Serdar ist der Routinier

Christian Karn. Mainz.
Es ist ja nicht so, dass der Jahrgang 1997 keine guten Fußballer hervorgebracht hätte. Das Problem für Bundestrainer Guido Streichsbier ist nur, dass die meisten keine Zeit haben für die U20-Weltmeisterschaft, die am Samstag beginnt. Die halbe Mannschaft bekam von ihren Vereinen keine Freigabe, weil die Spieler noch im Abstiegskampf oder im Aufstiegsrennen gebraucht werden. Suat Serdar ist einer von ihnen; der Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 musste zunächst am Bruchweg bleiben, durfte aber nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt der Rumpfmannschaft hinterherfliegen und ist nun der erfahrenste Profi im Kader.

Suat Serdar hat zweigleisig planen müssen. Der Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 war vor einer Woche von Bundestrainer Guido Streichsbier ins U20-Nationalteam nominiert worden, aber die 05er hatten ihm die Freigabe erst einmal verweigert. "Wir freuen uns für Suat", hatte 05-Sportdirektor Rouven Schröder in der vergangenen Woche erklärt. "Die Nominierung ist eine Riesen-Wertschätzung, aber im Moment werden alle Spieler gebraucht. Wir wollen ihm nichts verbauen, haben aber eine Verpflichtung dem Verein gegenüber. Wir sind im Austausch mit dem DFB und hoffen, Suat schnellstmöglich nachzusenden." Der Sieg gegen Eintracht Frankfurt erlaubte es den 05ern, den Mittelfeldspieler gemeinsam mit neun weiteren Spielern rechtzeitig zum WM-Beginn der ersten kleinen DFB-Delegation nach Südkorea nachreisen zu lassen.

Suat Serdar ist mit 20 Bundesligaspielen und einer Handvoll Europapokal-Einsätzen der erfahrenste Profi im U20-Nationalteam. Foto: imago"Es ist ein enormer Kraftakt, einen Kader für das wichtigste Turnier dieser Altersklasse zu nominieren, wenn die Spieler zeitgleich bei ihren Vereinen in der entscheidenden Saisonphase benötigt werden", sagt der DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. "Das zeigt allerdings auch den gestiegenen Stellenwert unserer Talente. Wir sind in höchstem Maße auf die Bedürfnisse der Vereine eingegangen, obwohl wir davon überzeugt sind, dass die Teilnahme an einer U20-WM die Spieler in ihrer Entwicklung extrem fördert."

21 Spieler aus dem Jahrgang 1997 durfte Streichsbier für das Turnier nominieren, das bereits am Samstag beginnt. Was dabei herausgekommen ist, sieht nicht aus wie ein Team, mit dem man den Titel gewinnt. Serdar ist mit 20 Bundesligaspielen und einer Handvoll Europapokal-Einsätzen der erfahrenste Spieler im Kader. Maximilian Mittelstädt ist weit vorne dabei, der Berliner Linksaußen mit seinen 15 Bundesligaspielen, sowie sein Vereinskamerad Jordan Torunarigha (7x Bundesliga), der Hoffenheimer Philipp Ochs (16x Bundesliga), der Verteidiger Frederic Ananou von Roda Kerkrade (18x Eredivisie), der Wolfsburger Jannes Horn (13x Bundesliga), aber auch eine Reihe von Spielern ohne jede Erfahrung in den Profiligen wie die Torhüter Svend Brodersen (St. Pauli), Moritz Nicolas (Gladbach) und Dominik Reimann (Dortmund) oder der Ex-05er Törles Knöll, der im Drittligateam der 05er wohl keine Perspektive gehabt hätte, im Regionalligateam des HSV immerhin 17 Tore geschossen hat. Der Mainzer Torwart Florian Müller hat immerhin eine Menge Drittligaerfahrung, wäre sicherlich Stammtorwart im Turnier geworden, ist aber seit Monaten verletzt.

Und nicht alle werden das erste Spiel der deutschen Elf am Samstag gegen Venezuela bestreiten können. Horn beispielsweise ist Stammspieler in Wolfsburg, muss am letzten Spieltag gegen den HSV noch ein entscheidendes Spiel überstehen und kommt nur nach, wenn der VfL nicht in die Relegation muss. Auch der Düsseldorfer Emmanuel Ihoya, auch Florian Neuhaus von München 1860, auch Torunarigha haben keine Freigabe für die pünktliche Abreise bekommen und kommen entweder nach oder nicht. Mittelstädt durfte fliegen, weil die Berliner genug Alternativen für seine Position im Kader sahen.

Das Team, das Streichsbier zum Auftakt zur Verfügung steht, wird um 7 Uhr morgens deutscher Zeit gegen die erstmals seit 2009 qualifizierten Venezolaner, die immerhin vier A-Nationalspieler mitbringen, schon eine unangenehme Aufgabe zu lösen haben. Im zweiten Gruppenspiel am Dienstag, 13 Uhr, gegen Mexiko wird es nicht leichter. Dritter Gruppengegner ist am Freitag, 10 Uhr, Vanuatu.

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