Sereno geht ohne Pflichtspiel

Christian Karn. Mainz.
Gekommen ist Henrique Sereno vor einem Jahr als dritter Innenverteidiger des FSV Mainz 05. Tatsächlich war der Portugiese oft verletzt, fast nie im Kader, der Innenverteidiger Nummer fünf. Die 05er haben nun den ursprünglich bis 2017 laufenden Vertrag mit Sereno vorzeitig aufgelöst.

Im Winter sah es mal so aus, als könne der FSV Mainz 05 mit Henrique Sereno doch etwas anfangen. In der Hinrunde war der portugiesische Innenverteidiger in aller Regel verletzt, im Trainingslager in Marbella jedoch zeigte der Routinier, dass er nicht nur Lückenfüller sein wollte. In den Testspielen gegen Standard Lüttich und den Club Brügge überzeugte Sereno jeweils eine Halbzeit als rechter Außenverteidiger mit klarem, energischem Defensivspiel, mit Drang nach vorne, mit guter Technik, mit Vorlagen - und auch in der Hauerei gegen Standard, die fast zum Spielabbruch geführt hatte, als entschlossener Verteidiger seiner Farben.

Gegen den Club Brugge deutete Henrique Sereno an, in der Rückrunde eine Rolle spielen zu können. Daraus wurde am Ende aber gar nichts. Foto: imagoWeitergebracht hat das den Portugiesen: gar nicht. Bis dahin hatte er einmal auf der Bank gesessen, in der Rückrunde immerhin zweimal - und vielleicht hätte man ihn gegen den 1. FC Köln, seinen Ex-Klub, bringen sollen, vielleicht hätte er dazu beitragen können, die Katastrophe (2:3 nach 2:0) zu verhindern. Die Saison 2015/16 aber ging zu Ende ohne einen einzigen Pflichtspieleinsatz des ehemaligen Nationalspielers (zwei Einsätze), den die 05er im vergangenen Sommer als Nachfolger Nikolce Noveskis aus der Türkei von Kayserispor geholt haben - oder aus dem Probetraining bei Darmstadt 98.

Die Erwartungen an Sereno waren nicht riesengroß, schließlich hatte auch Noveski, der Veteran, der Kapitän, der Bundesliga-Rekordspieler der 05er im Jahr zuvor keine ernsthafte Rolle mehr gespielt. Immerhin: „Er wollte unbedingt in die Bundesliga, denn sein Ziel ist die EM im nächsten Jahr. Er glaubt, dass seine Chancen auf eine Nationalmannschafts-Nominierung bei uns am größten sind“, sagte damals Christian Heidel. "Wir bringen ihn in zwei Wochen auf Vordermann." Und - in Bezug auf Serenos Ruf als oft verletzter Spieler: „Der Junge ist nicht verletzt. Das war eher eine Verletzung seines Bankkontos.“ Kayserispor sei mit den Gehaltszahlungen weit im Rückstand gewesen.

Aber auch aus der Rolle als Nummer 3 wurde nichts: Dreimal musste in der Hinrunde Stefan Bell oder Niko Bungert ersetzt werden. Das erledigten Leon Balogun und Alexander Hack, der aus der zweiten Mannschaft in die Bundesliga gezogen wurde. In der personell turbulenteren Rückrunde kamen die 05er ebenfalls mit diesen vier Innenverteidigern aus; Sereno war nicht nur auf seinem Trikot, sondern auch auf seiner Position die Nummer 5.

Und darum geht er jetzt. „Aufgrund seiner persönlichen Bilanz in der vergangenen Saison und der fehlenden Perspektive im Kader haben wir uns auf die Auflösung des Vertrages geeinigt“, sagt 05-Sportdirektor Rouven Schröder. Nach Loris Karius und Julian Baumgartlinger sowie dem Sonderfall Elkin Soto ist der Portugiese der vierte Abgang der 05-Profis. Dem steht neben den diversen zurückkommenden Leihspielern (Maximilian Beister, Besar Halimi, Todor Nedelew, Daniel Schahin, Niki Zimling - bis auf höchstens Halimi dürfte auch diesen die Perspektive fehlen) als bisher einziger Neuer der Braunschweiger Gerrit Holtmann gegenüber.

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