Selbstkritik in tiefer Nacht

Jörg Schneider. Mainz.
Die bittere 0:2-Niederlage bei Hertha BSC Berlin, die wehrlos und chancenlos vergebene Chance, diese Bundesliga-Vorrunde nicht nur mit einem guten, sondern mit einem außerordentlich guten Ergebnis abzuschließen, wirkt beim FSV Mainz 05 immer noch nach. Christian Heidel und Martin Schmidt vertraten am Montag in einer Medienrunde am Bruchweg die Auffassung, dass diese schwache Vorstellung psychische Gründe haben müsse. „So schlecht, wie wir in Berlin gespielt haben, sind wir nicht“, sagte der 05-Trainer.

Abschlussgespräch mit den Medien bei Kaffee und Weihnachtsstollen: Martin Schmidt und Christian Heidel zogen am Bruchweg Bilanz. Die nullfünfMixedZone berichtet in den nächsten Tagen ausführlich. Foto: Jörg SchneiderNach der Rückkehr aus Berlin gingen am Mainzer Bruchweg mitten in der Nacht noch einmal die Lichter an. Der komplette Kader des FSV Mainz 05, also auch diejenigen, die beim Vorrunden-Finale in der Hauptstadt nicht dabei waren, musste zur letzten offiziellen Arbeitseinheit antreten. Die Vermutung könnte nahe liegen, dass dies eine Strafaktion für die enttäuschende Vorstellung der Mannschaft bei der 0:2-Niederlage am Nachmittgag bei Hertha BSC war. Doch dieser ungewöhnliche Abschluss des Fußballjahres für die 05-Profis war aufgrund der Kürze der Ferien (bis zum 2. Januar) von langer Hand geplant.

„Jeder Spieler hat sein Trainingsprogramm für die Pause erhalten, Christian Heidel hat ein paar Worte an die Mannschaft gerichtet. Danach ging’s zur Regeneration, zur Massage und zur medizinischen End-Kontrolle. Ab halb eins war dann für alle Urlaub“, berichtete Martin Schmidt am Montagmittag. Der 05-Trainer und der Manager sprachen da in einer kleinen Medienrunde noch einmal über das denkwürdige Berlin-Spiel und die nun zu Ende gegangene Vorrunde. Danach verabschiedeten sich auch die sportlichen Leiter in die Weihnachtsferien.

Die Stimmung in tiefer Nacht sei nicht sonderlich gut, aber „vernünftig und einsichtig“ gewesen, sagte Heidel. „Ich glaube, die Spieler waren selbst am meisten enttäuscht von sich selbst. Kein Spieler geht in so ein Spiel rein, um sich derart chancenlos gegen Hertha BSC zu präsentieren. Aber wenn bei uns überall einige Prozente fehlen, reicht es einfach nicht.“ Sowohl der Manager als auch der Coach grübelten über die Ursachen dieses fast kollektiven Versagens der Mannschaft. „Sie wollten, aber sie haben nie das gegeben, was sie geben können. Und dann hast du keine Chance“, sagte Heidel. „Schade, wenn man so etwas am Ende einer guten Vorrunde resümieren muss. Das passiert uns eigentlich selten. Jetzt war das so.“ Ob es eine Kopfgeschichte war, ob es im Glauben geschah, man könne nach sechs ungeschlagenen Auftritten so etwas locker angehen oder ob das Team bereist mit den Gedanken im Urlaub war? „Keine Ahnung“, sagte der 52-Jährige. „Die Jungs wissen selbst, dass es keine richtige Entschuldigung dafür gibt. Sie waren selbstkritisch, aber wenn es dann passiert ist, ist das auch zu spät.“

Deshalb fiel die Gesamtbilanz dieser abgelaufenen Halbserie am Ende nicht ganz so euphorisch aus, wie sich das vor dem Auftritt in der Hauptstadt alle ausgemalt hatten. „Aber wir haben in diesem Jahr unter der Leitung von Martin Schmidt 46 Punkte eingefahren. Damit sind wir das achtbeste Team der Liga. Wir stehen jetzt mit 24 Zählern auf Platz acht. Das ist mehr als anständig. Damit können wir alle zufrieden sein. Deshalb habe ich mich auch bedankt bei der Mannschaft. Es war dann doch ein außergewöhnlich gutes Jahr für Mainz 05. Ich muss Martin ein riesengroßes Kompliment dafür machen. Wir können jetzt trotzdem mit einem guten Gefühl in die verdiente Pause gehen“, betonte der Manager.

Für den Trainer war die erste Hälfte in Berlin im Prinzip nicht mal so viel schlechter als die kürzlich beim 3:1-Sieg in Hamburg. „Beim HSV hatten wir drei Konter und haben ein Tor gemacht. Diesmal hatten wir drei gute Balleroberungen, haben aber die Konter nicht so effizient wie in Hamburg ausgespielt. Da wurde es schwierig bei dem guten Spiel der Hertha. Deren Sicherheit hat uns zunehmend verunsichert“, erklärte Schmidt. In der zweiten Hälfte sei es etwas besser geworden, aber ein individueller Fehler habe erneut den Konter-Gegentreffer gebracht. „Wir waren zu ungefährlich, um die Berliner mit deren Einstellung zu schlagen.“

Die Erklärung für diese Vorstellung sei sicherlich in der Psyche der Spieler zu suchen. „Von irgendetwas träumen, was noch nicht da ist, kann hemmen. Doch der Gegner hat dieselben Gedanken und bei denen ging’s“, sagte der 48-Jährige. „So schlecht, wie wir in Berlin gespielt haben, sind wir nicht.“ Das Ganze zeige jedoch auch, dass die Mannschaft mental noch nicht soweit sei, um wirklich als Tabellenfünfter in die Pause gehen zu können. „Deshalb sind wir jetzt sicher passend auf Platz acht, wo wir von unseren Möglichkeiten her auch einzuschätzen sind.“

Wie es weitergeht am Bruchweg im neuen Jahr, an welchen Inhalten der 05-Trainer mit seinem Kader in der Vorbereitung arbeiten wird, wie Heidels Kaderplanungen im Winter aussehen und vieles mehr über die abgelaufene Vorrunde der 05er lesen Sie in den kommenden Tagen in der nullfünfMixedZone.

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