Schwarz: „Es fühlt sich großartig an“

Jörg Schneider. Mainz.
Dieser am Ende souverän herausgespielte und begeistert gefeierte 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen, der erste Erfolg für Sandro Schwarz als Bundesligatrainer, hat beim FSV Mainz 05 das Gefühl ausgelöst, dass die Saison jetzt erst richtig begonnen hat. Nach den beiden Auftakt-Niederlagen und einem neuerlichen Rückstand drehte das Team in einer extrem schwierigen Situation die Partie dank der Tore von Yoshinori Muto, Abdou Diallo sowie Suat Serdar und zeigte dabei in der zweiten Halbzeit mit einer starken Vorstellung in allen Bereichen, wie das Mainzer Spiel aussehen soll. „Die zweite Halbzeit war überragend von der Mentalität her. 3:1 gegen einen solchen Gegner zu gewinnen, fühlt sich großartig an“, sagte der Trainer nachher.

Die ersten drei Punkte sind im Sack. Entsprechend groß war die Freude bei den 05-Profis. Foto: Ekkie VeyhelmannZwei Wochen zuvor in Stuttgart, nach der zweiten Niederlage in Folge, hatte Rouven Schröder orakelt: „Wartet mal ab, der Moment wird kommen, in dem keiner mit uns rechnet und dann sind wir da.“ Dieser Moment, den der Sportvorstand des FSV Mainz 05 heraufbeschworen hatte, kam im zweiten Heimspiel dieser Saison. Die Partie gegen Bayer Leverkusen schien genauso zu laufen, wie die beiden vorangegangenen Spiele. Den 05ern gelang nicht sonderlich viel auf dem Platz, und als die ballsicheren und mit viel Angriffstempo ausgestatteten Gäste ihre Vorteile zur 1:0-Führung in der Opel Arena umsetzten, deutete vieles auf die dritte Niederlage im dritten Spiel hin. Doch Yoshinori Muto gelang mit seinem artistischen Tor nach einem perfekten Spielzug noch vor der Pause der Ausgleich. Und dieses so sehnlichst herbei gewünschte Erfolgserlebnis veränderte alles. Die Mannschaft holte sich mit jeder Aktion mehr Selbstvertrauen, mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, schaffte die Wende, drehte diese Partie und feierte dank der weiteren Tore von Abdou Diallo und Suat Serdar den ersten Saisonsieg. Am Ende souverän und auf eine Art und Weise, die dem eigenen Publikum zeigte, was drin ist im Überraschungspaket Mainz 05.

Es war eine regelrechte Erlösung für alle, die unbändige Freude auslöste. Die Mainzer lagen sich nach diesem ersten Dreier in den Armen. Über die Stadionmikrofone erschallte „Olé, olé Fiesta. Die Spieler zelebrierten mit den Fans die Humba und Rouven Schröder erdrückte vor Begeisterung fast seinen Trainer. „Ich habe ihm gesagt, für einen Bundesligatrainer ist es das Schönste überhaupt, Spiele zu gewinnen, herzlich willkommen“, sagte der 41-Jährige nachher noch immer ganz beseelt vom ersten Erfolg. „Es hat mich besonders gefreut, weil ich weiß, wie Sandro mit Haut und Haaren seine Arbeit als Cheftrainer leistet. Ich glaube, er leidet wie kein Zweiter unter solchen Dingen wie nach den ersten beiden Spielen. Jetzt ist die Belohnung für die Arbeit in Form von Punkten da. Kompliment an ihn und das Team.“

