Schröder: Kader-Analyse mit neuer Würze

Jörg Schneider. Mainz.
Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 hat nun die Aufgabe, schnellstmöglich einen Nachfolger für Martin Schmidt zu installieren. Rouven Schröder wird intensiv mit Sandro Schwarz konferieren, um die Grundlagen für eine weitere Zusammenarbeit zu erörtern, falls er dem bisherigen U23-Coach die Verantwortung übertragen will. Außerdem wird Schröder die externen Bewerbungen prüfen. Der 41-Jährige hat unterdessen klargestellt, dass auch die Kaderzusammenstellung überdacht werden muss. „Es ist jetzt eine Situation da, in der man einige Dinge im Kopf hat, die geändert werden müssen. Da geht es auch um Spieler, die einen Vertrag haben.“

Die Mannschaft ist in Urlaub. Martin Schmidt hat am Montagabend sein Büro geräumt und wird sich nun erst einmal nach Hause ins Wallis zurückziehen, um etwas Abstand zu gewinnen von dieser turbulenten und emotionalen Achterbahnfahrt im Saisonfinale, an dessen Ende die einvernehmliche Trennung vom bisherigen Trainer des FSV Mainz 05 stand. Rouven Schröder hat nun die Aufgabe schnellstmöglich einen Nachfolger für den Schweizer zu installieren. Der Sportdirektor wird intensiv mit Sandro Schwarz konferieren, um die Grundlagen für eine weitere Zusammenarbeit zu erörtern, falls der Sportdirektor dem bisherigen U23-Coach, dessen Vertrag bekanntlich ausläuft, die Verantwortung für das Bundesliga-Team übertragen will. Denn auch Schwarz möchte nach einer harten und anstrengenden Drittligasaison in Urlaub. In gut vier Wochen soll der Trainingsbetrieb am Bruchweg wieder anlaufen. Falls das Mainzer Eigengewächs den Job erhält, wird der 38-Jährige auch klare Vorstellungen hinsichtlich der Kaderplanung haben, die zügig abgearbeitet werden müssen.

Rouven Schröder hat die erste heikle Situation in seiner Amtszeit seriös, strukturiert und in der Außendarstellung souverän gelöst. Nun muss der Sportdirektor einen neuen Trainer installieren und die Kaderplanung überdenken. Foto: Jörg Schneider Parallel dazu wird sich Schröder in den nächsten Tagen aber auch durch eine Flut von Bewerbungen hindurcharbeiten müssen, die dem Klub spätestens seit Montagmittag auf den Tisch flattern. „Ich denke schon, dass wir nicht ganz unattraktiv sind“, sagt der Manager. „Wir sind ein Verein, der dafür steht, dass wir eher langfristig mit unseren Trainern arbeiten. Die Saison hat ja auch gezeigt, dass wir zu unserem Trainer stehen. Wenn es aber zu einer Situation kommt, in der man sagt, es geht einfach nicht weiter, dann macht man das. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Trainer für uns interessieren.“

Schröder hat am Montag zudem klargemacht, dass die Kaderzusammenstellung nach dieser Saison, die nicht so gelaufen ist, wie man sich das erhofft hat, überdacht werden muss. „Es ist jetzt eine Situation da, in der man einige Dinge im Kopf hat, die geändert werden müssen. Da geht es auch um Spieler, die einen Vertrag haben“, betonte der 41-Jährige. „Es muss alles beleuchtet werden. Natürlich spielt da dann auch der potenzielle neue Trainer eine Rolle. Es ist doch klar, dass er auch seine Vorstellungen vom Kader hat und die Gruppe auf seine Art beleuchtet und bewertet. Das wird dann noch mal interessant eine Kader-Analyse zu machen. Vielleicht sieht der neue Trainer Spieler ja auch ganz anders als ich oder als sein Vorgänger. Das hat ja auch eine gewisse Würze.“

Der Sportdirektor hat jedenfalls seine Spieler nicht in die Ferien entlassen, ohne den Profis einiges mit auf den Weg zu geben. Die Trennung vom Trainer ist das Eine. Schröder will die Mannschaft jedoch nicht außen vor lassen im Rahmen der Gesamtkritik. „Wir haben die Mannschaft verabschiedet und dabei die Saison in kurzen prägnanten Dingen aufgearbeitet. Wir haben den Spielern eine klare Info an die Hand gegeben für die neue Saison“, sagte Schröder. Das Team dürfe sich freuen über die Mission, die man gemeinsam bewältigt habe mit dem Klassenerhalt. „Auf der anderen Seite war dieses Saisonende aber auch ein echtes Warnsignal, das man klar und deutlich verstehen muss. Wenn du auf Platz 15 reinmarschierst, mit sieben Toren besser als Wolfsburg, dann musst du darüber nachdenken. Ein zusätzliches Warnsignal ist, dass mit Stuttgart und Hannover zwei Aufsteiger kommen, die sich wahrscheinlich nicht direkt unten eingliedern werden. Die haben andere Ambitionen. Das ist auch wirtschaftlich noch einmal ein richtiges Pfund, das da kommt. Auch diese Situation müssen wir berücksichtigen.“ Deshalb habe es einen deutlichen Appell an den gesamten Kader gegeben. „Mehr zu tun. Selbst zu reflektieren. Es bringt nichts, wenn das nur die Verantwortlichen tun und die Spieler machen es nicht. Jeder muss sich jetzt mal fragen, was ist gut, was ist schlecht gelaufen, was kann ich besser machen, wie lebe ich und so weiter und so fort. Mir war es wichtig, eindringlich darzulegen, was von den Spielern erwartet wird in der neuen Saison.“

