Startelf: 05-Kader macht's Schwarz nicht leicht

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat sein Testspielprogramm dieser Sommer-Vorbereitung abgeschlossen und kann nach dem 2:0-Erfolg gegen den FC Twente Enschede eine positive Bilanz ziehen. Die Defensivarbeit funktioniert schon gut, das Aufbauspiel im Ballbesitz klappt, auch die Umschaltung nach Balleroberung. Nur vorne hapert es noch mit der Chancenerarbeitung und den Abschlüssen. Und wie sieht es eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel personell aus im Hinblick auf eine mögliche Startformation? Die nullfünfMixedZone gibt einen ersten Überblick.

Sandro Schwarz kann ein positives Fazit ziehen nach dem Testspielprogramm. Der 05-Trainer muss nun die richtigen Formationen finden für den Start. Foto: Ekkie VeyhelmannSieben Begegnungen, fünf Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage: Der FSV Mainz 05 hat sein Testspielprogramm abgeschlossen und kann eine positive Bilanz ziehen. Zwei Erfolge zum Auftakt gegen die Regionalligisten aus Aachen und Koblenz, ein Ausrutscher mit der Niederlage beim Drittligisten in Wiesbaden, ein Remis gegen den Zweitligisten Greuther Fürth und drei souveräne Siege gegen die internationalen Erstligisten FC Tokio (5:2), Newcastle United (2:1) und schließlich mit dem 2:0 am Samstag gegen den FC Twente Enschede aus Holland. Nun bleibt dem 05-Trainer noch eine Trainingswoche zur Einstimmung auf das DFB-Pokalspiel beim Lüneburger SK sowie eine weitere Woche zur Vorbereitung auf den Bundesligastart im eigenen Stadion gegen Hannover 96. Genügend Zeit also immer noch für Sandro Schwarz, das Spiel seiner Mannschaft zu entwickeln, an den noch vorhandenen Defiziten zu arbeiten und die richtigen Formationen für die beiden unterschiedlichen Aufgaben zum Saisonstart zu finden.

Die Partie am Bruchweg gegen den holländischen Ehrendivisionär war noch einmal ein echter Härtetest für alle 05-Profis. Das in drei Durchgänge aufgeteilte Match gegen ein starkes Team, das nächste Woche schon in die Meisterschaftsrunde startet, bildete den aktuellen Leistungs- und Entwicklungsstand der 05er sehr gut ab und lieferte Schwarz weitere wichtige Eindrücke. Für den Trainer war es ein überaus gelungener Abschlusstest. Der Unterhaltungswert der 135 Minuten dauernden Veranstaltung war eher gering, doch da kein zahlendes Publikum zugelassen war, stand dieser Aspekt ohnehin nicht im Vordergrund. Das Spiel zeigte jedoch, dass die Mannschaft in ihren verschiedenen Zusammensetzungen in der Lage ist, sich in einer harten und intensiven Auseinandersetzung auf ansprechendem Niveau gegen einen Erstligisten durchzusetzen.

Vowärtsverteidigung funktioniert

Auffallend gut funktionierte die Defensivarbeit. Die Holländer, die jede Menge Stürmer aufboten und ausprobierten, erhielten während der gesamten 135 Minuten nicht eine wirklich gefährliche Torgelegenheit. Die Arbeit, die das 05-Team gegen den Ball ablieferte, stimmte. Die 05er überzeugten mit aktiver Vorwärtsverteidigung, hatten viele Balleroberungen, holten sich verlorene Bälle mit intensivem Gegenpressing zurück und zeigten eine geschlossene Abwehrleistung. Das sind schon mal gute Voraussetzungen für den bevorstehenden Start. Im Offensivspiel ist dagegen noch reichlich Luft nach oben. Gegen einen tief stehenden Gegner, der im engmaschigen 4-4-2 ebenfalls situativ nach vorne verteidigte, die Aufbauspieler anlief und offensiv presste, fanden die 05er immer wieder gute Lösungen im Spielaufbau. Eröffnung von hinten heraus, eigener Ballbesitz, Kombinationsspiel bis tief in die gegnerische Hälfte. Das funktionierte gut, egal, in welcher Konstellation. Die Mainzer gelang zwar eine Mischung mit Pässen zwischen die Linien der Holländer, mit diagonalen Verlagerungen und Flügelspiel.