Für den Sportvorstand lag die besondere Leistung seiner Mannschaft darin, dass sie in dieser Partie trotz der Widrigkeiten Ruhe bewahrt habe und sich nach dem Rückstand zu einem großen Kampf und einer großen Leistung aufgeschwungen habe. „Das fand ich sehr reif“, sagte Schröder. „In der ersten Halbzeit haben wir oftmals die zweiten Bälle nicht bekommen. In der zweiten Halbzeit waren die zweiten Bälle da. Das ist so ein Phänomen in einem Fußballspiel. Dass dann auf einmal der Gegner merkt, der Ball fällt da runter und ein Mainzer kriegt ihn. Dann machst du das 2:1, gewinnst immer mehr Zweikämpfe. Das Publikum ist dann da. Da hat die Mannschaft defensiv wie offensiv gut miteinander gearbeitet, das hat man deutlich gespürt. Das war der Schlüssel.“ Er sei grundsätzlich auch immer kritisch, „aber ich muss sagen, selbst wenn unser erstes Tor von Muto nicht gefallen wäre, hätte ich trotzdem ein gutes Gefühl gehabt. Das Gegentor zur Leverkusener Führung ist zwar relativ einfach gefallen, aber wir haben trotzdem defensiv sehr ordentlich gestanden und viele Dinge umgesetzt. Leverkusen hat diese Offensivpower, da musst du in der Ordnung bleiben. Zur Halbzeit in der Kabine habe ich schon gemerkt, wie die Brust raus geht bei den Spielern nach Mutos Tor. Dann machen wir das 2:1 und plötzlich merkst du in jedem Zweikampf, wie das Zutrauen kommt. Die mentale Geschichte ist einfach der Schlüssel. Wenn du dir das Erfolgserlebnis holst, fällt es einfach leichter.“

"Wir genießen das heute"

Der 05-Trainer genoss den ersten Sieg, seinen ersten Erfolg als Bundesligatrainer in vollen Zügen. Der 3:1-Sieg ist für den 38-Jährigen die Bestätigung, dass Sandro Schwarz auf dem richtigen Weg ist, dass seine Mannschaft mit der von ihm vorgegebenen Spielweise Punkte holen und vor allem, dass sie in dieser Besetzung Torchancen erarbeiten und treffen kann. „Ich wusste, dass die Jungs Tore schießen können, das sehe ich jeden Tag im Training. Dass jetzt die Erleichterung darüber, dass wir jetzt einfach mal ein Ergebnis geholt haben, da ist und groß ist, ist doch klar. Weil das für uns als Gruppe wichtig ist. Der Sieg ist die Bestätigung, die Belohnung für das, was wir jeden Tag treiben. Wir genießen das heute“, sagte Schwarz. „Dementsprechend sind wir alle hochzufrieden mit der Art und Weise wie wir das Spiel gedreht haben. 3:1 gegen einen solchen Gegner zu gewinnen, fühlt sich großartig an.“

Mit einem artistischen Seitfallzieher erzielte Yoshinori Muto das 1:1 gegen Leverkusen und gab damit das Signal zur Wende. Foto: Ekkie VeyhelmannSich selbst und seinen ersten Bundesligaerfolg stellte der 05-Coach dabei eher in den Hintergrund. „Ich habe mir relativ wenig Gedanken darüber gemacht, wie ich mich fühle danach. Es ist für mich kein großer Unterschied gegenüber gewonnenen Spielen mit der  U19 oder der U23 festzustellen. Es ist immer großartig mit den Jungs Spiele zu gewinnen. Ich habe mir die ganze Woche darüber Gedanken gemacht, was wir investieren müssen um dieses Spiel gewinnen und eine gute Leistung abrufen zu können. Es ist ein großartiges Gefühl, vor allem für die Mannschaft, dass sie sich belohnt hat für den großen Aufwand und die Bereitschaft, die sie permanent an den Tag legt. Darüber freue ich mich. Zwei Spiele verlieren, wieder einen 0:1-Rückstand kassieren und dann so zurückzukommen, das ist das größte Kompliment heute für die Mannschaft.“

