Schröder: Jetzt muss die Hütte voll werden

Jörg Schneider. Mainz.
Das Abenteuer Aserbaidschan ist zu Ende. Der FSV Mainz 05 hat sich mit dem ersten Sieg in der Gruppe C der Europaliga eine glänzende Ausgangsbasis verschafft und ist am frühen Freitagmorgen zwar etwas unausgeschlafen, aber glücklich und zufrieden in Frankfurt gelandet. „Eine rundherum gute Geschichte“, lautete Rouven Schröders Fazit nach der ersten Europapokal-Reise, in deren Mittelpunkt jener 3:2-Sieg beim Qäbälä FK stand. „Wir haben das Spiel gewonnen, das ist für eine solche Reise, bei der du lange unterwegs bist, sehr viele Menschen mit dabei hast, sehr wichtig.“

Rouven Schröder wirkte erstaunlich frisch und ausgeschlafen nach einer schlaflosen Nacht, die der 40-Jährige zusammen mit Trainern, Betreuern, Offiziellen, Profis und Fans des FSV Mainz 05 im Flugzeug von Aserbaidschan zurück nach Deutschland verbracht hatte. Erfolg macht gute Laune und fördert offenbar das Durchhaltevermögen, denn nur wenige Stunden nach der Landung der 05-Delegation um viertel nach fünf in Frankfurt nahm sich der Sportdirektor ausgiebig Zeit, um am Bruchweg in einer Medienrunde den historischen Ausflug nach Baku noch einmal Revue passieren zu lassen. Den ersten Sieg einer Mainzer Mannschaft in der Gruppenphase der Europa-Liga. „Eine rundherum gute Geschichte“, fasste Schröder die Tour, in deren Mittelpunkt jener 3:2-Sieg beim Qäbälä FK stand, in seiner unaufgeregten Art zusammen. „Wir haben das Spiel gewonnen, das ist für eine solche Reise, bei der du lange unterwegs bist, sehr viele Menschen mit dabei hast, sehr wichtig. Bei einer Niederlage willst du denen dann eher nicht so gerne in die Augen schauen.“

Punktgleich mit dem RSC Anderlecht führen die Mainzer nun mit vier Punkten die Gruppe C an. Die Belgier schienen in Saint-Etienne auf dem besten Weg, nach dem Heimsieg gegen die Aserbaidschaner ihren zweiten Erfolg einzufahren, als ein Torwartfehler in der fünften Minute der Nachspielzeit den Franzosen noch das 1:1 ermöglichte. „Das ist gut für uns. Wir freuen uns jetzt riesig auf das Heimspiel gegen Anderlecht.“ Der Sportdirektor rechnet in der dieser Partie am 20. Oktober fest mit einem vollen Haus in der Opel Arena. „Da müssen wir doch einfach mal die Hütte voll kriegen nach diesem Start.“ Die Mannschaft habe das verdient mit ihren Leistungen. „Wir haben in Baku wieder gesehen, gerade nach dem Ausgleich und dem Rückstand, dass die Truppe total in sich stimmig ist, wirklich sehr geschlossen auftritt, und wir immer die Möglichkeit haben vorne Zeichen zu setzen. Wir haben eine breite Masse an Offensivspielern, die große Qualität im Abschluss haben. Jeder bei uns lechzt danach seine Spielminuten zu bekommen. Wir wissen, von den Bank, da kommt noch mal ein Schub.“

Zwei entscheidende Figuren beim 3.2-Sieg der 05er in Baku: Torschütze Jhon Cordoba und der bärenstarke Innenverteidiger Alexander Hack. Foto: rscpDer war bitter nötig im kleinen Stadion in Baku. Denn förmlich aus dem Nichts kassierten die dominanten Mainzer den Ausgleich und in der etwas aufgeregten und leicht unorganisierten Phase danach sogar den Rückstand. Qäbälä führte plötzlich 2:1, weil Stefan Bell, normalerweise ein überragender Kopfballspieler mit Timing, Technik und der nötigen Power, im Moment eine Seuchenphase durchlebt und sich wie schon gegen Saint-Etienne und zuletzt gegen Leverkusen einen weiteren für ihn ungewöhnlichen Fehler leistete. Im Moment kriegen die Mainzer dafür sofort die Quittung. Bell köpfte einen nicht sonderlich problematischen hohen Ball zu kurz auf seinen Torhüter zurück. Jonas Lössl brachte den durchgelaufenen Stürmer im Strafraum zu Fall. Elfmeter. Tor. Dann hatte der ansonsten souveräne Fabian Frei das Pech gleich mehrfach gepachtet. Dem Schweizer misslang ebenfalls ein Abwehrversuch mit dem Kopf. Frei startete durch, um zu retten und kam zweimal nicht mehr rechtzeitig zum Mann. 2:1 für die Gastgeber, die davor bis auf eine verunglückte Flanke, die am linken Pfosten landete, keine Chance hatten und denen auch danach keine wirklich gefährliche Annäherung ans 05-Tor gelang.

