Stellt Weinzierl die frische A-Elf auf?

Christian Karn. Mainz.
Nach dem missratenen Saisonstart mit fünf Niederlagen in der Bundesliga ist der FC Schalke 04 inzwischen in Schwung gekommen. Vier Punkte sind's nun in der Liga, alle neun in der Europa League, und manches spricht dafür, dass der neue Trainer Markus Weinzierl am Donnerstag in Krasnodar eine B-Mannschaft hat spielen lassen, um heute gegen Mainz 05 eine frische A-Elf aufstellen zu können. Einer fehlt jedoch: Breel Embolo, der teuerste Einkauf, der neue Torjäger, der vergangene Woche beim FC Augsburg so schwer verletzt wurde.

Den Saisonstart hat der FC Schalke 04 mal schön versaut. 0:1 in Frankfurt, nach einem Überfall der Eintracht und einer eigenen Offensive, die nicht so recht in Gang kam - das ist auch anderen schon passiert, das ist dann ein Problem, wenn es weitergeht mit einem Heimspiel gegen die Bayern und drei Partien gegen die Unbequemen dieses Herbsts, gegen die fiese Hertha, die sachlichen Kölner und die wahnsinnigen Hoffenheimer. Schalke verlor: Alles. Gegen die Bayern hielten sie trotz sichtbarer Unterlegenheit das 0:0 bis in die 81. Minute, dann fielen zwei Gegentore. Hertha war wirklich nicht überlegen, aber war kaum drin im Spiel, gewann aber nach zwei individuellen Fehlern der Schalker Sechser 2:0. Einer der Sechser, Nabil Bentaleb, bereitete die Schalker Führung gegen Köln vor, aber der FC glich den Rückstand schnell aus und schoss seine beiden Siegtreffer zum 3:1 nicht viel früher als die Bayern. Gegen Hoffenheim legte Schalke eine sehr frühe Führung vor, aber wieder war's Bentaleb, der mit einem Fehlpass die eigene Abwehr aus dem Spiel nahm und der TSG das Siegtor ermöglichte. In der Nachspielzeit hätte Schalke einen Elfmeter zum möglichen 2:2 bekommen müssen.

Johannes Geis kümmert sich um den schwer verletzten Breel Embolo und kann's auch nicht mehr verhindern, dass der Schweizer Nationalspieler frühestens in der Endphase der Saison wieder spielen wird. Fotos: imagoFünf Spiele also, fünf Niederlagen. Ein Trend in Richtung Abstiegskampf?

Das muss nicht sein. In der Europa League hatten die Schalker schon in Nizza 1:0 gewonnen, auf die fünfte Niederlage reagierten sie mit einem niemals gefährdeten 3:1 gegen RB Salzburg. Und auch in der Liga schafften sie den Befreiungsschlag: 4:0 gegen Gladbach. Schon in der torlosen ersten Hälfte war Schalke die deutlich aktivere Mannschaft, in der zweiten entschieden sie das Spiel schnell: Maxim Choupo-Moting brachte sie in der 52. Minute in Führung, Breel Embolo (56.) und Leon Goretzka (58.) erhöhten auf 3:0, Embolo spät auf 4:0. In Augsburg gab es nur ein 1:1 - wieder mit Bentaleb in einer Hauptrolle, wobei erst das Hawkeye-Kamerasystem eindeutig zeigte, dass der Ball beim Führungstor des algerischen Nationalspielers hinter der Linie war. Obwohl aber ein 1:0 gegen den FK Krasnodar und damit der siebte bis neunte Punkt in der Europa League folgten, war es eine unerfreuliche Woche für Schalke - nach dem Foul von Kostas Stafylidis wird ihnen Breel Embolo mit zwei Frakturen und zwei Bänderrissen vielleicht bis zur Sommerpause fehlen.

Unter den vielen Neuzugängen war Embolo der Königstransfer von Christian Heidel, sicherlich dessen persönlicher Ablöse-Rekord, denn ob die 22,5 Millionen, die der FC Basel für den 19-jährigen Nationalstürmer der Schweiz kassiert haben sollen, stimmen oder nicht: Mit Mainz 05 hätte Heidel nicht mal annähernd in dieser Größenordnung einkaufen können. Auch Benjamin Stambouli, der andere neue Sechser, der für angeblich 8,5 Millionen von Paris Saint-Germain kam und in letzter Zeit auf der Bank sitzt, hätte die Mainzer Möglichkeiten überstiegen. Coke, der Rechtsverteidiger, der ehemalige Kapitän des Sevilla FC, der hätte bezahlbar sein können; für Schalke haben sich die vier Millionen noch nicht gelohnt: Kurz nach dem Transfer verletzte sich der Spanier am Kreuzband, sein Debüt ist noch weit entfernt. Jewgen Konopljanka, aus Sevilla ausgeliehener ukrainischer Linksaußen, Abdul Rahman Baba, von Chelsea ausgelieher und aus Fürth und Augsburg bekannter Linksverteidiger, Naldo, der Innenverteidiger aus Bremen und Wolfsburg und der aus Tottenham geliehene Bentaleb waren nicht so teuer.

Mit fünf Niederlagen ist der FC Schalke 04 in die Bundesligasaison gestartet, aber er hat den Spaß am Fußball wiedergefunden. Wettbewerbsübergreifend sind die Gastgeber der Mainzer seit vier Spielen ungeschlagen - drei Siege, ein Remis.Heidel hat aber nicht nur Geld ausgegeben, sondern auch ein Rekord-Preisschild geschrieben. Die meisten Abgänge, darunter die Innenverteidiger Marvin Friedrich, Kaan Ayhan, Joel Matip (nach Liverpool) und Roman Neustädter (zu Fenerbahce) haben nicht so viel Geld eingebracht, Leroy Sané dagegen war Manchester City 50 Millionen Euro wert.

Immerhin: Bis auf Coke und Embolo sind die Schalker weitgehend komplett - außerdem fehlt Atsuto Uchida, dessen drohende Sportinvalidität Schalke vor zwei Monaten schon dementieren musste, und zwar schon seit März 2015. Schwer abschätzbar wird die Schalker Aufstellung durch das enge Programm - wie die 05er spielten auch die Gelsenkirchener erst am Donnerstag in der Europa League, und zwar nicht im bequemen eigenen Stadion, sondern noch jenseits der russischen Schwarzmeerküste, einen Sechs-Stunden-Flug von der Heimat zurück. Markus Weinzierl, der neue Trainer, wird sicherlich die Mannschaft auf der einen oder anderen Position verändern. Die Defensive könnte so bleiben, wie sie in Russland gespielt hat, mit Torwart Ralf Fährmann, den Innenverteidigern Matija Nastasic und Naldo, Baba links und Benedikt Höwedes rechts. Im defensiven Mittelfeld werden sicher nicht wieder Stambouli und Dennis Aogo spielen, eher der Ex-Mainzer Johannes Geis und Bentaleb. In der Offensive hätte Weinzierl statt Max Meyer auch Leon Goretzka als Zehner, statt Konopljanka auch Maxim Choupo-Moting für den linken, statt Junior Caicara auch Alessandro Schöpf für den rechten Flügel, statt Franco di Santo auch Klaas-Jan Huntelaar als Mittelstürmer - sofern Bentaleb, Choupo-Moting und Goretzka tatsächlich wieder fit sind, kann Weinzierl also vor der Viererkette alles austauschen, und die Aufstellung aus Krasnodar sieht so aus, als hätte er genau das auch geplant, um im wichtigen Bundesligaspiel wieder die frische A-Elf stellen zu können.

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