Für den 05-Trainer ereignete sich der Schlüsselmoment, der die Wende in dieser Partie herbeiführte, in der 24. Minute, zwei Minuten nach der Leverkusener Führung. Danny Latza verhinderte da mit einer großen Willensleistung im letzten Moment das scheinbar sichere 0:2, als der 05-Sechser im Vollsprint nach hinten lief und dem einschussbereiten Kevin Volland mit einer sauberen Grätsche den Ball vom Fuß spitzelte. Von einem Zwei-Tore-Rückstand hätten sich die Mainzer in dieser Partie gegen diesen Gegner wohl nicht mehr erholt. „Das war ganz klar ein Schlüsselmoment, das war eine Risenmentalität von Danny und es war ein Hallo-wach-Effekt“, betonte Schwarz. „Danach hat man gemerkt, dass es bei uns besser wurde. Zum wichtigen Zeitpunkt vor der Halbzeit haben wir das 1:1 gemacht und endlich den Torjubel gehabt. In der Pause haben wir schon gespürt, was das bedeutet, wie uns das aufbaut.“

Mit Beginn der zweiten Hälfte präsentierte sich dann eine völlig verwandelte 05-Elf gegenüber den ersten 20 Minuten dieser Partie. Ein Team, das zeigte, wie die neue Spielweise zum Erfolg führen kann. „Die zweite Halbzeit war großartig. Wir haben  von der ersten Sekunde an vorwärts verteidigt, waren sehr bissig, haben besser Fußball gespielt, uns Torchancen erarbeitet und zwangläufig zwei weitere Tore gemacht“, so der Coach. „Die erste Halbzeit war sehr schwer für uns. Wir hatten relativ wenige Balleroberungen. In den ersten 20 bis 25 Minuten hatten wir zu wenig Zutrauen in unsere Umschaltaktionen. Da hatten wir wieder zu viele einfache Ballverluste. Nach dem 0:1 wurde es noch einen Tick schwieriger. Trotzdem haben wir schon zu Beginn das Gefühl gehabt, dass wir gut verteidigen, wenig zulassen, obwohl der Gegner viel Ballbesitz hatte. Wenn dann aber die Dinge beginnen zu funktionieren, wirst du sofort mutiger. Man hat uns dann angesehen, dass wir von Minute zu Minute besser nach vorne gespielt haben. Wir hatten dann viele Läufe vor allem auf der Außenbahn, die wir brauchen in dieser Grundordnung. Die zweite Halbzeit war überragend von der Mentalität her.“

Die beiden Treffer bildeten diese Mentalität perfekt ab. Die Wucht, mit der sich Abdou Diallo in den Freistoß von Levin Öztunali stürzte und den Ball vor Torhüter Bernd Leno ins Netz köpfte, die Energie, mit der Daniel Brosinski und Öztunali den Ball im Leverkusener Strafraum abschirmten und für Suat Serdar auflegten, der das 3:1 erzielte. Oder wie Öztunali anschließend noch den langen Schlag von Diallo im Sechzehner aus der Luft pflückte und auf Pablo De Blasis spielte, dessen platzierten Schuss Leno gerade noch mit den Fingerspitzen um den Pfosten drehte und das 4:1 der Mainzer verhinderte. „Es war heute eine gute Kampfkraft bei uns drin, eine gute Dynamik und Energie, die Dinge in einem solch schwierigen Moment umzudrehen. Durch die vielen Balleroberungen in der zweiten Halbzeit, besonders in der gegnerischen Hälfte, haben wir viel Vertrauen in unsere Aktionen bekommen und ein gutes Offensivspiel aufgezogen“, sagte Schwarz.

Die ersten drei Punkte sind eingesackt. Die Mainzer haben sich mit diesem Erfolg neues Selbstbewusstsein geholt für die bevorstehende Englische Woche in der Bundesliga mit dem Auswärtsspiel beim FC Bayern und den zwei folgenden Heimspielen, am Mittwoch in acht Tagen gegen Hoffenheim sowie am Samstag danach gegen Hertha BSC. Dieser 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen vermittelt in Mainz ein wenig das Gefühl, dass die Saison jetzt richtig begonnen hat.

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