Schröders Bitte an die 05-Fans

Jörg Schneider. Mainz.
Das dritte Heimspiel in diesem Jahr in der Opel Arena hat für den FSV Mainz 05 eine richtungsweisende Bedeutung. Angesichts der Brisanz, die in dieser Partie heute Abend (20.30 Uhr) gegen den FC Augsburg steckt, ist die Nachfrage beim Publikum jedoch ziemlich dünn. Der Bundesligist hat bis Donnerstag nur rund 23.000 Eintrittskarten abgesetzt. Rouven Schröder nahm die mäßige Resonanz zum Anlass, im Vorfeld dieses Spiels einen dringenden Appell an die Fans und besonders an die Dauerkarteninhaber zu richten. „Es bringt uns nichts, wenn uns jemand von der Couch aus die Daumen drückt. Bitte kommt ins Stadion. Wir brauchen jeden einzelnen. Damit wir einen richtigen Hexenkessel haben am Freitagabend. Jeder, der eine Karte hat, muss kommen“, sagte der 05-Sportdirektor.

Rouven Schröder appelliert an die 05-Fans, sich heute Abend für den Gang ins Stadion zu entscheiden und das Team im Duell mit dem FC Augsburg lautstark zu unterstützen. Foto: Jörg Schneider Rund 23.000 Eintrittskarten hatte der FSV Mainz 05 bis Donnerstagmittag im Vorverkauf abgesetzt für die heutige Partie in der Opel Arena gegen den FC Augsburg. Das ist nicht sonderlich viel angesichts der Brisanz, die für den Klub in diesem dritten Heimspiel des neuen Jahres steckt. Der mäßige Zuschauer-Zuspruch, abgesehen von Spielen gegen Borussia Dortmund oder Bayern München, bereitet den Verantwortlichen am Bruchweg ohnehin Kopfzerbrechen. Dass nun eine Partie, die so etwas wie ein Schlüsselspiel für den weiteren Saisonverlauf darstellt, in der es darum geht, drohenden Abstiegskampf-Szenarien entgegenzuwirken, vom Publikum dermaßen gering nachgefragt wird, hat den Sportdirektor zu einem dringenden Appell an die 05-Anhänger veranlasst. Rouven Schröder wandte sich damit vor allem an die Dauerkarteninhaber und speziell an diejenigen, die im Besitz einer solchen sind, aber zweifeln, ob ein Stadionbesuch in ihre Wochenendplanungen passt. „Es gibt immer Phasen in der Saison, in der die Leute überlegen, ob sie ins Stadion kommen oder nicht. Wir sind aber jetzt in einer Phase, in der jeder Fan wissen muss, dass wir jeden brauchen“, sagt der 41-Jährige. „Es ist schön, wenn Zuschauer an uns denken und uns die Daumen drücken, aber eins ist auch klar, von jemandem, der eine Dauerkarte hat, kann man auch erwarten, dass er ins Stadion kommt. Es bringt uns nichts, wenn uns jemand von der Couch aus die Daumen drückt und sagt: alles Gute FSV. Nein. Bitte kommt ins Stadion. Wir brauchen jeden einzelnen. Damit wir einen richtigen Hexenkessel haben am Freitagabend. Keiner wünscht sich so genannte No Shows. Jeder, der eine Karte hat, muss kommen.“

Unterstützung erhalten die 05er unterdessen aus der Heimat ihres Trainers. Die Ferienregion Blatten-Belalp präsentiert sich in der Halbzeitpause mit Fahnenschwingern, Alphornbläsern und den traditionellen Kuhglocken. Zahlreiche Fans und Unterstützer aus dem Wallis, der Schweizer Verein Wiesbaden und ein Schweizer Drittligist mit fast 30 Spielern aus Bern komplettieren die Delegation aus Martin Schmidts Heimatkanton, die schon ab 19 Uhr vor dem Stadion den 05-Anhängern kostenlos traditionelles Raclette mit einem Glas Weißwein servieren.

