Sonderapplaus für Noveski beim Comeback

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 kommt im Testspiel gegen den Zweitligisten SV Sandhausen nicht über ein mageres 1:1 (1:0) hinaus. Die Partie am Donnerstagnachmittag vor etwa 300 Zuschauern am Bruchweg zeigte viele Parallelen zu den zurückliegenden Bundesliga-Aufritten der Mannschaft von Kasper Hjulmand. Vieles gut, genauso vieles schlecht, zu wenig Chancen, zu wenige Tore für die deutliche Überlegenheit.

In alter Stärke: Nikolce Noveski erntete mehrfach Sonderapplaus vom Publikum für solch klare Abwehraktionen. Foto: René Vigneron

Mainz 05 – SV Sandhausen 1:1 (1:0)

FSV Mainz 05: Huth – Koch (71. Moos), Wollscheid, Noveski, Roßbach (88. Ihrig) – Soto, Saller (57. Serdar) – De Blasis, Allagui, Parker (51. Jairo) – Sliskovic (63. Seydel).

Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim).

Zuschauer: 300.

Solche Testspiele sind dafür da, dass die Reservisten Spielpraxis erhalten, nach Möglichkeit versuchen, mit guten Leistungen ihren Status innerhalb des Kaders zu verbessern und die Trainingsinhalte auf den Platz zu bringen. Das Freundschaftsspiel des FSV Mainz 05 am Donnerstagnachmittag am Bruchweg gegen den SV Sandhausen bot dem 05-Trainer in dieser Hinsicht viele Erkenntnisse. Und auch das Spiel selbst, das zu diesem 1:1 gegen den Zweitligisten führte, war äußerst aufschlussreich. Wenn auch überwiegend in negativer Hinsicht.

Kasper Hjulmand dürfte aber mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen haben, dass der Konkurrenzkampf auf den Innenverteidiger-Positionen auf vollen Touren läuft. Stefan Bell und Niko Bungert, die Stammspieler dieser Saison, durften pausieren. Dafür gab Nikolce Noveski ein ganz starkes Comeback. Der Routinier absolvierte sein erstes Siel über 90 Minuten nach gut zweimonatiger Zwangspause und überzeugte von Beginn an mit klaren, harten Abwehraktionen und Verteidigungsarbeit mit viel Übersicht. Das Publikum schien den 35-Jährigen regelrecht vermisst zu haben. Noveski erhielt für etliche Aktionen in der Anfangsphase spontanen Sonderapplaus der etwa 300 Zuschauer.

Zu oft blieb es beim Ansatz

Auch Noveskis Nebenmann in der Innenverteidigung, Philipp Wollscheid, präsentierte sich in guter Verfassung. Immer wieder beeindruckend bei dem Mann, der aus Leverkusen kam, ist dessen Fähigkeit, das Spiel von hinten heraus aufzubauen. Präzise Flachpässe nach Ballgewinn ins Zentrum des Spiels und immer an den Mann. Das ist eine Waffe, die gelegentliche Haken in der reinen Verteidigungsarbeit kaschiert.

Die Mainzer bestimmten das Geschehen gegen den Zweitligisten über die gesamten 90 Minuten. Gutes Kombinationsspiel aus dem Mittelfeld heraus, wo sich Elkin Soto in prächtiger Verfassung zeigte und das Mainzer Spiel lenkte. Positiv auch, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die insgesamt vier eingesetzten A-Jugendlichen in diesem Kreis behaupteten. Nicht gut war allerdings, was die 05er aus ihrer Dominanz und Überlegenheit machten. Im Endeffekt erarbeite sich das Team zu wenig wirklich gefährliche Chancen, im gegnerischen Strafraum ging recht wenig. Die Anzahl der Torchancen ließ deutlich zu wünschen übrig. Zu oft blieb es beim Ansatz. Den Treffer der Mainzer erzielte Devante Parker in der 34. Minute nach überregendem Zuspiel von Sami Allagui. Parker erlief den Pass durch die Schnittstelle der Abwehr, umdribbelte den Torhüter und schoss zur Führung ein.

