Schröders erste Amtshandlungen: Córdoba und Baumgartlinger

Christian Karn. Mainz.
Die ersten kleinen Amtshandlungen hat Rouven Schröder schon erledigt. Der neue Sportdirektor des FSV Mainz 05 meldete gestern die bereits vor Wochen angekündigte Weiterverpflichtung von Jhon Córdoba, heute verabschiedete er den Kapitän: Julian Baumgartlinger hat wie erwartet bei Bayer Leverkusen unterschrieben. Beide Kadermaßnahmen waren nicht allzu kompliziert; die großen Aufgaben stehen für Schröder noch bevor.

Seit ein paar Tagen erst ist Rouven Schröder auch offiziell der Sportdirektor des FSV Mainz 05. In dieser kurzen Zeit hat Christian Heidels Nachfolger nun schon zwei Kadermaßnahmen über die Bühne gebracht - beide waren freilich nicht allzu kompliziert. Kurz gefasst: Julian Baumgartlinger hat nun auch offiziell von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht und bei Bayer Leverkusen unterschrieben, die 05er wiederum haben die mit dem Granada CF vereinbarte Kaufoption für Jhon Córdoba gezogen und den Kolumbianer nun bis 2020 unter Vertrag. Beides waren für die 05er einseitige Geschäfte, bei Baumgartlingers Wechsel konnten sie gar nicht unternehmen, bei Córdobas Weiterverpflichtung mussten sie auf niemanden Rücksicht nehmen: Die Details waren in beiden Fällen schon vor einem Jahr vereinbart worden.

Künftig Kollegen in Leverkusen: Wendell und Julian Baumgartlinger.So blieb Schröder nichts anderes übrig, als Baumgartlinger am heutigen Donnerstag mit freundlichen Worten zu verabschieden: Der Österreicher habe "in den vergangenen fünf Jahren für Mainz 05 immer alles gegeben, sich als aggressiver, laufstarker Leader einen Namen in der Bundesliga gemacht. Nun ist er gemeinsam mit Bayer 04 Leverkusen mit dem Wechselwunsch an uns herangetreten. Wir danken ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für den FSV in den vergangenen fünf Jahren und wünschen Julian in Leverkusen alles Gute."

Die 05er hatten den scheidenden Kapitän 2011 von Austria Wien verpflichtet; ausgebildet hatte ihn vorher der TSV München 1860. Im ersten Jahr kam der damals 23-Jährige noch oft von der Bank, ab dem zweiten war er - unterbrochen von einer siebenmonatigen und einer vierwöchigen Verletzungspause - bis zuletzt Stammspieler. Im September 2014 trug Baumgartlinger in Vertretung des verletzten und vom neuen Trainer Kasper Hjulmand auch schon halb ausgemusterten Nikolce Noveski erstmals die Spielführerbinde, in der nun abgelaufenen Saison war er auch offiziell 05-Kapitän. In 137 Pflichtspielen schoss Baumgartlinger drei Tore für die 05er, eins vor Jahren im Pokalspiel beim SV Roßbach, zwei in der abgelaufenen Bundesliga-Rückrunde. Nur drei Profis spielten in der Bundesliga bislang öfter als der Österreicher: Noveski, Elkin Soto, der die 05er nun ebenfalls verlässt, und mit 149 Bundesligaspielen sowie 47 Spielen in den weiteren Wettbewerben Niko Bungert, der nun mit Stefan Bell um die Kapitänsbinde konkurrieren dürfte. Die per Ausstiegsklausel festgeschriebene Ablöse soll vier Millionen Euro betragen.

Córdoba dürfte der Teuerste sein

Jhon Córdoba nimmt's, wenn's notwendig ist, auch weiterhin mit ganz Darmstadt auf.Bereits am Mittwoch haben die 05er ihre erste Spielerverpflichtung der Ära Schröder gemeldet, in gewisser Weise. Es ging allerdings nicht um einen der vielen Namen, die in diesen Tagen in der Gerüchteküche umhergereicht werden (Salif Sané, Pascal Groß, Ron-Robert Zieler, etc.), sondern um einen Mann, den man in Mainz schon gut kennt: Jhon Córdoba wird wie bereits vor ein paar Wochen offiziell angekündigt bleiben; die 05er zogen nun die auf angeblich gut fünf Millionen Euro dotierte Kaufoption, mit der sie den kolumbianischen Mittelstürmer fest vom Granada CF übernehmen durften. Córdoba dürfte der bislang teuerste Einkauf der 05er in 111 Jahren sein; bisher war das wohl Ja-Cheol Koo, dessen Ablöse beim Transfer vom VfL Wolfsburg vor zweieinhalb Jahren mal auf drei, mal auf fünf Millionen Euro taxiert wird. Sein Vertrag mit den 05ern gilt für die kommenden vier Jahre - aber vielleicht wechselt auch Córdoba schon vor 2020 für sehr viel Geld den Verein.

"Jhon Córdoba hat mit seiner dynamischen, leidenschaftlichen Spielweise der vergangenen Rückrunde von Mainz 05 den Stempel aufgedrückt", wird der Schröder zitiert. "Er ist ein außergewöhnlicher Stürmer und verfügt im Alter von 23 Jahren über das Potenzial, sich noch weiter zu entwickeln. Wir sind froh, dass wir die Zukunft mit ihm planen können."

Scheint also, als habe Córdoba in seiner vierten Auslandssaison den Durchbruch geschafft. Der beim Envigado FC im erweiterten Stadtgebiet Medellins ausgebildete Stürmer, der als 18-Jähriger in der ersten kolumbianischen Liga seine ersten elf Saisontore schoss, hatte sich beim mexikanischen Klub Jaguares de Chiapas nicht durchgesetzt, war mit Espanyol Barcelona und Granada Vierzehnter und Siebzehnter der spanischen Primera División geworden, hatte dazu mit jeweils vier Treffern beigetragen, wechselte dabei aber ständig zwischen Startelf und Ersatzbank.

Bei den 05ern hatte der spät in der vergangenen Sommer-Transferperiode verpflichtete Stürmer anfangs mit Verletzungen und Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen; Córdoba beeindruckte schon im Training mit seiner Wucht, spielte aber in der Hinrunde noch keine große Rolle. Die Verletzung des vorherigen Mittelstürmers Yoshinori Muto machte den Kolumbianer im Februar gezwungenermaßen zum Stammspieler, ab dem 21. Spieltag stand er lediglich einmal nicht in der Startelf. Das war die Partie bei den Bayern, die Córdoba nach seiner Einwechslung mit dem 2:1-Siegtor entschied. Seine fünf Treffer (darunter drei in den ersten vier Spielen ohne Muto) in einer Halbsaison für die 05er sind bisher persönlicher Bestwert des heute vor einer Woche 23 Jahre alt gewordenen Mittelstürmers.

Mit seiner furchtlosen, zwei- oder dreikampfbetonten Spielweise ist der Krieger aus Chocó bereits einer der Lieblingsspieler des 05-Publikums. Wenn nun das Phantom Emil Berggreen und Muto (der auch einen Platz im offensiven Mittelfeld finden könnte) demnächst wieder fit sind, sollten die 05er mit diesen beiden, Córdoba und Karim Onisiwo im Sturm auch für mehrere Wettbewerbe breit und gut aufgestellt sein.

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