Schröder hofft auf rückhaltlose Unterstützung

Jörg Schneider. Mainz.
Steckt der FC Bayern München in der Krise? Ungeachtet der bundesweit geführten Diskussionen über den aktuellen Zustand des Rekordmeisters richtet sich der FSV Mainz 05 darauf ein, es mit einem wie immer in Mainz besonders stark und zielorientierten Top-Favoriten zu tun zu bekommen. „Es steht mir und uns nicht zu, das zu beurteilen, was dort geschieht“, sagt Rouven Schröder vor dem Gastspiel des FC Bayern am Freitagabend (20.30 Uhr) in der Opel Arena. Gegen die überragende Qualität dieses Gegners brauche die eigene Mannschaft in jedem Fall eine überragende Leistung und ein Quäntchen Glück sowieso.

Ganz so freundschaftlich wird es wohl am Freitagabend in der Opel Arena nicht immer zugehen im Heimspiel der 05er gegen die Bayern. Foto: Ekkie Veyhelmann  Die Diskussionen füllen bundesweit die Sportseiten von Zeitungen und die Sendezeit verschiedener Fernsehanstalten. Beim Bundesligasender „sky“ oder beim Fußball-Stammtisch von „Sport1“ diskutierten sich zuletzt die üblichen Experten die Köpfe heiß. Der FC Bayern München ist erstmals seit langer Zeit mal nicht Tabellenführer der Liga, hat sich einige Punktverluste eingehandelt und präsentieret sich aktuell nicht in der brutalen Überlegenheit, wie man es vom Rekordmeister seit Jahren gewohnt ist. Diskutiert wird über Carlo Ancelotti, den neuen Trainer und dessen Art Fußball spielen zu lassen in der Ära nach Pep Guardiola. Diskutiert wird über die Torjäger Robert Lewandowski und Thomas Müller, über Jerome Boateng, über Philipp Lahm, über so ziemlich jeden im Weltklassekader. Krisenszenarien.

„Ich bin kein Freund davon, über andere Vereine und Mannschaften zu sprechen. Es steht mir und uns auch nicht zu, das zu beurteilen, was dort geschieht“, sagt Rouven Schröder vor dem Gastspiel des FC Bayern am Freitagabend (20.30 Uhr) in der Opel Arena. Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 vertritt den Standpunkt, man habe genug mit sich selbst zu tun, schwere Aufgaben zu erledigen und sieht auch nicht unbedingt einen Vorteil darin, dass so viel mehr als sowieso über die Münchner gesprochen wird. Denn die Erfahrung lehrt, gereizte Bayern sind oft besonders gefährlich. Und: Gerade in Mainz stellt sich die Weltauswahl nach unguten Erfahrungen seit geraumer Zeit gewöhnlich besonders konzentriert, besonders pragmatisch und zielorientiert vor. Denn zu oft waren es die 05er, die den Top-Favoriten ärgerten. Zuletzt im März dieses Jahres mit dem 2:1-Sieg in der Allianz Arena. Die letzten vier Heimspiele in der Arena gingen an den FC Bayern. Trotz teilweise bärenstarker Leistungen der 05-Profis.

„Egal, was bei den Bayern los ist, sie haben eine unglaubliche Qualität im Kader“, sagt Schröder. Eine Qualität in allen Mannschafsteilen und auf der Bank, die immer reicht, um in der Bundesliga ein Spiel zu gewinnen. „Da brauchen wir am Freitag eine überragende Leistung unserer Mannschaft und ein ordentliches Quäntchen Glück sowieso. Den Rest werden wir dann sehen. Wir freuen uns jedenfalls riesig auf diese Partie.“ Der Sportdirektor bezeichnet das Treffen mit dem großen Favoriten als ein „Bonus-Spiel“. „Ich hoffe, dass wir da zusammen Großes leisten können.“

Die Mainzer haben am Sonntag beim Tabellendritten Hertha BSC etwas unglücklich mit 1:2 verloren, doch die Leistung des Teams stimmte im Großen und Ganzen. Schröder ist zuversichtlich, dass dies das Team noch einmal anspornt, noch mehr Gas zu geben, dem Gegner einen großen Fight zu liefern. „Wir müssen da keine Schlagzeilen produzieren nach dem Motto: Die hauen wir weg. Wir haben ein Heimspiel unter Flutlicht. Ein volles Haus. Die Spieler werden alles geben, um sich dem Favoriten zu stellen. Das ist top, betont der 40-Jährige, der selbst gespannt darauf ist, welche Mannschaft Martin Schmidt am Freitag präsentieren wird. Denn die Verhältnisse im 05-Kader haben sich normalisiert. Die zuletzt gesperrten Stefan Bell und Daniel Brosinski sind wieder an Bord. Fabian Frei hat sich gesund zurückgemeldet. Danny Latza gab in Berlin sein Saisondebüt. Yoshinori Muto und Christian Clemens sind fit und komplett im Training, brennen trotz der fehlenden Spielpraxis allmählich auf einen Einsatz. „Es wird schön sein zu sehen, wer sich da für dieses Spiel und die kommenden schweren Aufgabe in der Bundesliga herauskristallisiert“, sagt Schröder, dem der personell stark besetzte 05-Kader nach Weihnachten einige grundsätzliche Gedanken und Entscheidungen abverlangt. Ohne die Belastung Europapokal, die nach dem letzten Gruppenspiel in der Europaliga nächste Woche zu Hause gegen Qäbälä FK wegfällt, könnte der 05-Kader für die Rückrunde zu groß aufgestellt sein. Dann, wenn alle Profis fit sind. Was allerdings in dieser Vorrunde nie der Fall war. „Wir machen uns immer Gedanken über die Kaderplanung“, sagt der Sportchef. „Nach dem Spiel bei Eintracht Frankfurt kurz vor Weihnachten gehen wir auseinander, werden uns in Ruhe mit der Fitness der einzelnen Profis und dem Leistungsstand im Kader beschäftigen und dann die Schlüsse daraus ziehen.“

Doch bis dahin sind die Mainzer froh über jeden, der zur Verfügung steht und die Optionen erhöht. Denn die ausstehenden Prüfungen haben es in sich. Nach den Bayern geht’s zu Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV kommt noch und das Derby in Frankfurt steht an. Ein schwieriges Programm mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Zunächst aber geht’s um die Partie gegen die Münchner. Und in der benötigen die 05er die Unterstützung ihres Publikums. Das sollte normalerweise selbstverständlich sein. Der Stunk zwischen dem 05-Vorstand und einem Teil der Fan-Szene schlägt jedoch derzeit hohe Wellen, trübt die Stimmung und könnte auch am Freitagabend zu einer deutlich unterkühlten Atmosphäre führen.

Dafür hätte Schröder jedoch keinerlei Verständnis, wie er sagt. „Alles andere als eine überragende Stimmung in diesem Top-Spiel und eine Pro-05-Stimmung würde mich wundern und auch ärgern“, erklärt der 40-Jährige. „Die Mannschaft hat es verdient rückhaltlos unterstützt zu werden. Es geht einzig und alleine um den Verein. Das sollten wir alle uns immer wieder vor Augen führen und vor allen Dingen der Mannschaft positiv gegenüberstehen.“

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