Doch zum Abschluss kamen die 05er aus dieser Dominanz heraus gegen die gute Twente-Abwehr viel zu selten. Entweder war es der vorletzte Pass hin zum Strafraum und  der letzte Pass in die Box hinein, der nicht kam. Oder die Offensivkräfte verzettelten sich, agierten ganz vorne nicht schnell genug, um gefährlich zu werden. Den beiden Spitzen, zunächst Kenan Kodro, dann Yoshinori Muto, fehlte trotz viel eigener Aktivität zu oft das verwertbare Zuspiel. Wobei Muto hinten heraus auch selbst ein paar gute Möglichkeiten vergab. Schwarz führte dieses Manko auf fehlende Frische zurück, die in den kommenden Tagen durch reduzierte Umfänge in den täglichen Spielformen nun nach und nach kommen werde, wie der Trainer versicherte. „Im Hinblick auf Lüneburg fühlen wir uns nach fünf Wochen gut vorbereitet“, sagt der 38-Jährige. „Am Montag gibt’s nochmal einen freien Tag, am Dienstag beginnt unsere Trainingswoche. Dann gilt es die Dinge für Lüneburg einzustudieren und die nötige Frische zu holen.“

Mit dem starken Franzosen Abdou Diallo ist im Abwehrbereich eine starke Konkurrenz für Stefan Bell und Leon Balogun gewachsen. Foto: Ekkie VeyhelmannDie schwierigste Aufgabe steht dem Trainer dann noch bevor. Schwarz muss aus einem insgesamt homogen wirkenden Kader die richtigen Aufstellungen für die ersten beiden Pflichtspiele finden. „Ich bin froh darüber, dass es schwierig wird eine Startaufstellung zu finden“, erklärt der Coach. „Das heißt ja, dass alle bisher Bereitschaft zeigen, ihre Leistung abzurufen. Das analysieren wir noch mal genau. Wir sind aber sehr zufrieden mit dem Konkurrenzkampf, wie die Jungs damit umgehen, dass da keiner nachlässt. Wir treten als Mannschaft geschlossen auf. Es ist mein Job, die richtigen Leute rauszusuchen. Und dann gucken wir eine Woche später, was gegen Hannover geht.“

Schwarz hat bereits angekündigt, dass einige Profis zum Auftakt gesetzt seien. Natürlich gehört dazu René Adler im Tor, der die Erwartungen, die der Klub in den routinierten Ex-Nationalspieler setzte, voll erfüllt hat und mit seiner Präsenz, seinen ständigen Kommandos und Hinweise an seine Vorderleute jetzt schon ein extrem wichtiger Faktor in der Defensive darstellt. Die gestandenen Wettkämpfer Stefan Bell und Daniel Brosinski dürften ihren Platz sicher haben. Leon Balogun hat einen guten Eindruck hinterlassen als Innenverteidiger. Niko Bungert hat sich zurückgemeldet mit einer überzeugenden Leistung gegen Twente. „Er hat das seriös gemacht, verteidigt, was zu verteidigen war, einen Treffer erzielt nach Standard. Es hat sich in der Trainingsarbeit angedeutet, dass Niko sofort in der Leistung drin ist, wenn er auf dem Platz steht“, so der Trainer.

