nur vier klare Offensivspieler, die wesentlich seltener gespielt haben, bis zu zwei Tore mehr geschossen als Bell. Insgesamt steht der de-facto-Kapitän mit Córdoba, Toni da Silva, Fabian Gerber, Bungert und Noveski auf Platz 17 der Mainzer Bundesliga-Torjägerliste. Mohamed Zidan und Yunus Malli (jeweils 29) sind an der Spitze der Liste noch weit entfernt.

...dass mal wieder ein gegnerischer Trainer gegen Mainz 05 debütieren wird?

Möglicherweise heißt er Bruno Labbadia. Den hatte Werder Bremens Sportchef als Nachfolger des noch überhaupt nicht entlassenen Alexander Nouri eben erst noch dementieren müssen, jetzt wird er als neuer Wolfsburger Trainer ins Gespräch gebracht. Wer wirklich der Nachfolger von Valerién Ismaël wird, der am Sonntag nach 15 Spielen und nur fünf Siegen freigestellt wurde, will der VfL heute noch verraten. Wir sind gespannt.

Immer mal wieder kam das in den vergangenen Jahren vor, dass ein Trainer sein Bundesligadebüt gegen Mainz 05 bekam. Zuletzt war's der Nouri, der als Interimstrainer am vierten Spieltag 1:2 verlor, danach aber ein paar schöne Ergebnisse holte und bald zum Cheftrainer befördert wurde. Der Bremer ist einer von momentan zwei Bundesligatrainern, die als erstes gegen die 05er spielten; Pál Dardais Debüt als Hertha-Coach liegt allerdings etwas mehr als zwei Jahre zurück. Und auch Nouris Vorgänger Wiktor Skripnik fing einst gegen die 05er an, er wäre der dritte, der zwar längst entlassen ist, aber die laufende Saison zumindest als Bundesligatrainer begann.

Kurzfristig schließen die 05er damit zu Borussia Mönchengladbach auf. Mit Thomas Tuchel (Borussia Dortmund), Manuel Baum (FC Augsburg), Niko Kovac (Eintracht Frankfurt) und Thorsten Frings (Darmstadt 98) debütierten in den vergangenen 56 Spieltagen vier aktuelle Bundesligatrainer gegen die Gladbacher. Auf Tuchel konnten sie sich lange vorbereiten; der Ex-Mainzer übernahm den BVB zum Saisonbeginn. Baum, Kovac und Frings begannen während der aktuellen bzw. vorigen laufenden Saison.

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