Spektakel mit Fehlern in der Box

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 ist in seinen Heimspielen in dieser Saison immer für ein Spektakel gut. Was die Mannschaft von Martin Schmidt jedoch nicht schafft in der Opel Arena, ist einen verdienten Vorsprung über die Zeit zu bringen. Wie schon zuvor gegen Hoffenheim und Saint-Etienne leisteten sich die 05er erneut zu viele Fehler vor dem eigenen Tor. Und so gab es nach den zwei Auswärtssiegen in dieser Englischen Woche nicht den erhofften dritten Erfolg, sondern eine eher frustrierende 2:3-Niederlage in der Nachspielzeit vor 25.274 Zuschauern gegen Bayer Leverkusen. Die Stimmen dazu.

Am Sonntagmorgen ist Rouven Schröder zu Gast in der Sendung Doppelpass bei Sport 1. Eigentlich sollte der Sportdirektor des FSV Mainz 05 dort erzählen, warum die 05er auch in der noch jungen Saison schon wieder gut in Schuss und mit einem veritablen Punktekonto ausgestattet sind. In der Halbzeit der Partie am Samstag in der Opel Arena gegen Bayer 04 Leverkusen sah vieles danach aus, dass sich die Mainzer mit einem Sieg gegen den Favoriten und dann mit zehn Punkten weit vorne in der Tabelle einnisten könnten. Jetzt aber muss Schröder im Fernsehen erklären, warum Mainz 05 im Moment für viel Fußball-Spektakel steht, aber auch warum die Mannschaft wie schon in den anderen Heimspielen gegen Hoffenheim und Saint-Etienne solche Vorsprünge nicht über die Zeit bringen kann. Nach zwei Unentschieden führte die Abwehrschwäche im eigenen Strafraum diesmal zur ersten Heimniederlage. Bayer Leverkusen schaffte in der 92. Minute noch den Siegtreffer zum 3:2. „So ist Fußball“, sagte der 05-Sportdirektor anschließend. Eine Antwort, die ihn beim Fußball-Stammtisch ein paar Euro fürs Phrasenschwein kosten würde.

Schröder wird am Sonntagmorgen auch darüber reden müssen, dass der eigentlich so gut und breit aufgestellte 05-Kader im Moment vor allem in der Defensivabteilung aus dem letzten Loch pfeift. Die verletzte oder gesperrte Riege der Sechser hat nun auch noch Zuwachs von den Innenverteidigern erhalten. Niko Bungert war gar nicht im Kader. Der Kapitän musste wegen muskulärer Probleme komplett aussetzen. Leon Balogun griff sich schon nach wenigen Minuten an die Leiste und musste aufgeben. „Das ist mehr als eine Verhärtung, das geht in den Bereich der Zerrung“, klärte Martin Schmidt nachher auf. Balogun sei bei einem Kopfballduell mit dem Standbein weggerutscht und habe sich so verletzt, dass nichts mehr gegangen sei. Der Innenverteidiger wird auch am Donnerstag im Europaliga-Gruppenspiel in Baku fehlen, bei Bungert besteht noch Hoffnung, dass er es wenigstens auf die Bank schafft.

Die Anweisungen von Martin Schmidt an Daniel Brosinski bleiben ohne Wirkung. Das Mainzer Mittelfeld kriegt in der zweiten Hälfte vor allem die gefährlichen Leverkusener Flugbälle in den Strafraum nicht verteidigt. Foto: ImagoSo schnell kann’s gehen. Nach den zwei Auswärtssiegen in Folge, war die gute Stimmung bei den 05ern am Samstagabend erstmal dahin. Diese 2:3-Niederlage war sicher so nicht notwendig. „Am Mittwoch ist es so für uns gelaufen, jetzt gegen uns“, sagte Schröder. „Ein Punkt wäre für uns ein gutes Ergebnis gewesen, weil Leverkusen in der zweiten Halbzeit schon deutlich dominant war, und wir leider keine Entlastung mehr fahren konnten. Natürlich ist es sehr bitter, wenn man kurz vor Schluss das 2:3 so kassiert. Wir wissen aber ja auch, wie es ist, wenn es andersherum geht. Wir haben in dieser Woche beide Seiten erlebt.  In der zweiten Halbzeit haben wir gesehen, dass Leverkusen sehr stark war und sehr viel Druck gemacht hat. Die Jungs haben aufopferungsvoll gekämpft, aber Leverkusen war näher am Sieg. Das muss man dann auch akzeptieren. Wir sehen bei den Gegentoren, vor allem beim letzten nicht gut aus, verteidigen schlecht in der Box. Das ist ärgerlich, dass da drei Bälle aus der zentralen Position vorne reinkommen, die zu Gegentore werden. Das müssen wir uns anschauen, ansprechen und besser machen. Wir haben aber auch viele gute Dinge gesehen, eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, darauf lässt sich wieder aufbauen. Leverkusen hat in der zweiten Hälfte gezeigt, dass sie ein Top-Klub sind. Sie waren da einfach besser. Das müssen wir akzeptieren.“

