Schröder erwartet sehr gute Leistung von Aytekin

Jörg Schneider. Mainz.
Die Diskussionen um Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern in der Bundesliga, insbesondere die von Robert Hartmann beim 0:1 des FSV Mainz 05 zuletzt bei Borussia Mönchenglabdach, sind hinlänglich beschrieben worden. „Ich gehe davon aus, dass wir nun eine sehr gute Schiedsrichter-Leistung haben werden“, sagt Rouven Schröder vor dem Heimspiel am Samstag gegen den Hamburger SV. Das muss nicht zwangsläufig so sein: Deniz Aytekin, der die morgige Partie leitet, hat einst in einer vergleichbaren Situation, in der sich der damalige 05-Trainer Thomas Tuchel lautstark über anhaltende Benachteiligungen echauffiert hatte, im anschließenden Spiel gleich noch eine weitere fragwürdige Entscheidung drauf gesetzt.

In der Bundesliga ist nach dem letzten Spieltag eine Situation eingetreten, in der die Diskussion um Schiedsrichter-Leistungen deutlich die kritische Aufarbeitung der fußballerischen Themen, die Einordnung der Leistungen der beteiligten Mannschaften überlagerte. Der Vorwurf, dass die Unparteiischen mit ihren Entscheidungen zu massiv den Ausgang der Spiele beeinflussten, steht seit ein paar Wochen im Raum und war auch Gegenstand der Managertagung Anfang dieser Woche in Frankfurt. Der FSV Mainz 05 fühlt sich besonders betroffen seit der 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach, nachdem Referee Robert Hartmann den 05ern zwei Minuten vor dem Ende den regulär erzielten Ausgleichstreffer von Pablo De Blasis aberkannt hatte.

Rouven Schröder, der Sportdirektor der Mainzer, berichtete davon, dass es bei dieser Tagung darum gegangen sei, „allgemein zu sensibilisieren, dass es auf mehreren Plätzen nicht funktioniert hat.“ In Mönchengladbach suchte der 41-Jährige selbst unmittelbar nach der Partie das Gespräch mit Hartmann. In einer ruhigen Atmosphäre in der Kabine, in Anwesenheit des Schiedsrichter-Beobachters, wies Schröder daraufhin, dass sein Team in diesem und dem Auswärtsspiel davor, zweimal eindeutig benachteiligt worden sei. „Das habe ich auch so ganz klar angesprochen. Ich habe klar gemacht, dass es in dem Fall für uns wirklich ganz, ganz krass gelaufen ist.“

Schiedsrichter Deniz Aytekin steht nach der Benachteiligung, die das 05-Team den Punktgewinn in Mönchengladbach kosteten, im morgigen Heimspiel gegen den HSV unter besonderer Mainzer Beobachtung. Foto: Imago Schröder begründete am Donnerstag in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den HSV auch, warum er in der Öffentlichkeit nicht das große Fass aufgemacht habe in dieser Thematik, nicht nach außen hin groß herumgepoltert habe. „Das ist nicht meine Art, weil ich den Sinn darin nicht sehe. Man muss kritisch mit den Dingen umgehen, man muss mit dem Schiedsrichtern reden. Es ist ja nicht jedes Mal derselbe Schiedsrichter. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass jetzt Schiedsrichter sagen, Mainz 05 ist der Verein, den sie gerne benachteiligen würden. Die Fehler sind jedoch auffällig, und das ist nicht nur bei uns so. Ich habe mit den Schiris gesprochen, gefragt, was da passiert ist, warum solche Entscheidungen entstehen. Ich glaube nicht, dass es Herrn Hartmanns Absicht war, gegen uns zu pfeifen und uns zu benachteiligen. Wir mussten uns aber in der Form äußern, dass wir das nicht gut fanden und das Ganze kritisch sehen. Ich wüsste allerdings nicht, wie eine schärfere öffentliche Debatte in den Medien erreichen könnte, dass nächstes Mal anders für uns gepfiffen wird. Und wenn wir sagen würden, diesen Schiedsrichter lehnen wir künftig ab, dann hätten wir schon einige in der Verlosung, die uns nicht mehr pfeifen dürften.“

Trotzdem glaubt der 05-Sportdirektor an Besserung. „Ich gehe davon aus, dass wir gegen Hamburg eine sehr gute Schiedsrichter-Leistung haben werden“, sagt er. Doch da ist erst einmal Vorsicht und Skepsis geboten. Am Samstag wird die Partie gegen die Hamburger von Deniz Aytekin geleitet, der am Wochenende von Christian Heidel, dem Ex-Manager der 05er, nach der 0:1-Niederlage von Schalke 04 gegen Bayer Leverkusen kritisiert wurde. In Mainz gibt es mit Aytekin zudem eine Geschichte, die ziemlich gut zur aktuellen Thematik passt. Eine Geschichte, die allerdings zeigt, dass sich die Vorkommnisse wiederholen und dass ein „Herumgepoltere“, wie es Schröder nennt, in der Tat nicht unbedingt dazu führt, dass alles besser wird.

