Schröder: Pessimismus nicht angesagt

Jörg Schneider. Mainz.
Die Hoffnungen, dass der FSV Mainz 05 mit einem komplett eingespielten Kader in die neue Saison starten kann, haben sich schnell zerschlagen. Der Abgang von Kapitän Julian Baumgartlinger, die zu erwartenden Verluste von Leistungsträgern wie Loris Karius und Yunus Malli, werden dazu führen, dass die Mannschaft wie fast immer in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht erhält. Pessimismus sei aber nicht angesagt, betont der neue Sportdirektor. „Jetzt im Vorfeld schon zu sagen, um Gottes Willen, das wird die schwerste Saison der Vereinsgeschichte, ist einfach nicht gut“, sagt Rouven Schröder. „Man kann immer ganz viel beschreien. Man muss positiv damit umgehen. Wir werden die Kaderplanung vorantreiben in Bezug auf Euroliga und Bundesliga und so aufstellen, dass wir dafür gewappnet sind.“

Auch wenn sich mit Julian Baumgartlinger der erste Leistungsträger verabschiedet hat und weitere Abgänge zu erwarten sind: Rouven Schröder sieht darin keinen Anlass für Pessimismus. Foto: ImagoRouven Schröders Arbeitsplatz ist künftig das Bruchwegstadion. Der neue Sportdirektor des FSV Mainz 05 besetzt seinen Schreibtisch dort, wo das sportliche Herz des Vereins schlägt. In Ruf- und Sichtweite der Trainerbüros, des Nachwuchsleistungs-Zentrums der Mannschafts-Kabinen und der Trainingsplätze. Gefühlt sei er dort durch die wochenlange Einarbeitungszeit, den ständigen Austausch mit den Trainern, besonders mit Martin Schmidt, längst angekommen, sagt der 40-Jährige, der den Klub nun auch offiziell repräsentiert. Seinen ersten öffentlichen Auftritt erledigte der Nachfolger von Christian Heidel, der aus dem sauerländischen Arnsberg stammt, direkt schon einmal sehr souverän, sympathisch, bodenständig, bescheiden, aber doch selbstbewusst und mit klar formulierten Gedanken. Schröder, der auffallend viel von Teamgeist und Fleiß sprach, möchte keine Heidel-Kopie am Bruchweg sein. Der neue sportliche Leiter, der bis zu den Wahlen im Rahmen der Mitgliederversammlung kommissarisch den Platz des Ex-Managers im 05-Vorstand einnimmt, will sich als Teamplayer präsentieren und profilieren, der in enger Absprache mit Martin Schmidt eigene Ideen in der Kader- und Transferplanung einbringen will. Davon habe er viele, erklärte  Schröder und betonte bei seinem Einstand mehrfach, dass diese Ideen immer der Vereins- und Spiel-Philosophie zuträglich sein, vor allen Dingen immer im Sinne des Vereins umgesetzt werden sollen.

Schröder, der zuletzt in Bremen als Direktor Profi-Fußball und Scouting, in der zweiten Reihe arbeitete hinter Sportchef Thomas Eichin, rückt nun in die erste Reihe der Bundesliga-Manager auf, bringt eine Menge Erfahrung mit und soll über ein umfangreiches Netzwerk auf dem Markt verfügen. Der 05-Fußballchef, der nach seiner aktiven Profi-Karriere beim 1. FC Nürnberg als Video-Analyst der Profimannschaft und als Scout arbeitete, danach zunächst Koordinator der Lizenzspielermannschaft bei Greuther Fürth, später als deren sportlicher Leiter fungierte, ehe er zu Werder Bremen wechselte, kriegt in Mainz von Beginn an eine Menge zu tun. Und durfte sich gleich am Anfang seiner Amtszeit ein Bild machen von den Besonderheiten, die der Standort Mainz für seine Arbeit bereithält. Im Rahmen seiner Vorstellung musste Schröder als erstes verkünden, dass ausgerechnet der 05-Kapitän der Erste ist, der das künftige Europaligateam verlässt und zu Bayer Leverkusen wechselt. Julian Baumgartlinger wird mit ziemlicher Sicherheit nicht der Letzte sein in diesem Sommer, der sich verabschiedet. Der Österreicher hatte seinen Vertrag im vergangenen Jahr zwar langfristig verlängert, doch Christian Heidel musste, um den Mittelfeldspieler schließlich dazu zu bewegen, die Kröte einer festgeschriebenen Ablösesumme von rund vier Millionen Euro schlucken. Aktuell sicherlich nicht ganz marktwertgerecht, aber wie Schröder andeutete, der Spieler, der seinerzeit etliche Angebote auf dem Tisch hatte, habe sich bessere Möglichkeiten des Handelns festschreiben lassen. Das sei normal in diesem Geschäft. Eine Vertragsverlängerung, die sich für die 05er aber mehr als gelohnt hat. Baumgartlinger war einer der maßgeblichen Leistungsträger im Team, führte die Mannschaft ins internationale Geschäft und bringt dem Klub nun eine stattliche Summe, mit der Schröder arbeiten kann. Die Fälle von Loris Karius, dessen Ausstiegsklausel mit zehn Millionen beziffert und dem bereits eine Einigung mit Jürgen Klopp und dem FC Liverpool nachgesagt wird sowie Yunus Malli, dem seit dem Winter diverse Angebote vorliegen, sind ähnlich gelagert. Malli kann ebenfalls für knapp zehn Millionen Euro aus seinem Vertrag raus. Sollte es zu den erwarteten Transfers kommen, hat der Mainzer Sportdirektor eine gut gefüllt Brieftasche, um den Kader für die Aufgabe in der Bundesliga und im Europapokal breit und qualitativ aufzustellen. Das Entwickeln von Spielern, um sie dann möglichst lukrativ zu veräußern, gehört zu Mainz 05 und wird sich auch unter der Regie des neuen Sportdirektors so schnell nicht ändern.

Der Kader, mit dem der 05-Trainer nach dem Urlaub in die Vorbereitung startet, wird auch in diesem Jahr wieder etlichen Veränderungen unterzogen. Das Team, das Ende August in seine elfte Bundesliga-Saison startet, wird auch dann wieder ein neues Gesicht haben. Dadurch, dass der Großteil der 05-Profis da bleibt, allerdings auf der Basis einer sehr ordentlichen Grund-Qualität. „Man kann im Vorfeld immer ganz viel beschreien“, sagte Schröder. „Man muss positiv damit umgehen. Wir werden die Kaderplanung vorantreiben in Bezug auf die Euroliga und die Bundesliga. Wir wollen den Kader so aufstellen, dass wir dafür gewappnet sind. Jetzt im Vorfeld schon zu sagen, um Gottes Willen, das wird die schwerste Saison der Vereinsgeschichte, ist einfach nicht gut. Wir müssen das selbstbewusst angehen, versuchen uns bestmöglichst aufzustellen. Das Ganze ist für uns auch eine Chance. Mainz 05 ist ein Verein mit großer Ausstrahlung. Jetzt zusätzlich mit der Euro League. Ich glaube schon, dass wir hier ein tolles Umfeld haben, in dem es uns gelingt, Spieler zu ersetzen. Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind. Das machen wir nicht, und deshalb schauen wir selbstbewusst nach vorne.“ Vom Etat her müsse man nun sehen und abwarten, was auf der Einnahmenseite hereinkomme. Wenn Spieler gehen würden, die ein großes Budget bringen, müsse man dies wieder einplanen. „Immer im Sinne des Ganzen und ohne dabei zu überpacen.“

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite