Schröder gibt Trainer vorerst Rückendeckung

Jörg Schneider. Mainz.
In der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des FSV Mainz 05 am Mittwoch gegen RB Leipzig ging es am Dienstagmittag erwartungsgemäß um den spätestens seit der 1:2-Niederlage von Ingolstadt heftig in die Kritik geratenen Trainer. Rouven Schröder erklärte, dass Martin Schmidt nicht zur Disposition stehe und dass der Sportdirektor der Mannschaft klar gemacht habe, dass der Trainer der starke Mann sei. Der Frage, ob das auch noch gelte, falls diese Englische Woche ohne Punktgewinn über die Bühne gehe, wich Schröder aus. Das Leipzig-Spiel habe Priorität. Der 41-Jährige nahm dafür zunächst einmal die Mannschaft selbst in die Pflicht. Schmidt rechtfertigte seine Arbeit in einem teilweise emotionalen Vortrag und betonte, er sei überzeugt davon, die Krise bewältigen zu können.

In Krisenzeiten wie diesen, schlug früher die Stunde von Christian Heidel. Nach Niederlagen, wie der jüngst in Ingolstadt, schickte der Manager gerne Mannschaft und Trainer in die Kabine, trat selbst vor die Öffentlichkeit und redete Tacheles. Da gab’s harte und deutliche Worte, da gab’s die Androhung von Konsequenzen, aber auch die Bemühungen das Umfeld zu beruhigen. Und immer eine klare Position zur Situation des Trainers. Heidel sitzt nun auf Schalke, hat sein eigenes Päckchen zu schnüren. Was allerdings nicht bedeutet, dass diese Dinge beim FSV Mainz 05 derzeit nicht trotzdem mit derselben Konsequenz angetextet werden. Heidels Nachfolger Rouven Schröder ist nicht der Mann, der wie der langjährige Manager in der Öffentlichkeit auch mal laut und emotional wird, vielleicht sogar etwas unsachlich, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Der Sportdirektor tut dies auf seine ruhige, besonnene Weise, trotzdem aber mit großem Nachdruck.

NKlare Ansagen in der Pressekonferenz: Rouven Schröder und Martin Schmidt sprachen über die Lage. Foto: Jörg Schneideroch in Ingolstadt gab’s in der Kabine die erste Ansprache des 41-Jährigen an die Mannschaft und vor allem die klare Ansage, dass Martin Schmidt absolut nicht zur Disposition steht. Ob das auch noch gilt, falls das Heimspiel am Mittwochabend gegen RB Leipzig und die Auswärtspartie am Samstag in Freiburg erneut keine Punkte bringen sollten, auf diese Frage, ließ sich der Sportdirektor allerdings in der Pressekonferenz am Dienstag nicht ein. Schröder wich aus, weil er offenbar der Überzeugung ist, dass Martin Schmidt die Kehrtwende hinbekommt und weil der Sportdirektor zunächst einmal die 05-Profis verschärft in die Pflicht nimmt. „Wichtig war, auch der Mannschaft klarzumachen, dass sie weiß, Martin Schmidt ist der starke Mann in unserer Mannschaft“, erklärte Schröder. „Dass ein Sportdirektor so direkt zu einer Mannschaft spricht, ist nichts, was sehr häufig vorkommt. Da ist schon eine gewisse Deutlichkeit und Schärfe vonnöten. Jeder muss wissen, wo der Trainer steht, wo der Sportdirektor steht, der seine Dinge einbringt im Sinne der Sache. Es geht nicht darum, einzelne Personen an die Wand zu klatschen, sondern  Dinge aufzuzeigen, die aufgefallen sind und einen Strich darunter zu machen. Es ist wichtig, dass Spieler auch merken, dass der Sportdirektor, der die Sache von außen betrachtet, doch ein paar Dinge erkennt und mitbekommt. Ich glaube, dass der Sonntag entscheidend war, um das in aller Deutlichkeit zu tun. Das hat sich in den vergangenen Wochen so entwickelt“, sagte der Fußballchef.

„Wir müssen uns nichts vormachen. Die Situation ist ernst. Wir haben sehr viel gesprochen, das Wichtigste ist aber jetzt, dass schnell die Möglichkeit besteht, die Dinge zu ändern und die Dinge anzugehen. Was ist Mainz 05? Mainz 05 ist immer mutig und war immer mutig. Man kann zurückweichen und ängstlich sein oder man kann nach vorne gehen. Ich schlage vor, wie gehen nach vorne. Wir müssen nun in einer schwierigen Phase Stärke demonstrieren. Eine enge Geschlossenheit mit dem Trainerteam, mit der Mannschaft und den Zuschauern. Es kann jetzt nur eines geben: Hexenkessel im Stadion, nach vorne und Leipzig zeigen, wer hier zu Hause ist. das ist eine klare Ansage an alle, die da mitwirken können. Die Mannschaft muss es aufs Feld bringen. Das ist entscheidend. Das will ich auch sehen. Wir haben sehr viel von Zusammenhalt gesprochen. Da sind Martin und ich ganz nahe beieinander. Wir haben dieselben Ziele, sitzen im selben Boot. Martin und ich besprechen alles intern. Das Leipzig-Spiel hat Priorität. Drei Punkte gegen Leipzig, und wir sind auf einem guten Weg.“

