Schröder: „Es gibt kein Wenn und Aber“

Jörg Schneider. Mainz.
Einen Tag nach der bitteren 2:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig demonstrierten der Sportdirektor und der Trainer des FSV Mainz 05 in der Pressekonferenz vor dem kommenden Auswärtsspiel beim SC Freiburg große Geschlossenheit. Sowohl Rouven Schröder als auch Martin Schmidt bekräftigten leidenschaftlich und emotional ihre Überzeugung, dass die Mannschaft trotz aller unguten Vorzeichen die Situation bewältigt, auch wenn sie prekär ist. „Trotzdem wissen wir, dass wir aus eigener Kraft in der Lage sind, diese Liga zu halten. Das ist unser Faustpfand. Da müssen wir weiter fest dran glauben. Daran dürfen keine Zweifel aufkommen. Wir werden diesen Bock umstoßen“, betonte Schröder. „Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt kein Wenn und Aber.“

Martin Schmidt dürfte wenig geschlafen haben in der vergangenen Nacht. Das lag zum einen daran, dass der Trainer des FSV Mainz 05 natürlich nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen RB Leipzig in der Opel Arena an dieser neuerlichen und vierten Niederlage seines Teams in Folge hart zu kauen hatte und wohl noch lange darüber nachgedacht haben dürfte, warum diese gute Gesamtleistung gegen den Tabellenzweiten nicht wenigstens mit einem Punkt belohnt worden ist. Warum bei der guten taktischen und strukturellen Arbeit gegen den spielstarken, hart pressenden und zweikampfwuchtigen Tabellenzweiten in den entscheidenden Situationen die eigenen Großchancen nicht zum Erfolg führten. Warum seine Profis die erzwungenen Fehler beim Gegner nicht in dem Maße und mit der Konsequenz bestraften, wie das auf der anderen Seite der Fall war. Schmidt erlebte aber auch deshalb eine kurze Nacht, weil sich der Coach gleich nach dem Spiel mit der verlorenen Partie intensiv beschäftigte, das Ganze aufarbeitete, um seinem Team am Morgen in der Analyse das entsprechende Material an die Hand zu geben. Die positiven Aspekte genauso wie die negativen.

Demonstrative Geschlossenheit in prekärer Situation: Sportdirektor Rouven Schröder und Trainer Martin Schmidt. Foto: ImagoDer 49-Jährige berichtete am Nachmittag in der Pressekonferenz davon, eine „kämpferische und mutige Truppe“ im Training empfangen zu haben. Eine Mannschaft, die gewillt ist, trotz aller unguten Vorzeichen die Situation zum Besseren zu wenden. Die damit am Samstag im Auswärtsspiel beim SC Freiburg beginnen möchte. Nun werden die notorischen Schwarzseher und diejenigen, die das 05-Team und dessen Trainer sowieso bereits abgeschrieben haben, alles das, was Schmidt und sein Sportdirektor am Mittwoch zur Lage der Mainzer zu sagen hatten, als die üblichen Durchhalteparolen und Lippenbekenntnisse abtun, die nicht durch Fakten belegt werden. Eine solche Betrachtungsweise zielt aber zu einfach und ungenau und spricht den handelnden Personen die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit ab. Wer die sportlich Verantwortlichen des Klubs derzeit von Nahem sieht und erlebt, kann erkennen, dass sowohl Rouven Schröder als auch Schmidt überzeugt sind von ihren Tun, ihrem Weg, und dass sie im Moment jeden Stein umdrehen, jede Möglichkeit ergreifen, nichts unversucht lassen, um der Mannschaft Rückhalt zu geben, mit ihr an der Kehrtwende zu arbeiten. Sportdirektor und Trainer vermitteln eine Geschlossenheit, in der die von außen geführte Trainerdiskussion derzeit kein Thema ist. Das mag sich mit einer weiteren Niederlage vielleicht ändern. Aktuell stehen die Zeichen aber auf Zusammenraufen und gemeinsamer Kampfbereitschaft. „Wir brauchen keine künstliche Geschlossenheit zu demonstrieren. Ich muss nicht näher an Martin ran, der Abstand ist noch genauso wie am Anfang“, sagte Schröder. „Wir besprechen die Dinge, gehen alles durch, versuchen die Sachen zu verbessern, mit den Spielern ins Gespräch zu gehen. Wir wollen alle den Schalter umlegen. Ich tue alles dafür, das Trainerteam zu unterstützen. Wenn es zu Spielergesprächen kommt, die Spieler zu leiten, Empfehlungen auszusprechen. Wir sind alle zusammen, egal, in welcher Funktion.“

