So wichtig wie die Luft zum Atmen

Jörg Schneider. Mainz.
Die Aufgabenstellung ist klar sechs Spieltage vor dem Saisonende in der Bundesliga: Der FSV Mainz 05 will und muss am Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin in der Opel Arena (15.30 Uhr) die Trendwende im Abstiegskampf einleiten. Die Zuversicht, dass dieses Vorhaben nach fünf Niederlagen in Folge auch gelingt, ist ungebrochen bei allen Beteiligten. Die Mainzer Hoffnungen stützen sich nicht zuletzt auch auf die Auswärtsschwäche des Gegners: Der Tabellenfünfte hat in diesem Jahr alle seine sechs Spiele in fremden Stadien verloren.

Im Prinzip ist alles oft genug gesagt und wiederholt worden. Rouven Schröder erklärte in der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag, er wisse selbst, dass sich alle Erklärungen, Deutungen der Situation und die Beteuerungen, dass jetzt der Zeitpunkt für die Wende gekommen sei, anhörten, wie eine Kassette, die immer wieder neu abgespult werde. Doch der Sportdirektor des FSV Mainz 05 vertritt die felsenfeste Überzeugung, dass diese Partie am Samstag in der Opel Arena der erste Schritt sein wird zur Verbesserung der Situation. Dass die 05-Profis im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin den so dringend benötigten Sieg einfahren. Weil die Mannschaft lebe, weil sie die entsprechenden Signale aussende, weil sie kämpfe, die nötige Qualität dafür habe und weil sie jetzt einfach mal dran sei, wie der 41-Jährige kategorisch erklärt.

Die Partie gegen die Leipziger dient den 05ern als Vorbild für das Heimspiel gegen Hertha BSC. Bojn Krkic könnte gegen die Berliner wieder in die Startelf rücken. Foto: Ekkie Veyhelmann Sechs Spiele vor Ultimo und angesichts der prekären Tabellensituation im Abstiegskampf sowie der Tatsache, dass die Mainzer eine Woche nach der Hertha-Partie beim FC Bayern München auf der Matte stehen, wo man nicht von vornherein und unbedingt mit einem Erfolgserlebnis rechnen kann und sollte, braucht das Team von Martin Schmidt diese drei Punkte im eigenen Stadion so dringend wie die Luft zum Atmen. Die 05er stehen vor diesem 29. Spieltag dank des besseren Torverhältnisses auf Platz 15 - punktgleich mit dem FC Augsburg und von hinten drängt der FC Ingolstadt, der durch seine drei Siege in Serie bis auf einen Zähler herangerückt ist. Die Ingolstädter fahren am Samstag zum VfL Wolfsburg der mit 30 Punkten einen Zähler besser als die 05er dasteht. Augsburg erwartet zu Hause den 1. FC Köln. Eine Woche später, wenn die Mainzer zu Gast in München sind, muss der FCA nach Frankfurt, die Ingolstädter erwarten Werder Bremen. So viel zu Tabelle und Spielplan, die alle Beteiligten selbstverständlich im Auge haben, auch wenn sie versuchen und es immer wieder betonen, das Ganze auszublenden. Nach fünf Niederlagen in Folge brauchen die 05er jedoch ohnehin nicht auf die Konkurrenz zu schauen, sondern müssen erst einmal alles dafür tun, ihre eigene Geschichte zu regeln. An Optimismus mangelt es dem Trainer grundsätzlich nicht. Davon zeugt schon die Bewertung seines 50. Geburtstages, den der Schweizer am Mittwoch feierte und mit dem Satz kommentierte: „Das halbe Leben ist vorbei.“ Für eine große Feier fehlte dem 05-Trainer in der momentanen Lage der Sinn. Schmidt stürzte sich in dieser Woche in die Arbeit. Gestützt durch das klare Bekenntnis der Klub-Verantwortlichen, die dem Coach das Vertrauen aussprachen. Im Tagegeschäft habe das wenig verändert, sagt Schmidt. „Wir können nur etwas ruhiger arbeiten ohne mediale Störgeräusche. Aber wir haben dadurch keinen Punkt mehr und nichts gewonnen. Wir haben jedoch alle zusammen neuen Mut, neue Hoffnung. Das Team, der Verein und die Stadt rücken zusammen. Wir spüren das. Wir sind kämpferisch mit großem Glauben daran, dass wir das Ding drehen und am Samstag den ersten Schritt dafür tun, aus dieser Misere rauszukommen. Wir wissen, was ansteht und was von uns verlangt wird. Jeder will das wettmachen, was in den letzten Spielen passiert ist. Wir haben den Gegner sehr gut analysiert, wissen, wo er verletzbar ist und werden da zuschlagen.“

Hertha: Probleme in fremden Stadien

Herthas Probleme in fremden Stadien sind bekannt. Das Team von Pal Dardai hat die vergangenen sieben Auswärtsspiele verloren, sechs davon in diesem Kalenderjahr. „Das ist eine Konstellation, die sehr viel Spannung in dieses Spiel bringt. Wir bereiten uns vor und stellen uns darauf ein, wie sich der Gegner auswärts präsentiert und werden alles tun, um dagegenzuhalten“, betont Schmidt. „Ich weiß nicht genau, wie sie sich mit uns befassen und welche Herangehensweise sie wählen. Wir haben einen Plan, mit dem wir ins Spiel gehen. Sollte der Gegner was anderes machen, steht ein weiterer Plan bereit für unser Spiel. Wir wollen aber unseren Plan umsetzen und ins Spiel reinhauen. Ich glaube kaum, dass ein Team wie Hertha ganz aus seiner spielbestimmenden Rolle raus kann. Sie haben den Ball, sie haben den Ball gerne und auch die Spieler dazu. Wir werden darauf gefasst sein, welche Herausforderungen sie uns stellen.“

Die ganz große Überzeugung sollten die auswärtsschwachen Berliner nicht von Beginn an mitbringen. Die Aufgabe der 05-Profis ist es sicherzustellen, dass der Gegner im Laufe des Spiels nicht an Überzeugung dazugewinnt. Durch eine konzentrierte, entschlossene, kämpferische, läuferische Herangehensweise von der ersten Minute an. Mit gewonnenen Zweikämpfen, mit Balljagd und Pressing, mit schnellen zielgerichteten Umschaltzügen. Mit Aktionen, die das eigene Publikum mitnehmen und die Angelegenheit für den Gegner ungemütlich machen. Und auch mit klarem Kopf, Verstand und gesteigerter Qualität im eigenen Spielaufbau, wenn die Phasen kommen, in denen de 05er einen tiefstehenden und eng gestaffelten Berliner Defensivblock bespielen müssen. Die Partie gegen RB Leipzig dient da als Vorlage. „Dieses Spiel  hat uns richtungsweisend aufgezeigt, was unser Weg ist“, sagt Schmidt. #Mainzbleibt1 heißt der Slogan, den die 05er vor diesem morgigen Heimspiel entwickelt und propagiert haben. Unter den Fans hat sich eine neue Aufbruchsstimmung breitgemacht. Das Mainzer Publikum wird das Team tragen und eine stimmungsvolle Kampfatmosphäre in der Arena als Unterstützung erzeugen. Den Rest müssen die Profis dann selbst erledigen.

 

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