Schröders Botschaft ist deutlich. Auch an den Trainer. Schmidt akzeptiert das in vollem Umfang. „In der Aussprache nach dem Spiel ist in der Kabine alles auf den Tisch gekommen, was sehr wichtig war nach diesem Spiel und an diesem Tag. Wir haben Gründe gesucht und gefunden, warum wir unsere Möglichkeiten nicht ausspielen konnten. Wir haben uns nicht angelogen, sondern alles auf den Punkt gebracht“, sagte Schmidt. Der Schweizer fühlt sich nicht gehemmt durch die Situation und vor allen Dingen durch die harsche Kritik an seiner Person und seinen Entscheidungen, die derzeit die Themenlage in den Medien bestimmt, die aber vor allen Dingen in den sozialen Medien und diversen Foren noch massiver ausfällt. Wo von vielen die sofortige Ablösung des 05-Trainers gefordert wird. „Die Fans haben natürlich ihre Meinung“, sagte der 49-Jährige, der dann zu einem sachlichen, aber teilweise auch emotionalen Vortrag anhob. „Die ganzen Fragen, die nun in den Medien und im Umfeld gestellt werden, müssen aufkommen und können so gestellt werden, aber es hat ja immer eine Sinnhaftigkeit dahinter. Wir haben ja nicht plötzlich alle die Sinne verloren. Wir haben nicht vorher zweieinhalb Jahre vieles richtig gemacht und jetzt in einem halben Jahr alles falsch.“

KMartin Schmidt argumentierte emotional über seine Arbeit. Foto: Jörg Schneiderritik zu üben, sei schließlich Aufgabe der Medien. „Ich muss halt vieles von der Kritik auch vom Team weghalten. Ich sage den Spielern, sie sollen nicht alles glauben, was sie lesen. Ich weiß manchmal ja auch nicht, ob die Journalisten alles glauben, was sie so schreiben. Mein Job ist, dagegen zu argumentieren. Wenn ich immer dieselben elf Spieler bringe, dann reden wir darüber, warum ich nicht auch mal andere lasse. Wenn ich im Spiel einem Spieler eine Chance gebe, heißt es warum wechselt er. Wenn ich ein Spiel gewinne, hab ich top gewechselt, wenn ich verliere, habe ich die Falschen aufgestellt. Das weiß ich selbst. Meine Arbeit besteht aber darin, überzeugt zu sein von dem, was ich tue. Ich verstehe die Sorgen und die Gedanken. Aber jeder muss auch verstehen, dass ich mutig bleiben muss, mir meine Gedanken machen muss, dass ich nicht den Kopf in den Sand stecken kann.“

Er höre die Kritik, weil er sich in der Stadt bewege und angesprochen werde. „Ich kann das aber gut einschätzen. Ich nehme das auch nicht persönlich. Eine Zeitung hat im vergangenen Jahr über mich die Schlagzeile verfasst: Der neue König von Mainz. Und jetzt bin ich halt der, mit dem es bergab geht. Damit kann ich umgehen. Ich bin nicht im Sommer als König aufgetreten und habe gedacht, du bist ein Super-Hero. Ich habe das einordnen können und kann auch jetzt die Kritik einschätzen. In den Ausmaßen ist sie immer übertrieben. Wenn es gut läuft, ist es zu positiv. Wenn es schlecht läuft, ist sie zu negativ. Ich bin professionell genug, um das von mir wegzuhalten. Ich versuche in der gesunden Mitte zu bleiben und versuche mein Team vorwärts zu bringen, um die Krise zu bewältigen“, erklärte der Schweizer.

Die Initiative zu ergreifen, darin liege nun auch eine Chance.  „Ich bin überzeugt“, sagte Schmidt, „wenn wir als Mainz 05, als Verantwortliche mit dem Team zusammen diese Krise meistern, dann wächst hier eine Mannschaft, die nächstes Jahr diese Probleme nicht mehr haben wird. An solchen Situationen wächst jeder. Deshalb ist es eine Chance. Jetzt haben wir plötzlich die Situation, in der wir wieder etwas zu gewinne haben. Das steure ich an. Ich glaube, dass ich dafür genügend Kraft habe, das bis zum Ende durchzuführen.“

Er sei konzentriert, bleibe in der Arbeit, versuche mit dem Team weiterhin in der Positivität zu bleiben. „Wenn man eine Krise hat, wird es noch schwieriger, wenn man sie als unlösbares Problem betrachtet. Wir dürfen die Situation nicht als unlösbares Problem ansehen, sondern müssen die Initiative ergreifen und dagegen arbeiten. Es ist meine Arbeit, diese Initiative zu ergreifen, um den Turnaround hinzukriegen, den Bock umzustoßen. Wir stecken nicht den Kopf in den Sand und hoffen, dass die Situation vorübergeht. Wir nehmen das Heft in die Hand, konstruktiv mit dem Team. Das ist das, was mich beflügelt und motiviert.“ Er fühle sich nach wie vor gelöst und ruhig in der Arbeit. „Auch weil ich diese Rückendeckung habe vom Vorstand. Als Gesamtverein werden wir diese Situation meistern, davon bin ich überzeugt.“

Trotz allem wartet morgen Abend eine Aufgabe, die nicht gerade hoffnungsvoll stimmt, dass es der Mannschaft ausgerechnet gegen den Tabellenzweiten gelingt, eine entscheidende Kehrtwende einzuleiten. Um davon ausgehen zu können, hat das Team selbst zu wenige Argumente geliefert. „Das ist ja gerade unsere Chance, dass uns gegen Leipzig keiner etwas zutraut“, erklärte der 05-Trainer. „Alle denken, wir haben eh keine Chance. Das aber ist genau der Punkt. Unsere Chance, unsere Herausforderung. Die werden wir angehen. Mit diesem Gedanken gehen wir ins Spiel. Wir können mehr als wir zuletzt gezeigt haben. Wir müssen gewisse Dinge abstellen, und wir müssen von uns selbst mehr erwarten.“

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