Serdar bangt, Huth sagt ab

Christian Karn. Mainz.
Suat Serdar muss mit der U20-Nationalmannschaft noch um den Einzug ins WM-Viertelfinale bangen. Nach einer 3:0-Führung gegen Vanuatu fielen noch zwei Gegentore, derentwegen die deutsche Auswahl abwarten muss, ob sie einer der vier besten Gruppendritten wird. Unterdessen musste Jannik Huth die Teilnahme an der U21-EM absagen. Beim Torwart des FSV Mainz 05 wurde eine Ermüdungsfraktur diagnostiziert.

Jannik Huth sagt ab

Jannik Huth muss auf die Teilnahme an der U21-Europameisterschaft verzichten. Der Torwart des FSV Mainz 05 leidet an einem Ermüdungsbruch im linken Schienbein. Bei konservativer Behandlung rechnen die 05er mit einer Verletzungspause von sechs Wochen, damit würde Huth auch den Vorbereitungsbeginn verpassen.

Grundsätzlich könnte man auf die Idee kommen, der deutsche Fußball müsse mal wieder ein paar Verteidiger ausbilden. Es lag am verträumten Abwehrverhalten, dass aus einem entstehenden klaren Sieg der U20-Nationalmannschaft gegen Vanuatu nochmal eine knappe Sache wurde, knapp genug, dass die Nachwuchsmannschaft mindestens bis morgen um einen Platz im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Südkorea bangen muss. 3:2 schlug die Mannschaft um Suat Serdar den Ozeanier. Ein 3:1 hätte die DFB-Elf punkt- und torgleich mit Mexiko auf den zweiten Platz gesetzt; nach dem 0:0 im direkten Duell hätte die Kartenstatistik wieder den Ausschlag für die Mexikaner gegeben. Ein 3:0 oder ein 4:2 hätte gereicht, um als Zweiter definitiv dabei zu sein. Statt dessen muss die deutsche Mannschaft nun hoffen, keiner der zwei schlechtesten Gruppendritten zu sein. Das sollte allerdings klappen. Argentinien als Dritter der Gruppe A hat sich in der Rangliste schon hinter den Deutschen einsortiert und die gute Nachricht wird wahrscheinlich spätestens übermorgen aus der Gruppe E kommen.

Dass das fehlende Tor Serdars Schuld ist, ist jedoch eine zu oberflächliche These. Der Elfmeter, den der Profi des FSV Mainz 05 in der 39. Minute verschoss, wäre das 3:0 gewesen, das später ohnehin fiel. Wie sich das Spiel weiterentwickelt hätte, hätte der vanuatuische Torwart Dick Taiwia Serdars laschen und unplatzierten Schuss nicht abgewehrt, kann bestenfalls spekuliert werden.

Es wäre die zweite und dritte Torbeteiligung des 05ers gewesen. Serdar war zum Elfmeter gefoult worden, was der Schiedsrichter Walter López aus Guatemala selbst nicht erkannt, der Fernsehbeweis aber nachgewiesen hatte. Zuvor hatte der Mainzer das 2:0 vorbereitet. Nach einem Einwurf hatte er sich auf der rechten Seite geschickt gegen den letzten Verteidiger durchgesetzt, kurz vor dem Torwart den Querpass auf Fabian Reese gespielt. Und für den Karlsruher war's einfach, das leere Tor zu treffen (32.). Zuvor hatte das deutsche Team trotz aller Dominanz lange auf die Führung warten müssen. Nach einigen vergebenen Chancen traf Malcolm Badu erst in der 27. Minute zum 1:0. Der Wolfsburger leitete das Tor selbst ein; seinen harten Schuss wehrte der vanuatuische Torwart Dick Taiwia vor die Füße des Hoffenheimers Philipp Ochs ab, der wiederum Badu den Treffer auflegte.

Suat Serdar (rechts) war mit einer Torvorlage, einer Tor-Einleitung, einem verschossenen Elfmeter und einem Foul zum Gegentor einer der auffälligsten Spieler im U20-Nationalteam. Foto: imago

Mexiko lag bereits gegen den Gruppensieger Venezuela 0:1 zurück. Bei dem Spielstand fehlte der deutschen Mannschaft noch ein Tor. Das leitete Serdar in der 50. Minute ein; der Düsseldorfer Emmanuel Iyoha traf nach der Kombination über Badu und Reese. Platz 2 also in der Live-Tabelle - für drei Minuten. Denn schon in der 53. brachte der Torwart Svend Brodersen (FC St. Pauli) mit einem nicht gerade klugen Pass ins Zentrum Benedikt Gimber in Bedrängnis. Alles "Hintermann! Hintermann!"-Geschrei von der Bank war zwecklos; der Karlsruher Innenverteidiger verlor den Ball. Gimber konnte sich nicht zwischen zwei Angreifern entscheiden und erstarrte weit weg von jedem Gegenspieler. Der Rechtsverteidiger Dominik Schad (Fürth) hatte sich zuvor beim Rückpass auf Brodersen an der Eckfahne angeboten und es versäumt, wieder aufzurücken, hob damit das mögliche Abseits auf. Und weil auch Gimber nach dem viel zu lang gespielten Pass auf Kalo abschaltete, war keiner mehr da, der noch hätte eingreifen können, als Brodersen den Ball durchrutschen ließ und Kalo bloß noch abstauben musste.

Es war das typische schlafmützige, schlampige Abwehrverhalten, das sich durch die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften zieht. Die Mainzer Jugendabteilung freilich hätte wenig zu einer besseren Abwehr beitragen können; bereits in der Saison 2015/16 hatte 05-Trainer Thomas Krücken die beiden Positionen auf der rechten Abwehrseite mit dem hoch veranlagten Jayson Breitenbach und dem Innenverteidiger Fabian Grau besetzt - beide Jahrgang 1998. Beide noch in der U19, ein Jahrgang unter dem WM-Kader.

Das 3:2 in der 77. Minute wiederum hatte seinen Ursprung in Mainz. Serdar hätte den Torschützen ein paar Meter vor dem Strafraum nicht foulen müssen, die Situation war nicht allzu gefährlich. Wieder schoss der Gefoulte selbst und er machte es besser als Serdar, schnickte den Ball mit viel Gefühl über die Mauer ins lange Eck. Eine letzte Chance gab es noch in der Nachspielzeit, Iyoha aber schoss aus spitzem Winkel über das Tor. Und trotz klarer Überlegenheit und trotz klarer Führung kurz nach der Halbzeit müssen Serdar und seine Kollegen noch bis mindestens morgen warten, ehe sie wissen, ob es fürs Viertelfinale reicht.

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