Für die Mannschaft geht es in diesem Heimspiel darum, sich gegen eine gefährliche Situation zu stemmen. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt nur noch sechs Zähler. Die 0:4-Schlappe am vergangenen Wochenende in Hoffenheim hat die relativ entspannte Lage nach den beiden Unentschieden in den Heimspielen zuvor verschärft und die Skepsis im Umfeld erhöht. Andererseits sind es in diesem dicht gedrängten Tabellen-Segment der Bundesliga auch nur zwei Punkte zum einstelligen Tabellenplatz, den Schmidt und dessen Team als Rückrunden-Vorgabe anpeilen. „Unser nächstes Ziel, das wir uns gesteckt haben schon im Winter heißt, so schnell wie möglich 30 Punkte erreichen“, sagt der 05-Trainer. „Wir haben Handlungsziele, Zwischenziele und irgendwann ergibt sich daraus das Ziel, das wir bis Sommer erreichen wollen. Jetzt werden wir sicherlich nicht alles umdrehen oder andere Ziele formulieren. Im Moment geht es uns darum, die 30 Punkte anzugehen und uns im Mittelfeld festzukrallen.“ Die Spielplan-Konstellation sollte sich dabei als günstig erweisen, denn nach der Partie gegen die Augsburger heute Abend folgt nächste Woche ein weiteres Heimspiel gegen Werder Bremen. Eine große Chance also, zu Hause mit der bisher nachgewiesenen Heimstärke die Dinge in diesen beiden Begegnungen wieder ins rechte Licht zu rücken.

Krkic in der Startelf?

Wie sieht’s personell aus vor dem Duell mit den um zwei Punkte besser dastehenden Augsburgern? Niko Bungert hatte nach dem Hoffenheim-Spiel mit Nackenproblemen zu kämpfen, ist erst am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen, hat aber noch nicht wieder das komplette Programm absolvieren können. Sollte der Kapitän ausfallen, könnte Leon Balogun nach seiner Verletzung sein Comeback und sein Jahresdebüt als Innenverteidiger geben. „Leon hat die zweite Woche am Stück alles trainiert“, sagt Schmidt. „Er ist sehr willig und drängt in den Kandidatenkreis rein für die Position, falls Niko ausfällt.“ Unklar ist dagegen die Rolle, die Bojan Krkic im Matchplan des 05-Trainers einnimmt. Dem prominenten Neuzugang, der in den vergangenen Monaten wenig Spielpraxis in der englischen Premier League hatte, fehlt noch die Wettkampfhärte. Der 26-Jährige hat offenbar mehr Probleme als erwartet beim Anpassungsprozess an Tempo und Laufintensität in der Bundesliga. „Bojan hat sich gut weiterentwickelt“, sagt der Trainer, der allerdings offen lässt, ob Krkic heute Abend ein Thema für die Startelf und für die dringend benötigte Rolle als Pass- und Ideengeber im offensiven Mittelfeld sein wird. „Er hatte ein härteres Programm nach dem letzten Spiel. Bojan hat aber eine gute Woche gezeigt. Er arbeitet die fehlenden Trainings auf, den fehlenden Spiel-Rhythmus. Das tut ihm gut, wirkt aber auch auf ihn, deshalb haben wir ihn am Donnerstag mal komplett aus dem Training herausgelassen, weil er diese Belastung und in dieser Intensität zu trainieren aus England so nicht gewohnt war“, erklärt der Coach. „In Hoffenheim haben wir Bojan auf den Platz gestellt, damit er schon mal merkt, wie in Deutschland verteidigt wird, wie aggressiv das Ganze ist, wie sich der Ernstfall anfühlt. Für ihn war das sicher ein wichtiger Auftritt, um zu sehen, wie es geht. Jetzt muss er über die Fitness kommen, um uns zu helfen. Aber auch das Team muss ihm helfen. Als er in Sinsheim reinkam, ging das Spiel schon in die andere Richtung, das war für einen Offensiven nicht mehr so einfach.“

90 Minuten wird der Techniker sicherlich nicht gehen können. Die Frage ist, ob Schmidt den Spanier von Beginn an bringt oder später nachschiebt. Die Chancen, dass Robin Quaison sein 05-Debüt im Heimspiel gibt, sind dagegen eher gering. Der Schwede kommt zwar aus dem Meisterschaftsbetrieb in Italien, hat die komplette Vorbereitung absolviert und auch seine Gelbsperre abgesessen. Der Stürmer verletzte sich jedoch Anfang der Woche im Training. „Er hat in einem Zweikampf einen Schlag abbekommen und sein Fuß ist angeschwollen. Robin konnte zwei Tage nicht trainieren, bei ihm wird es knapp für den Kader mit nur einem Abschlusstraining“, betont Schmidt. Beide, sowohl Quaison als auch Bojan, seien aber auf einem guten Weg. „Ich bin davon überzeugt, dass sie uns in den nächsten Spielen neue Qualität mit reinbringen. Wichtig ist aber auch, dass die, die wir momentan auf dem Platz haben, wie Jairo, Öztunali, De Blasis im Lauf bleiben. Auch Jhon Cordoba. Ich denke, dass die Form der Offensive aufsteigend sein wird“, sagt der 49-Jährige optimistisch, der ansonsten seine derzeit bestmögliche Aufstellung ins Rennen schicken kann.

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