In der Saison 12/13 hatte sich der damalige Trainer Thomas Tuchel lautstark echauffiert und eine Serie von Fehl-Entscheidungen gegen die 05er angeprangert. Das war nach einem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg, in dem Tuchel mit Entscheidungen nicht einverstanden war und einen nicht gegebenen Handelfmeter beklagte. Die Mannschaft werde für den Trainer bestraft, tobte der Coach damals, das sei nicht tolerierbar. Tuchel führte als Beleg dafür zudem ein Abseitstor von Schalke 04 zum Ausgleich gegen die 05er eine Woche zuvor an, aber auch die Vorkommnisse beim 1:1 in Augsburg wiederum eine Woche vorher, als Shawn Parker von Schiri Tobias Stieler ein reguläres Tor aberkannt worden war und der 05-Stürmer unberechtigter Weise einen Platzverweis kassiert hatte. Nach Tuchels Ansicht hatte es innerhalb von fünf Wochen vier ganz entscheidende Fehlurteile gegeben, die das Team acht Punkte gekostet hätten und die Tuchel monierte.

Der Coach sorgte damals mit seiner Attacke bundesweit für Aufsehen, weil er erklärte, das Schiedsrichter-Wesen habe ein Problem mit ihm als aktiv coachenden Trainer, für das seine Mannschaft bezahlen müsse. Diesen Verdacht hegte Tuchel seitdem er für einen Disput mit dem damaligen Schalker Spieler Jermaine Jones auf dem Spielfeld zu 6000 Euro Strafe verdonnert worden war. Wenige Tage nach Tuchels Wutrede setzte dann Schiri Deniz Aytekin im Pokalspiel gegen den SC Freiburg in der Arena jedoch noch einen drauf mit einer diskussionswürdigen Gelb-Roten Karte für Zdenek Pospech und einem fragwürdigen Elfmeter in der Nachspielzeit. Die Mainzer verloren 2:3 nach Verlängerung und schieden damit im Viertelfinale aus.

Sehr konzentriert vorbereitet

Die 05er hoffen nun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, dass die Mannschaft in diesem wichtigen Heimspiel eine Leistung auf den Platz bringt, die von Anfang an keine Zweifel am Sieg aufkommen lässt. „Der HSV kommt gestärkt zu uns und hat durch die letzten Spiele viel neues Selbstvertrauen. Wir haben uns aber sehr konzentriert auf diese Partie vorbereitet. Wichtig ist, dass wir geschlossen auftreten, Mannschaft und Publikum zusammen, um die wichtigen drei Punkte auch einzusammeln. Es wird ein schweres Spiel, das wissen wir. Trotzdem ist unser Anspruch, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir werden alles dafür tun“, sagt Schröder.

Sein Trainer rechnet mit einem unberechenbaren Gegner, der  im Saisonverlauf verschiedene Phasen durchlebte. „Jetzt sind sie in einer guten Phase. Wir erwarten einen unangenehmen Gegner aufgrund dessen Spielart. Unter Markus Gisdol sind sie kompakter in der Defensive geworden mit einer sehr willigen Defensivarbeit, mit gutem, aggressivem Umschaltspiel, mit einem insgesamt aggressiven Ansatz“, sagt Martin Schmidt. „Es sind immer sehr spezielle Spiele, wenn wir gegen den HSV spielen. Das erwarte ich auch am Samstag vor allem, weil sie jetzt wiedererwacht sind, mutig sind und mit breiter Brust hierher kommen.“ Der 49-Jährige fordert trotzdem einen Heimerfolg von seinem Team. Die Drucksituation, die durch drei Niederlagen in Serie entstanden ist, sei in der Vorbereitung kein Thema gewesen, das man am Bruchweg strapaziert habe. „Uns hat die Situation eher motiviert und herausgefordert“, sagt Schmidt. „Wir haben gut gearbeitet, wollen uns mit einem Sieg im letzten Heimspiel belohnen. Alles andere ist Moment kein Thema.“

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