Ansonsten war der Auftritt des Mainzer Teams geprägt von Qualität im Ballbesitzspiel - bisher eher nicht so die Domäne der Mannschaft von Martin Schmidt. Das zentrale Mittelfeld, mit Frei und José Rodriguez, ständig unterstützt von den extrem fleißigen Außen Christian Clemens und Pablo De Blasis, gewann die Mehrheit der Zweikämpfe in den einzelnen Zonen. Mit ihrem starken Anlaufverhalten in der Spitze mit Yoshinori Muto und Yunus Malli sowie der weit vorgeschobenen nächsten Pressingreihe schufen sich die Mainzer eine klare Dominanz, verhinderten die Konterversuche des Gegners oft schon früh. Muto nutzte einen konkret ausgespielten Angriffszug mit dem Pass von Alexander Hack vom eigenen Strafraum aus durchs ganze Mittelfeld. Gaetan Bussmann spielte sofort weiter in die Tiefe, wo sich der Japaner quasi zum ersten Mal von seinem wuchtigen Gegenspieler absetzen konnte und sofort zum 1:0 vollstreckte. Die Führung hatte zur Folge, dass die 05er nach der Pause noch mehr Spielkontrolle entfalteten Muto und Malli bis zur 50. Minute mit ihren Großchancen längst alles klar hätten machen können.

Bezeichnend für die mentale Stärke und die Moral des Teams in dieser Saison war dann die Reaktion auf den überraschenden Rückstand. „Da bekommst du aus dem Nichts diesen Elfmeter und kommst zehn Minuten lang in so einen Klassiker rein. Unnötiges 1:1, die Zuschauer kommen und werden laut, dann wieder ein vermeidbares Tor. Das ist dann Schlag, nach dem du als Team ins Überlegen kommst“, sagte Schröder. Doch der Trainer traf einmal mehr die richtigen Entscheidungen, wechselte Jhon Cordoba und Levin Öztunali ein, stellte das System um, opferte mit Rodriguez den Sechser im Mittelfeld und blies zum Angriff. Muto und Cordoba als Doppelspitze, ständig offensiv besetzte Außenbahnen, auf denen zusätzlich Bussmann und Daniel Brosinski anschoben. Gegen diese auch körperlich große Präsenz fanden die konditionell abbauenden Profis von Qäbälä kaum noch ein Mittel. Der Kolumbianer drückte mit seiner ersten Aktion den Ball zum Ausgleich über die Linie, Öztunali erzielte von rechts außen kommend das entscheidende Tor mit einer feinen Einzelleistung nach Pass von De Blasis mit dem schwächeren linken Fuß. Cordoba hämmerte einen Ball an die Latte. Am Ende fuhr der Bundesligist den Erfolg dann doch recht locker nach Hause.

Nach der Rückkehr am frühen Morgen bat der 05-Trainer seine Spieler am Bruchweg direkt zur einer Regenerations-Einheit vor dem Frühstück. Erst danach durften die 05-Profis zum Ausschlafen ins Bett. Am Samstagmittag um 14 Uhr steht das Abschlusstraining auf dem Programm. Anschließend wartet schon der nächste Flieger auf die Mannschaft. Dann geht’s Richtung Wolfsburg, wo am Sonntag (15.30 Uhr) ein weiteres schweres Auswärtsspiel ansteht. Die Partie beim aktuell 13. der Bundesliga bildet dann den Abschluss dieser drei doch relativ erfolgreichen Englischen Wochen. Für die meisten 05-Profis steht danach eine ruhige Länderspielpause an. Nur für die Nationalspieler geht’s gleich weiter im Takt.   

 

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