Der 05-Trainer machte hausgemachte Gründe aus für die erste Heimniederlage. „Das Spiel haben wir ganz klar in der zweiten Halbzeit verloren. Wir hatten eine Passquote, die wir so nicht kennen. Wir haben die Zweikampfquote nicht mehr hingekriegt. Wir haben zu wenig Druck nach vorne aufbauen können, um Entlastung zu kriegen. Wir konnten keinen Ball mehr festmachen, um nachrücken zu können. Schlussendlich haben wir dann auch keine Großchance mehr herausgespielt. So geht das Spiel dann in die Richtung wie es gegangen ist“, sagte Martin Schmidt. „Den Vorsprung konnten wir nicht halten, und in der Nachspielzeit haben wir noch den einen Punkt verloren, den wir aus diesem schweren Spiel gerne mitgenommen hätten. Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, in der man gesehen hat, dass unser Plan gut verteidigen, hoch verteidigen, dem Gegner aus dem Spiel heraus fast keine Chance zu geben, aufgegangen ist. Unsere Umschalter haben geklappt, die Räume, in die wir spielen wollten, haben wir gefunden. Wir haben ein Kontertor gemacht, ein Standardtor nachgelegt. Die zweite Hälfte hat aber dazu geführt, dass wir nicht mehr haben als wir nun haben.“

Der 05-Trainer kündigte an, mit seinem Team intensiv an diesen Mängeln zu arbeiten. „Wir werden das kritisch beleuchten“, sagte der 49-Jährige. „Die Mannschaft ist schon sehr selbstkritisch mit sich umgegangen nach dem Abpfiff.  Wir haben die Flugbälle in den Strafraum heute nicht verteidigt. Das war ihr Thema. Da musst du als Trainer nicht mehr viel dazu sagen. Drei Flugbälle in die Box, dreimal den Zweikampf verloren, drei Gegentore. Das war ein Ansatz, den wir so nicht erwartet haben. Wir wussten, dass wir das schnelle, sichere Passspiel der Leverkusener in die letzte Zone verteidigen müssen. Das haben wir mit Mühe und Not hingekriegt. Bei diesen hohen Bällen haben wir nicht gut ausgesehen. Da haben wir einiges vor uns, was wir aufarbeiten müssen. Nützt nichts. Kopf hoch. Weiter. Wir haben in der Nachspielzeit einen Punkt verloren, denn mehr als einen hätte es nicht gegeben. In Bremen haben wir in der Nachspielzeit zwei gewonnen. Macht immer noch eins plus. Es ist viel Spektakel bei uns in den Spielen, wir kriegen aber zu viele Gegentore, daran werden wir arbeiten. Wir hoffen, dass die Spieler bald wieder zurückkommen, die wir brauchen. Nach der Länderspielpause werden wir wieder Vollbestand haben, da werden wir die Punkte, die wir jetzt herschenken, wieder zurückholen. Das ist unser Anspruch.“

Dass die Aufgabe für seine Mannschaft in Mainz sehr schwer werden würde, sei von Anfang an klar gewesen, sagte Roger Schmidt. „In der ersten Halbzeit haben wir den Mainzern den Gefallen getan, ihre starken Waffen im Spiel nach vorne zum Vorschein zu bringen. Wir hatten zwar viel Ballbesitz, haben aber viele Fehler gemacht. Mainz hatte gute Ballgewinne, hat schnell umgeschaltet und ist dann in der Lage, gute Entscheidungen zu treffen im Spiel nach vorne. Damit haben sie sich die Halbzeitführung auch verdient“, rekapitulierte der Bayer-Coach. „In der zweiten Halbzeit war es ein anderes Spiel. Wir sind entschlossener auf den Platz gekommen, haben besser nach vorne verteidigt, mit besserem Pressing und vor allem Gegenpressing. Da haben wir alles besser gemacht, was man besser machen kann im Fußball. Mainz hatte keine Torchance mehr im zweiten Durchgang. Wir haben einige gut herausgespielt und dann aufgrund der Leistungssteigerung das Spiel gewonnen, auch wenn es natürlich glücklich ist mit dem Tor in der Nachspielzeit.“

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