Doch sowohl im Abwehrzentrum als auch auf der linken Verteidigerposition ist mit Neuzugang Abdou Diallo eine mächtige Konkurrenz dazugekommen. Der Franzose dürfte trotz seiner Jugend ein Startelf-Kandidat sein. Gegen Enschede überzeugte Diallo vor allem auf der Außenbahn. „Wir wussten, dass er das links auch gut kann“, sagt Schwarz. „Er hat die Rolle sehr gut interpretiert in der Defensivhaltung mit gutem Vorwärtsdrang und viel Ruhe am Ball.“ Zum Bundesligaauftakt dürfte rechts der routinierte Kämpfer Giulio Donati die Nase vorne haben. In Lüneburg, wo es wohl darum gehen wird, einen tief stehenden Gegner, mit Tempo und eigenem Ballbesitz zu bespielen, könnte Karim Onisiwo, der einen überraschend guten Eindruck hinterlassen hat in dieser Vorbereitung, Vorteile haben.

An Latza führt kein Weg vorbei

Auf der Sechs führt kein Weg an Danny Latza vorbei. Das ist klar. Latza ist der Motor, der Dreh- und Angelpunkt. Daneben überzeugten der sehr solide auftretende Suat Serdar, aber auch Philipp Klement als spielfreudiger Ballverteiler mit überraschenden Drehungen und Ideen. Klement hat diese Sommervorbereitung genutzt, um sich im Kader fest zu etablieren. Der 24-Jährige muss allerdings noch etwas mehr Selbstbewusstsein entwickeln, im Moment ordnet sich Klement noch zu häufig unter. Fabian Frei, der fußballerisch alle Möglichkeiten besitzt für diese Position, bleibt nach wie vor die große Unbekannte in der Mittelfeldgleichung der 05er.

Die Zehnerposition geht eindeutig an Alexandru Maxim, auch wenn Robin Quaison die Rolle nicht nur gegen die Holländer ansprechend ausfüllte. Der Neuzugang aus Stuttgart kann das Mainzer Spiel bestimmen, zeigt sich zudem sehr mannschaftsdienlich, hat das Auge für die Anspiele und einen guten Abschluss. Gegen die Holländer misslang Maxim mit nachlassender Kraft der eine oder andere einfache Ball. „Er ist aber sehr beweglich in den Räumen, zeigt sich, will immer die Kugel haben. Das ist sehr gut, dass er immer die Bälle holen will und ein gutes Positionsverhalten hat“, sagt Schwarz.

Ganz vorne stellt sich die Frage, ob Muto oder Kodro die Sturmspitze bilden. Oder vielleicht sogar beide. Der 05-Trainer bevorzugt die Grundaufstellung im 4-2-3-1. Doch in den einzelnen Spielen gestalteten sich die Positionen eher fließend. Bei eigenem Ballbesitz wurde daraus häufig ein 3-3-4, gegen Enschede war es am Ende ein 4-4-2 mit Muto und Emil Berggreen. Aber auch Ballbesitzvarianten im 3-4-3 oder  im 4-4-2 mit Raute haben die 05er in der Vorbereitung gezeigt.

Viktor Fischer dürfte auf Linksaußen erste Wahl sein. Der Neuzugang überzeugte mit Schnelligkeit, gutem Eins-gegen-eins-Spiel mit viel Zug zum Tor,  Abschlussqualitäten. Pablo De Blasis ist immer ein Thema für eine Startelf. Der Argentinier kam nach etwas Anlaufzeit immer besser in Form, präsentierte sich dann als gewohnt schwer zu greifender Offensivmann und als guter Passgeber. Und das nicht nur beim Führungstreffer gegen Newcastle.

Optionen hat Schwarz jedenfalls zur Genüge. Mit Gerrit Holtmann auf der linken Seite, mit Levin Öztunali, Quaison, Jairo Samperio, Aaron Seydel oder dem in der Vorbereitung solide aufspielenden Rückkehrer José Rodriguez. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass sich der Kader in der Schlussphase der Transferperiode doch noch einmal leicht verändert.

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