Letztlich mit Ach und Krach

Schröder ist allerdings davon überzeugt, dass der 05-Kader, wenn er in ähnlicher Konstellation wie bisher zusammenbleibt, künftig erfolgreicher sein kann. „Da kommen mehr Erfahrungen hinzu, aber die Spieler müssen auch für sich selbst die richtigen Schlüsse aus dem Ganzen ziehen.“ Es habe viele Spiele gegeben, in der die Mannschaft auf Augenhöhe gewesen sei. Da fehlten dem Team Nuancen. „Und ich glaube schon, dass es auch ein bisschen mit der Europaliga zu erklären ist. Gerade was im Unterbewusstsein abgelaufen ist. In der Hinrunde alle drei Tage gespielt. Alles in einer gewissen Euphorie, in einer Leichtigkeit. Ständig im Flieger und wieder zurück zum nächsten Spiel. Du kamst gar nicht zum Überlegen. Dann sagst du, wir haben 21 Punkte gemacht bei einer solchen Belastung. Jetzt bereiten wir uns nur noch auf die Bundesliga vor, haben so viel Zeit, viele Dinge einzustudieren. Da ist es möglich, dass dann ein paar Sachen gefehlt haben im Kopf von der Umsetzung her“, sagt Schröder. „Dann verlierst du Spiele, in denen du eigentlich besser warst. Dann verlierst du Spiele, in denen du schlecht warst und kommst in einen Strudel rein. Du sagst dir, der Vorsprung ist ja groß. Dann aber punkten unten alle wie blöd und dann kommt der Kopf hinzu. Es ist so, dass dann viele Mannschaften den Schalter nicht umlegen können.“ Auch die 05er taten sich schwer damit. Letztlich ist es dem Team mit Ach und Krach gelungen. Der Sieg gegen Hertha BSC als absolutes Muss. Der Big Point in München und schließlich der Derbysieg gegen die Frankfurter. Viel knapper geht’s nicht.

Die Arbeit wird dem Sportdirektor in diesem Sommer nicht ausgehen. Schröder, der inzwischen ein Jahr im Amt ist, trifft für Mainz 05 die sportlichen Entscheidungen alleine. Ruhig, besonnen, abwägend. Schritt für Schritt. Eines nach dem anderen. Die Rückendeckung des Vereins hat der 41-Jährige dabei. „Ich glaube, dass man sich über das Jahr eine gewisse Meinung erarbeitet hat und die Verantwortlichen schon erkennen können, dass ich keine Schnellschüsse mache. Dass ich wohlwollend die Dinge prüfe. Dass ich die sportliche Verantwortung habe und wahrnehme. Das ist mein Beruf. Dafür werde ich bezahlt. Wenn das nicht gut gemacht wird, muss ich die Konsequenzen tragen. Wenn es positiv ist, kriege ich noch mehr Vertrauen. Im Verein weiß man, ich bin tagtäglich in den Situationen drin. Der Informationsfluss ist da. Ich glaube, dass man mir zutraut, die Dinge zu entscheiden“, sagt er. „Genau wie ein Trainer analysiert und die ganze Saison durchgeht, tut das auch der Sportdirektor. Ich bin grundsätzlich jemand, der immer die Dinge, die mir einfallen oder auffallen, aufschreibe, um sie parat zu haben, wenn ich sie brauche. Nicht nur die negativen Dinge, auch die positiven. Das wird alles schriftlich zusammengefasst. Ich kann jederzeit sagen, was mir im vergangenen Juli aufgefallen ist. Bei einer Trainingsform, bei einer Reise oder bei einer Vertragsverhandlung. Es gibt da einen langen Katalog von Themen, die mir helfen. So entwickelt man sich. Bei der Analyse jetzt, konnte ich sehr viele Dinge übereinanderlegen“, beschreibt Schröder seine Herangehensweise. „Ich spreche nicht ins Kopfkissen. Ich sauge Meinungen auf, ich hole Rat ein, nehme ihn auf, aber ich rede nicht drüber.“

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