Die Situation sei unverändert ernst. „Noch aber stehen wir nicht auf einem Abstiegsplatz. Und wir haben nicht vor, es dazu kommen zu lassen. Wir möchten nicht auf diesen Platz, und wir haben das Zeug dazu, nicht dahin zu kommen. Wir haben die Qualität, uns da raus zu arbeiten. Wir sind hundertprozentig überzeugt davon, dass wir das schaffen, auch nach diesen vier Spielen, die wir verloren haben. Es ist uns natürlich klar, dass in der jetzigen Gefühlslage alle sagen, Mainz ist auf dem absteigenden Ast. Trotzdem wissen wir, dass wir aus eigener Kraft in der Lage sind, diese Liga zu halten. Das ist unser Faustpfand. Da müssen wir weiter fest dran glauben. Daran dürfen keine Zweifel aufkommen“, erklärte der der Sportdirektor in einem emotionalen Vortrag. „Wir müssen aufhören damit, ständig nur auf die Tabelle zu gucken. Ich kenne die auswendig. Nicht mit der Tendenz beschäftigen, sondern positiv daran arbeiten, es zu ändern. Wir werden diesen Bock umstoßen“, betonte Schröder. „Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt kein Wenn und Aber.“

Trotz aller erneuter Fehler, die auch gegen die Leipziger den möglichen Punktgewinn verhinderten, sieht Schröder das Unternehmen Nichtabstieg auf den Weg gebracht. Gestärkt auch durch die Reaktion des eigenen Publikums, das fast schon wie in alten Zeiten den Abstiegskampf-Modus verinnerlichte und dem Team eine fantastische Unterstützung anbot. „Was gestern im Stadion los war, was die Fans abgeliefert haben, was das ganze Umfeld geschaffen hat, das ist genau das, was wir jetzt in dieser Situation brauchen“, sagte Schröder und kündigte an, diesen Schulterschuss nach außen hin weiterhin zu plakatieren und fördern. „Wir werden das Ganze noch einmal anschieben. In Freiburg sind schon 1700 Fans mit dabei. Das ist für mich ein ganz deutliches Zeichen. Richtung Berlin eine Woche später wird es auch etwas geben, was wir als Verein unterstützen werden.“

Schmidt selbst geht im Moment sehr souverän mit den anhaltenden Diskussionen um seine Person um, stellt sich der Situation und weiß selbst am besten, dass schnellstens Ergebnisse kommen müssen. „Hier geht es aber nicht um mich. Es geht um die Sache, um Mainz 05. Das muss immer im Vordergrund stehen“, sagte der 49-Jährige mit viel Leidenschaft. „Ich habe deutlich gemerkt, dass mit dem Team etwas passiert ist in den letzten Tagen. Das müssen wir mitnehmen nach Freiburg. Man hat gestern Abend auch gesehen, dass ein Ruck durch den ganzen Verein gegangen ist. Nicht nur durchs Team. Das war ein Schulterschluss. Es ist mir wichtig, dass das im Vordergrund steht. Dass Mannschaft und Fans an einem Strang ziehen und sich auflehnen gegen die Situation. Meine Person spielt da eine kleinere Rolle. Ich bin mir bewusst, dass die Verantwortung in einer solchen Ergebniskrise voll und ganz bei mir ist. Aber gestern, das war Mainz 05. Bis zur 93. Minute mit Leidenschaft und Herz. Für das Spiel wären wir vor einem halben Jahr noch gelobt, getröstet und aufgebaut worden. Im Moment ist es halt zu wenig. Ich weiß, dass es zu wenig ist, aber mit diesem Geist glauben wir daran, dass wir in Freiburg punkten können. Das Momentum drehen. Das werden wir schaffen. Davon bin ich überzeugt. In der Mannschaft steckt viel mehr, als wir in den vergangenen Spielen herausgewirtschaftet haben. Das werden wir wieder sehen.“

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