Stresstest mit Hardcore-Fußball

Jörg Schneider. Mainz.
Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel des neuen Jahres, der Partie gegen den 1. FC Köln in der Opel Arena zum Abschluss der Vorrunde in der Bundesliga, steht für die Profis des FSV Mainz 05 ein wichtiges und richtungweisendes Test-Wochenende auf dem Dienstplan. Am Samstag nimmt das Team von Martin Schmidt am Telecom-Cup in Düsseldorf teil, trifft dort zunächst auf Borussia Mönchengladbach und anschließend entweder auf Bayern München oder die gastgebende Fortuna. Am Sonntag (14 Uhr) folgt im Bruchwegstadion das Testspiel gegen den FC Thun aus der Schweiz.

Für die Fußballprofis des FSV Mainz 05 steht ein wichtiges und richtungweisendes Wochenende vor der Tür. Ein Zwei-Tage-Programm mit Begegnungen, in denen sich herauskristallisieren wird, wer eine Woche später im letzten Vorrundenspiel zu Hause gegen den 1. FC Köln ein Startelf-Kandidat ist, wer zum Spielkader gehört und wer noch nacharbeiten muss für den Beginn der Rückrunde in der Bundesliga. Das Team von Martin Schmidt nimmt am Samstag teil am Telekom-Cup in Düsseldorf, wo zunächst der FC Bayern München gegen Fortuna Düsseldorf beginnt (15 Uhr). Anschließend treffen die 05er auf Borussia Mönchengladbach (16.15 Uhr). Nach diesen zwei Halbfinalbegegnungen über jeweils 45 Minuten gibt’s ein Spiel um Platz drei sowie ein Finale. Einen Tag später bestreiten die 05er dann zu Hause im Bruchwegstadion das Testspiel gegen den FC Thun aus der Schweiz. Jenem Klub, bei dem der 05-Coach drei Jahre lang als U21-Trainer beschäftigt war. Die Partie um 14 Uhr am Sonntag soll dem 49-Jährigen dann die letzten Erkenntnisse liefern für den Saisonstart. „Gegen Thun, das ist unser Abschlusstest. Da wollen wir uns schon mal an den Alltag gewöhnen, an den Hardcore-Fußball, wie er danach in der Bundesliga ansteht. Auch von den Klimaverhältnissen her. Wir wollen nun von den Experimenten mehr und mehr wegkommen und in Richtung Ergebnisspiel gehen“, sagt der 05-Trainer.

Die Trainingsschwerpunkte dieser Vorbereitung lagen bisher in der Defensive. Jetzt kommen auch die offensiven Abläufe für Aaron Seydel, Gerrit Holtmann und ihre Kollegen an die Reihe.Nach dem intensiven Trainingslager in Marbella hatte Schmidt bereits angekündigt, dass sein Kader vor einer kernigen, intensiven und wichtigen Woche stehe. „Jeder soll hart an sich arbeiten und das Beste aus den Einheiten rausziehen.“ Die Wahl der Spielformen sei entsprechend so gesteuert, dass die Spieler im Training immer ans Limit kommen. Danach bilde sich eine Stammformation heraus. Die Mainzer haben dafür alles genauestens protokolliert und von allen Trainingseinheiten Videos produziert. Genauso von allen bisherigen Testspielen. „Jedes Training wird von jedem Trainer im Nachgang bewertet. Und zwar für jeden einzelnen Spieler“, erklärt Schmidt. „Wir stellen bei jedem Einzelnen fest, ob das Schwerpunktziel der Einheit inhaltlich erreicht wurde und wie die individuelle Trainingsleistung war. So kristallisiert sich mehr und mehr raus, wer in Form ist. Wir sehen, welche Spieler die Zweikämpfe führen, sich insgesamt nach vorne hieven und dran sind. Wir sehen dabei auch Spieler, bei denen man merkt, dass sie die letzten Meter nicht gehen. Sogar bei den Abschlussläufen, haben wir auf diese Art und Weise feststellen können, wer die letzten  Meter nicht mehr mitgeht. Das wird alles gefilmt und dann bei den Leuten anmoderiert. Da sieht man den Leistungsstand. Das sind spannende Einheiten.“

Er habe bisher keine Verlierer der Vorbereitung entdeckt, dafür aber doch etliche Spieler gesehen, die noch mehr Hausaufgaben zu erledigen hätten. „Wir sehen dabei schon Spieler, bei denen es noch an der Intensität fehlt, an intensiven Läufen. Bei einigen sehen wir, dass noch das eine oder andere Kilo, das weg muss bis zum Start. Wir sehen auch, bei wem es im Ausdauerbereich schon gut ist, wo wir nur noch an die Schnelligkeit ran müssen. Wir arbeiten an allem, aber sehr individualisiert“, betont der Walliser.

Aufgrund von Verletzungen und der bei nicht allen gleich voranschreitenden Formentwicklung werde es auch nach den ersten beiden Pflichtspielen gegen Köln und zu Hause gegen Borussia Dortmund noch weitere Testspiele geben, kündigte Schmidt an. Für Profis, wie Jairo, Suat Serdar oder Karim Onisiwo, die sich im Trainingslager und in der Vorbereitung nicht zeigen konnten, sei dies dringend notwendig. „Die Vorbereitung wird sicher bis Ende Januar dauern. Wenn wir die Grundlagen für die Saison nicht für alle Profis nacharbeiten, laufen wir Gefahr, dass bei einigen, die etliches im Programm verpasst haben, irgendwann das Benzin ausgeht oder sie in eine Verletzung reinlaufen. Deshalb sind wir schon dran, das Niveau breitgefächert und individuell für alle auf denselben Stand zu bringen.“

Die Schwerpunkte der Arbeit lagen bisher im Defensivbereich. Da habe sich bereits ein klarer Fortschritt angedeutet. Der nächste Schritt müsse jetzt kommen in Sachen Stabilität. Und im Laufe dieser Woche nach Marbella ist es zu Hause dann auch verstärkt um die Offensive gegangen. Denn das Offensivkonzept war in den ersten zehn Tagen im neuen Jahr noch kein Thema. „Wenn du Offensivaktionen übst, braucht es immer wieder Pausen dazwischen“, so Schmidt. Das habe jedoch nicht in die Grundlagenarbeit gepasst. „Da haben wir 100-Minuten-Einheiten gebraucht, um die fußballspezifische Ausdauer hinzukriegen. Widerstandstraining. Die Ausdauer war bis jetzt der Schwerpunkt. Die Raumaufteilung und die intensiven Läufe.“

Der 05-Trainer hat eine Videoanalyse „von dem, was wir offensiv machen wollen“, vorausgeschickt. „In welcher Konstellation auch immer. 4-2-3-1 ist unser festes System. Im Anlaufen ein 4-4-2. Wenn wir den Ball haben, ist das System sowieso immer variabel. Uns ist vordergründig die Prinzipienlehre wichtig und was nach der Balleroberung passiert. Aber das bringt uns alles nichts, wenn du die Grundlagenausdauer nicht hast, es nicht gelaufen kriegst und die Zweikämpfe nicht entsprechend führst.“

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