Schwarz fordert mehr Offensiv-Konsequenz

Christian Karn. Mainz.
Die Statistik, die ja auch nicht immer lügt, sagt: Der FSV Mainz 05 hat die schlechteste Zweikampfquote der Liga. Sandro Schwarz widerspricht nicht, mahnt aber zur Differenzierung: "In der hintersten Linie, auf den Sechser-Positionen und in der Arbeit gegen den Ball haben wir sehr ordentliche Zweikampfwerte. In der Offensiv-Ballbehauptung und den Offensivduellen müssen wir uns aber definitiv verbessern." Daher war es in der Vorbereitung auf das heutige Spiel gegen den Hamburger SV ein Trainingsschwerpunkt, die wieder deutlich vorhandene Struktur im Spiel der 05er auch mit offensiver Qualität zu füllen.

Der FSV Mainz 05 geht - weil gestern abend der VfB Stuttgart mit dem dramatischen 2:1 gegen Köln einen Sprung gemacht hat, gegen den sich die Konkurrenz erst im weiteren Verlauf des Wochenendes wehren kann - als Vierzehnter der Bundesligatabelle in die Partie gegen den HSV. Das ist nicht überragend gut, das ist auch keine Katastrophe. Die 05er haben, wenn man das 0:4 gegen die Bayern ausklammert, in sechs Spielen sieben Tore kassiert. Das ist okay. Sie haben sieben Tore geschossen, das ist auch okay. Das wäre noch mehr okay, wenn nicht fünf davon gegen Leverkusen und Hoffenheim gefallen wären, wenn nicht zwei bei einer Niederlage letztlich verschenkt gewesen wären. Das hängt zusammen, ist verbunden mit einer anderen Statistik, in der die 05er Tabellenletzter der Bundesliga sind: Kein anderer Erstligaklub hat eine so schlechte Zweikampfbilanz wie Mainz 05. Das klingt seltsam, angesichts der Eindrücke im Training und in den vergangenen Spielen. Und das ist nicht gut - aber auch nicht so dramatisch, wie es klingt.

"Man muss das differenziert betrachten", sagt Sandro Schwarz, insbesondere differenziert nach Positionen, vor allem differenziert nach Räumen. "Wir wissen", sagt der 05-Trainer, "dass wir Luft haben in den offensiven Zweikämpfen und in der Ballbehauptung." Nach simplen zählbaren Torbeteiligungen sind der Schleicher Yoshinori Muto (drei Tore, ein Elfmeterfoul) und der Flankenschläger Levin Öztunali (vier Vorlagen) in der Bundesliga angekommen, Pablo de Blasis hat immerhin sein Elfmetertor gemacht, die restliche Offensive war bisher wirkungslos. Die Aufbau- und Defensivspieler Danny Latza, Suat Serdar, Abdou Diallo haben sich um die übrigen Tore gekümmert, Brosinski ist mit der schiefen Flanke auf Muto beim 3:1 gegen Leverkusen neben den beiden Topscorern der einzige Vorlagengeber. Die 05er kamen bisher nicht so recht durch.

"Nimmst du eine andere Tabelle, in der es um Balleroberung geht, da sind wir dann im oberen Drittel dabei", sagt Schwarz. "Wir wissen auch, dass wir in der hintersten Linie, auf den Sechser-Positionen und in der Arbeit gegen den Ball sehr ordentliche Zweikampfwerte haben. Generell haben wir ein gutes Gefühl, wie die Jungs im Training die Zweikämpfe führen, auch über weite Strecken des Spiels. Wir müssen uns aber definitiv verbessern in der Zweikampfquote, was die Offensiv-Ballbehauptung angeht, die Offensiv-Zweikämpfe." Viktor Fischer (gut 180 Einsatzminuten), Alexandru Maxim (knapp 240), de Blasis (knapp 400), auch Robin Quaison, der in der Vorbereitung aufs HSV-Spiel stark trainierte (gut 200), auch Öztunali (über 450) und Muto (über 540) müssen zulegen, um die wieder deutlich vorhandene Struktur im Spiel mit offensiver Qualität zu füllen.

Die Offensive ist es, die die Mainzer Zweikampfwerte in den Tabellenkeller reißt. Soweit sie in der Länderspielpause anwesend waren, haben die 05er das im Training intensiv eingeübt; aus dem erweiterten Stammspielerkreis gefehlt haben nur Viktor Fischer und Yoshinori Muto. Foto: Veyhelmann"Wir haben alle das Gefühl, wir könnten mit mehr Konsequenz im Offensivspiel mindestens drei Punkte mehr haben", sagt Schwarz. "Das ist grundsätzlich gut." Laufwege in den Strafraum hinein, Pässe für Torschüsse, konsequenter Druck aufs gegnerische Tor waren daher Schwerpunkte in der Länderspielpause. "Das kann man ganz klar trainieren, um eine höhere Wiederholungszahl zu kriegen", erklärt Schwarz. "In den letzten Spielen haben wir das schon gut gemacht, aber da gibt es noch Entwicklungspotenzial." Der Trainer relativiert jedoch: "Man muss klar sagen, dass es das schwierigste Thema überhaupt ist, gegen einen tiefstehenden Gegner im letzten Drittel Torchancen zu kreieren. Wir sind sicher nicht die einzige Mannschaft in der Liga, die da Entwicklungspotenzial hat."

Gegen den HSV hat in den vergangenen Wochen bis auf Werder Bremen jeder genug Chancen für einen letztlich nicht gefährdeten Sieg kreiert. "Daraus leiten wir aber nicht ab, dass Qualität bei ihnen fehlen könnte", warnt Schwarz. "Wir gehen erst einmal von der bestmöglichen Leistung des HSV aus. Wir wissen, dass sie vorne eine gute Qualität haben, auch wenn sie zuletzt das Tor nicht getroffen haben. Ich gehe davon aus, dass sie für sich in Anspruch nehmen, nach Mainz zu fahren, und für sich ein Wendespiel ausrufen" - tatsächlich hat der Vorstandschef Heribert Bruchhagen genau dies getan. "Da gilt es für uns, wachsam zu sein", fordert Schwarz. "Der HSV hat eine gute Struktur in der Arbeit gegen den Ball, ist aggressiv aus der Vorwärtsverteidigung heraus und versucht, schnell umzuschalten."

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