Einige sehr gute Szenen, aber auch viel Stückwerk: Sami Allagui (links). Foto: René VigneronInsgesamt erinnerte das Spiel dieser Mainzer Mannschaft an die Aufritte zuletzt in der Bundesliga. Vieles gut, aber auch vieles nicht gut und zu wenig Tore. Kasper Hjulmand war nachher alles andere als zufrieden. Der 05-Trainer kritisierte, dass diese Art Ballbesitzfußball in etlichen Phasen zum Selbstzweck geraten sei. Da sei nicht Sinn der Sache. „Unser Aufbauspiel ist nicht darauf ausgerichtet, einfach nur aufzubauen Wir wollen damit Angriffe starten, Chancen und Tore erarbeiten“, sagte der 42-Jährige. „Wir spielen das zu langsam, da fehlen die scharfen Pässe, die Zusammenhänge im letzten Drittel. Wir setzen den Ballbesitz nicht in Torchancen um.“

Der Trainer vermisste die Tempowechsel. „Die sind so wichtig, dass wir unsere Positionen finden, hart und aggressiv nach vorne spielen können. Wenn das nicht da ist, wirkt das Ganze zu passiv.“  Hjulmand musste eingestehen: „Das hat nicht funktioniert, obwohl wir auch gute Momente hatten.“ Die Ansätze seien dagewesen, die Mannschaft habe eigentlich gut gespielt von hinten und aus dem Mittelfeld heraus, „aber dann kommt wieder der letzte Pass nicht. Da hat uns eindeutig Qualität gefehlt.“

Das war auffällig bei vielen 05ern in der Offensive. Sami Allagui hatte sehr starke Szenen, dann aber auch wieder welche, in denen der Stürmer den Ball nicht zum Nebenmann brachte, in den Zweikämpfen unterging. Besonders unglücklich geriet der Auftritt von Pablo De Blasis. „Da fehlt noch einiges“, sagte Hjulmand. Der Argentinier bemühte sich pausenlos, war immer unterwegs, kämpfte, rieb sich auf, aber so richtig brachte De Blasis nichts zusammen. Seine Pässe kamen nicht und auch in den Zweikämpfen ging nicht viel. Gute Szenen hatte der Stürmer in der Spitze. Einen Schuss ans Außennetz kurz nach der Pause, eine gute Torchance, die der Sandhausener Torhüter in der Schlussphase vereitelte.

De Blasis und Jairo ziemlich ungücklich

„Im Strafraum ist er wirklich sehr gut. Ansonsten muss er taktisch weiterarbeiten und lernen, seine Position zu verstehen“, sagte Hjulmand. Ähnliches gilt für Jairo. Der Spanier durchlebt im Moment offenbar eine Zwischenphase der Orientierung. Die Power, die Jairo in seiner Anfangszeit in Mainz zeigte, seine Dribblingmöglichkeiten, sucht der 21-Jährige im Moment vergebens. „Er macht Fortschritte, aber das ist nicht gut genug“, erklärte Hjulmand. Jairo muss entgegen früherer Gewohnheiten in Mainz mehr gegen den Ball arbeiten. Daran hapert es. Besonders nach Ballverlusten. In solchen Szenen vermisst der Coach die sofortige Reaktion, die Arbeit nach hinten. „Jairo weiß, dass dies ein wichtiges Thema für ihn ist. Er ist sehr aufmerksam und will lernen.“ Doch offenbar braucht es seine Zeit, sich diesen Prinzipien zu verschreiben.

So endete ein Testspiel mit einem unbefriedigenden 1:1, statt dass sich die 05er aus ihrer Überlegenheit einen klaren und herausgespielten Erfolg gegönnt hätten. Den Gegentreffer erzielte Alexander Bieler kurz vor dem Abpfiff. Die Mainzer hatte etliche ganz gute Möglichkeiten, im Endeffekt aber lagen die dickeren Chancen sogar beim Zweitligisten. Yannik Huth musste spektakulär eingreifen gegen einen Hechtkopfball von Rene Gartler (32.), Aziz Bouhaddouz knallte einen Schuss an den Pfosten (36.). Nach einem Fehlpass von De Blasis verhinderte der 05-Keeper gleich zweimal hintereinander in höchster Not den Gegentreffer, als Huth zunächst in einer Eins-gegen-eins-Situation klärte und auch noch den abgeprallten Nachschuss von der Linie kratzte (65.).  

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