Sieben Niederlechner-Tore für den guten Zweck

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat einen neuen Rekord aufgestellt und für den guten Zweck den höchsten Sieg der Vereinsgeschichte eingefahren: Die Mannschaft von Martin Schmidt siegte im Benefizspiel in Flonheim mit 27:1 (16:0) gegen TuS Framersheim. Die Einnahmen aus diesem Benefizspiel vor 4183 Zuschauern kommen der Gemeinde Framersheim zugute, die vor einer Woche bei einem Unwetter schwere Verwüstungen erlitten hatte. Es sei eine Selbstverständlichkeit für seinen Verein, in einer solch extremen Notsituation in der Nachbarschaft zu helfen, sagte 05-Präsident Harald Strutz.

Neuzugang Florian Niederlechner war mit sieben Treffern der herausragende Mainzer Torschütze beim Benefizspiel in Flonheim. Foto: Mainz 05Den bisherigen Rekord in einem Testspiel stellte ein Team des FSV Mainz 05 im Jahr 2003 auf. Damals gewann die Zweitliga-Mannschaft vom Bruchweg mit 25:0 bei der FVgg Mombach 03. Nun haben Martin Schmidt und dessen Team eine neue Bestleistung in der Vereinsgeschichte aufgestellt. Mit 27:1 gewann der Bundesligist am Dienstagabend im Flonheimer Adelbergstadion gegen die A-Klassen-Elf von TuS Framersheim. Kurios dabei: Der aus der B-Klasse aufgestiegenen Mannschaft gelang in der 90. Minute sogar das Ehrentor. Im Anschluss an eine Ecke staubte Marcel Spindler aus kurzer Distanz ab und durfte sich als Triumphator vom Publikum feiern lassen.

Obwohl die Partie für die 05-Profis die dritte Trainingseinheit des Tages darstellte, taten die Bundesliga-Profis alles, um diesem Benefizspiel beste Unterhaltung beizusteuern. 16:0 führten die Mainzer zur Pause. Florian Niederlechner erzielte dabei sieben Treffer und war der herausragende Torschütze für den Bundesligisten. Auch Neuzugang Yoshinori Muto gelang das erste Tor für seinen neuen Klub. Lucas Höler vom Mainzer Drittliga-Team, der nach einer guten halben Stunde für den verletzten Philipp Klement eingewechselt worden war, kam auf stattliche vier Treffer. Jairo und Maximilian Beister waren dreimal erfolgreich.

TuS Framersheim - FSV Mainz 05 1:27 (0:16)

Dienstag, 14. Juli 2015, 4.183 Zuschauer.

FSV Mainz 05, 1. Hälfte: Zentner - Brosinski, Bungert, Hack, Park - Latza, Frei - Jairo, Klement (38. Höler), Muto - Niederlechner.

2. Hälfte: Huth - Schilk, Moritz, Bell, Bengtsson - Baumgartlinger, Serdar - Clemens, Nedelew, Beister - Höler.

Tore: 0:1 Frei (2.), 0:2 Niederlechner (17.), 0:3 Niederlechner (19.), 0:4 Frei (21.), 0:5 Jairo (23.), 0:6 Brosinski (27.), 0:7 Muto (29.), 0:8 Niederlechner (30.), 0:9 Klement (32.), 0:10 Niederlechner (35.), 0:11 Niederlechner (38.), 0:12 Jairo (39.), 0:13 Niederlechner (40.), 0:14 Jairo (42.), 0:15 Niederlechner (43.), 0:16 Höler (45.), 0:17 Beister (54.), 0:18 Bell (59.), 0:19 Höler (61.), 0:20 Höler (64.), 0:21 Moritz (65.), 0:22 Höler (68.), 0:23 Beister (71.), 0:24 Beister (72.), 0:25 Clemens (74.), 0:26 Bell (76.), 0:27 Serdar (86.), 1:27 Spindler (90.).

Der sportliche Aspekt spielte allerdings an diesem Abend nur eine untergeordnete Rolle. Dafür waren die Leistungsunterschiede zu groß und der Zweck ein anderer. Die 05er waren nach Flonheim gekommen, um mit ihrem Auftritt der Framersheimer Bevölkerung zu helfen, in deren Gemeinde vergangene Woche ein Sturm Verwüstungen in Millionenhöhe angerichtet hatte. 4183 Zuschauer sorgten mit ihrem Kommen dafür, dass die Veranstaltung in jeder Beziehung ihren Sinn erfüllte. „Wir haben die Begeisterung hier gesehen. Daran teilzuhaben macht nicht nur mir große Freude, sondern auch dem Team“, sagte der 05-Trainer nachher.

„Es war eine spontane Idee, zu sagen, wo wir helfen können, da wollen wir helfen. Es ist eine Selbstverständlichkeit für uns als Verein, der in unmittelbarer Nähe zu Hause ist, dann, wenn eine solch extreme Notsituation auftritt, allen Menschen, die in Framersheim betroffen sind, zu helfen“, betonte Harald Strutz. Der 05-Präsident war beeindruckt von der großen Resonanz. „Ich finde es großartig, dass so viele Leute gekommen sind. Man hat damit gerechnet, dass bis zu 3000 Zuschauer kommen würden. Ich habe aber gehört, es sind viel mehr. Das ist eine tolle Sache. Auch für unsere Spieler, die mal miterleben können, was dieser Fußball für die Region und die Menschen hier bedeutet.“ Framersheim hat knapp 1600 Einwohner. Fast dreimal so viele kamen zum Spiel ins benachbarte Flonheim, wo die Partie über die Bühne gehen musste, weil der heimische Platz vom Sturm ebenfalls verwüstet worden war.

Der Bundesligist hatte einen Tag nach dem schlimmen Unwetter seine Hilfe angeboten. „Wir haben sofort dort angerufen, nachdem wir die Bilder aus Framersheim gesehen hatten, und gefragt, ob sie gegen uns spielen wollen“, berichtete Christian Heidel. „Man sieht, wie gut diese Aktion angekommen ist. Und damit ist im Endeffekt alles erfüllt, was wir wollten“, so der 05-Manager. „Ich finde es überragend, wie schnell und toll die Verantwortlichen alles organisiert haben und wie gut alles abgelaufen ist. Ich weiß aus Erfahrung, dass dies nicht leicht ist. Wenn jetzt eine schöne Summe zusammen kommt und die Solidarität der Menschen vielleicht noch größer wird, dann haben wir alles erfüllt bekommen, was wir uns vorgestellt haben. Hier geht es einfach darum zu helfen. Wir sind ein Teil dieser Region, deshalb war es für uns eine Pflicht, heute Abend hier zu sein.“

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite